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Keine Schule, keine Ausbildung, keine Arbeit
Politik 2 Min. 13.06.2017 Aus unserem online-Archiv
Studie zum NEET-Phänomen

Keine Schule, keine Ausbildung, keine Arbeit

Schulabbrecher haben ein dreifach erhöhtes Risiko, zu einem NEET zu werden.
Studie zum NEET-Phänomen

Keine Schule, keine Ausbildung, keine Arbeit

Schulabbrecher haben ein dreifach erhöhtes Risiko, zu einem NEET zu werden.
Foto: Shutterstock
Politik 2 Min. 13.06.2017 Aus unserem online-Archiv
Studie zum NEET-Phänomen

Keine Schule, keine Ausbildung, keine Arbeit

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
In Luxemburg leben zwischen 3.000 und 3.500 junge Menschen, die weder in der Schule, noch in Ausbildung oder in Arbeit sind. Man nennt sie "NEETs". Am Dienstag wurde eine Studie vorgestellt, die das Phänomen "NEET" beleuchtet, nach den Ursachen sucht und Ansätze zur Prävention erstellt.

(mig) - Laut Eurostat sind 5,4 Prozent der 16- bis 24-Jährigen in Luxemburg weder in der Schule, noch in Ausbildung oder in Arbeit. Das sind zwischen 3.000 und 3.500 Personen. Man nennt sie "NEETs" (Not in Education, Employment or Training). Am Dienstag wurden die Ergebnisse einer Studie vorgestellt, die das Phänomen NEET beleuchtet, die Betroffenen identifiziert, nach Ursachen fragt und Ansätze zur Prävention liefert.

An der Studie beteiligt sind der Service national de la jeunesse (SNJ), die "Inspection générale de la sécurité sociale" (IGSS) und das Meinungsforschungsinstitut LISER. Im Rahmen dieser Studie wurden zudem 2.500 Jugendliche in Einzelgesprächen zu ihrer Situation befragt.

Komplexe Problematik

Die Faktoren, die zum NEET-Phänomen führen, sind sehr vielfältig. Sie sind in der Persönlichkeit der Betroffenen (kognitive Fähigkeiten, Bildungsniveau) zu suchen, aber auch im sozialen und im schulischen Umfeld.

Doch nicht alle NEETs sind gleichsam gefährdet. Manche Jugendliche befinden sich nur kurz und auch nur einmal in dieser Gruppe und finden sich ohne spezifische Hilfe zurecht. Laut der Studie machen sie 15 Prozent aller Betroffenen aus. Manche entscheiden sich bewusst für das inaktive Dasein (sechs Prozent).

"Bei anderen liegt nur ein einziges Problem vor, das mit bereits existierenden Maßnahmen schnell aus dem Weg geräumt werden kann", so Mireille Zanardelli von der IGSS, die die Studie im Detail präsentierte.

Gefährdet sind vor allem Jugendliche, die länger inaktiv sind und immer wieder in diesen Zustand zurückfallen. Das ist bei 36 Prozent der untersuchten NEETs der Fall. Fast zwei Drittel fanden innerhalb von zwei Jahren den Weg zurück in die Schule, in eine Ausbildung oder auf den Arbeitsmarkt, 44 Prozent von ihnen erlebten keinen Rückfall, 20 Prozent aber schon. Jeder Fünfte der untersuchten Kohorte hat das Land innerhalb von zwei Jahren verlassen.

Sieben NEET-Profile

Nur 57 Prozent der NEETs lassen sich in eine der sieben identifizierten Kategorien einteilen. 43 Prozent der Betroffenen weisen derart unterschiedliche Charakteristiken auf, dass sie sich nicht in einer Kategorie zusammenfassen lassen. Diese Jugendlichen werden Gegenstand einer Folgestudie sein.

Die Studie hat u.a. auch den Zusammenhang zwischen NEET-Problematik und Schulabbruch untersucht und festgestellt, dass Schulabbrecher ein dreimal höheres NEET-Risiko haben als Jugendliche, die die Schule nicht abbrechen.

Festgestellt wurde aber auch, dass Schulabbrecher nicht zwingend zu NEET-Jugendlichen werden  bzw. dass nicht alle NEETs Schulabbrecher sind. So rutschten nur 37 Prozent der in der Studie untersuchten Schulabbrecher in die NEET-Problematik bzw. 70 Prozent der untersuchten NEETS sind keine Schulabbrecher.

Dennoch gilt es, dem schulischen Misserfolg und dem Schulabbruch mit gezielten Maßnahmen entgegenzuwirken. Bildungsminister Claude Meisch erinnerte in diesem Zusammenhang an die Ankündigung der Regierung, im psychosozialen Sektor 350 neue Posten zu schaffen, an die Rekrutierung von 150 Sonderpädagogen im Fondamental, an die Reorganisation der regionalen Hilfsstrukturen und die Schaffung von neuen Kompetenzzentren. Die Sekundarschulen sind ihrerseits verpflichtet, ein Konzept zur Bekämpfung des Schulabbruchs bzw. ein Inklusionskonzept auszuarbeiten.

Keine Pauschallösungen

Mit Pauschallösungen kommt man angesichts der sehr unterschiedlichen Profile und der Schwere der Problematik bei manchen nicht weiter, so das Fazit der Studie. Die Jugendlichen brauchen maßgeschneiderte Hilfsangebote. Dies gilt im Besonderen für die am meisten gefährdeten Jugendlichen. Um ihnen zu helfen, müssen die schulischen und außerschulischen Strukturen vernetzt zusammenarbeiten.

Das SNJ setzt z.B. auf eine enge Zusammenarbeit mit den Jugendhäusern und den kommunalen Sozialämtern, die im direkten Kontakt mit NEET-gefährdeten Jugendlichen sind.


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