Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Keine Stigmatisierung der Prostituierten
Politik 28.04.2015 Aus unserem online-Archiv
Prostitution in Luxemburg

Keine Stigmatisierung der Prostituierten

Das Geschäft mit der käuflichen Liebe: Luxemburg will seinen eigenen Weg gehen.
Prostitution in Luxemburg

Keine Stigmatisierung der Prostituierten

Das Geschäft mit der käuflichen Liebe: Luxemburg will seinen eigenen Weg gehen.
Foto: Shutterstock
Politik 28.04.2015 Aus unserem online-Archiv
Prostitution in Luxemburg

Keine Stigmatisierung der Prostituierten

Am Donnerstag findet im Parlament eine Debatte zum Thema Prostitution statt. Cid-Femmes ist der Ansicht, dass weder ein Verbot noch die Liberalisierung der Prostitution die Lage der betroffenen Frauen verbessern wird.

(ml) - In Luxemburg ist die Prostitution nicht verboten. Zuhälterei wird dagegen bestraft und verfolgt. Seit Jahren sucht Luxemburg neue Wege im Umgang mit der Prostitution. Das Großherzogtum will dabei eigene Wege gehen.

Das schwedische Modell, bei dem die Kunden bestraft werden, findet bei der Regierung wenig Gefallen. Auch das deutsche oder niederländische Modell, das die Prostitution unter staatlicher Kontrolle erlaubt, soll nicht als Grundlage in Luxemburg gelten. Die Schaffung von Eroszentren z.B. ist derzeit nicht geplant.

Wie der Mittelweg, den Luxemburg einschlagen wird, konkret aussehen soll, darüber werden die Abgeordneten am Donnerstag im Rahmen einer Debatte diskutieren. Bereits zuvor wurde in dem zuständigen parlamentarischen Ausschuss eifrig darüber diskutiert.

Chancengleichheitsministerin Lydia Mutsch (LSAP) sprach sich mehrmals für ein luxemburgisches Modell aus, bei dem die Prävention und die Aufklärung im Mittelpunkt stehen. Darüber hinaus soll die Ausarbeitung einer Exit-Strategie vorangetrieben werden. 

Keine Tabus

Im Vorfeld der Orientierungsdebatte bezog nun auch das "Centre d'information et de documentation des femmes (CID) dazu Stellung. Weder ein Verbot noch die Liberalisierung der Prostitution würden die Situation der Prostituierten grundsätzlich verbessern, heißt es in einer Pressemitteilung. Jede Form von sexualisierter Machtausübung sei eine Verletzung der Menschenrechte. Deshalb lehne man die Prostitution ab.

Vor allem Männer müssten Verantwortung übernehmen, indem sie die Prostitution nicht verharmlosen, sondern Zivilcourage zeigen und als Zeuge vor Gericht aussagen. CID fordert eine enttabuisierte gesellschaftliche Debatte über Sexualität und die konsequente Umsetzung des schulischen Aktionsplans Sexualerziehung.

CID ist sich bewusst, dass die Prostitution nicht von heute auf morgen verschwinden wird. Es sei begrüßenswert, dass Prostituierte selbst aktiv werden und Initiative ergreifen. Auf keinen Fall dürften Prostituierte stigmatisiert werden. Die Wahrung ihrer Menschenrechte sowie die Gewährung einer Gesundheits- und Sozialversicherung müssten oberste Priorität genießen. 

Den betroffenen Frauen müssten leicht zugängliche Ausstiegsprogramme angeboten werden. Außerdem soll die Kriminalität in der "Prostitutionsindustrie" bekämpft werden. Der Staat müsse die finanziellen Mittel und das nötige Personal dafür zur Verfügung stellen. Frauen, die Opfer von Menschenhandel geworden sind, müssten mit einem Aufenthaltsrecht und einer Arbeitserlaubnis geschützt werden.




Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Unter gewissen Umständen können sich in Zukunft Freier, die eine sexuelle Beziehung mit einer Prostituierten eingehen, strafbar machen.
Freier machen sich künftig strafbar, wenn sie eine sexuelle Beziehung zu einer Prostituierten eingehen, die entweder über einen begrenzten IQ verfügt oder minderjährig ist.
Interview mit Ex-Prostituierter
Prostituierte sind per se Opfer, sagt die irische Buchautorin und Ex-Prostituierte Rachel Moran. Daher müssten auch die Freier bestraft werden, nicht die Frauen. Prostitution gehöre abgeschafft – so wie einst die Sklaverei.
Prostitution im Bahnhofsviertel: Offiziellen Zahlen zufolge schaffen rund 60 Frauen in den Straßen der Hauptstadt an.
Konsultierungsdebatte zur Prostitution
Mit dem Thema Prostitution beschäftigt sich die Politik seit mehreren Jahren, ohne sich zu einer Entscheidung über eine Legalisierung oder ein Kaufverbot von sexuellen Diensten durchringen zu können. Das schwedische Modell sorgt nach wie vor für kontroverse Diskussionen im Parlament.
"Racolage" ist in Luxemburg rechtswidrig. Ein paar Straßen des hauptstädtischen Bahnhofsviertel sind laut Polizeiordnung allerdings vom Prostitutionsverbot ausgenommen.
Luxemburg bekommt ein neues Prostitutionsgesetz. Im Mittelpunkt steht die Exit-Strategie, um Menschen zu helfen, aus der Prostitution auszusteigen. Das schwedische Modell, das Prostitution allgemein unter Strafe stellt, kommt für die Regierung nicht in Frage.
Im Rahmen einer Konsultierungsdebatte diskutieren die Abgeordneten Anfang 2015 über Vorschläge für ein neues Prostitutionsgesetz.
Prostitution in Luxemburg
Gesundheitsministerin Lydia Mutsch erklärte am Donnerstag den zuständigen parlamentarischen Ausschüssen, wie die Regierung das Problem der käuflichen Liebe künftig anpacken will.
Die Regierung will den Ausstieg aus der Prostitution erleichtern.