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KFOR-Truppen dank Luxemburg gut versorgt
Politik 2 Min. 03.05.2018 Aus unserem online-Archiv

KFOR-Truppen dank Luxemburg gut versorgt

Eingang zur Notaufnahme des Krankenhauses, das in nur zwei Monaten aufgebaut wurde.

KFOR-Truppen dank Luxemburg gut versorgt

Eingang zur Notaufnahme des Krankenhauses, das in nur zwei Monaten aufgebaut wurde.
Chris Karaba
Politik 2 Min. 03.05.2018 Aus unserem online-Archiv

KFOR-Truppen dank Luxemburg gut versorgt

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Am Mittwoch reiste Vizepremier Etienne Schneider zusammen mit einer 30-köpfigen Delegation zum NATO-Stützpunkt Film City in Pristina. Ziel des Kurzbesuchs: die Besichtigung des von Luxemburg finanzierten medizinischen Zentrums.

1.178 Luxemburger Soldaten haben 17 Jahre lang im Rahmen der NATO-Sicherheitstruppe KFOR im Kosovo gedient. Damit ist seit Oktober Schluss. Um den Abzug zu kompensieren, unterstützt Luxemburg die medizinische Versorgung der verbleibenden 4.000 KFOR-Soldaten. Zuvor hatte Deutschland für die medizinische Versorgung der Truppen gesorgt. 2017 hat das Nachbarland die Mission beendet, sodass eine neue Lösung gefunden werden musste.

Da sich keine militärische Lösung fand, weil keines der an der KFOR-Mission beteiligten 28 Länder bereit war, diese Aufgabe zu übernehmen, hat man sich für eine kommerzielle Lösung entschieden. Die medizinische Versorgung wird über ein sogenanntes Contracting eingekauft. Zuständig ist die Firma Iqarus, ein Gesundheitsdienstleister, der auf die medizinische Versorgung in militärischen Einsatzgebieten spezialisiert und unter anderem auch in Afghanistan, in Somalia und in Mali aktiv ist.

Zum medizinischen Zentrum gehört auch ein Ambulanzfahrzeug.
Zum medizinischen Zentrum gehört auch ein Ambulanzfahrzeug.
Foto: Chris Karaba

In nur zwei Monaten war das Zentrum aufgebaut und betriebsbereit. Das multidisziplinäre Team besteht aus 36 Mitarbeitern aus mehreren Ländern, darunter Italien, Bulgarien, Frankreich, Griechenland, Spanien, Portugal und Schweden. Das Zentrum ist auf Notfälle und lebensrettende Einsätze ausgerichtet. Mehrere Spezialisten, darunter ein Traumachirurg, ein Allgemeinchirurg und ein Anästhesist, sind sieben Tage die Woche rund um die Uhr einsatzbereit.

1,5 Patienten pro Tag

Das Zentrum verfügt unter anderem über einen Notfalldienst samt Ambulanzfahrzeug, einen Operationsraum, eine Intensivstation, einen Überwachungsraum und ein Labor. „Wir können acht Operationen pro Tag durchführen“, sagte Zultan Vekerdi, medizinischer Berater der „Nato Support and Procurement Agency“ (NSPA), die den Auftrag an Iqarus vergeben hat.

Luxemburg finanziert das Projekt in den Jahren 2018 bis 2020 mit zwölf Millionen Euro und übernimmt somit vier Fünftel der Gesamtkosten.


KFOR-Kapitänin Cathrin Streier gibt den luxemburger Gästen Erklärungen zum medizinischen Zentrum auf dem NATO-Stützpunkt Film City in Pristina.
Unhaltbar
Etienne Schneider weiß sich medienwirksam zu inszenieren. Der Tagesausflug zum NATO-Stützpunkt Film City in Pristina war so eine Veranstaltung.

Als die Luxemburger Delegation die mit modernster Technik ausgestattete Einrichtung am Mittwochnachmittag besichtigte, war das Zentrum patientenleer. Von den Ärzten hieß es, dass seit der Inbetriebnahme am 1. Januar 191 Patienten versorgt worden seien. Das sind 1,5 Patienten pro Tag. Lebensbedrohliche Fälle waren bisher nicht darunter. Rechnet man das hoch, kostet die Behandlung eines Patienten 7.300 Euro.

Für Verteidigungsminister Etienne Schneider steht allerdings nicht die Kosten-Nutzen-Analyse im Vordergrund, sondern die Gegenleistung, die Luxemburg für das jahrelange Training seiner Soldaten erbringt. „Wir wollen einen Teil dessen zurückgeben, was wir über viele Jahre hier von den anderen Nationen erhalten haben“, so Schneider.

Laut Marc Angel, Vorsitzender des parlamentarischen Verteidigungsausschusses, ist das Contracting für kleine Länder wie Luxemburg die ideale Lösung, weil man nicht das Material einkauft, sondern eine vertraglich vereinbarte Leistung finanziert. „Man weiß genau, woran man ist und man weiß, dass es keine Folgekosten geben wird.“

Das Projekt im Kosovo reiht sich ein in die neuen Verteidigungsrichtlinien, wonach Luxemburg sich im Bereich Militärmedizin weiterentwickeln möchte. Das Projekt im Kosovo ist ein Aspekt davon. Ein anderer Aspekt ist der in Luxemburg geplante Aufbau von medizinischen Kapazitäten, die im Rahmen von multinationalen Einsätzen bereitgestellt werden und in einsatzfreien Zeiten der zivilen Bevölkerung in Luxemburg zugutekommen sollen.

Die Verteidigungsausgaben sollen demnach nicht nur rein militärischen, sondern auch zivilen Zwecken dienen. „Das Geld kommt der Allgemeinheit zugute, aber wir können es als NATO-Beitrag deklarieren“, so Schneider.


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