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Keine öffentlichen Messen: Kardinal Hollerich enttäuscht über Regierung
Politik 3 Min. 17.05.2020

Keine öffentlichen Messen: Kardinal Hollerich enttäuscht über Regierung

Bei der Pontifikalmesse zum Schlussoktavssonntag findet Kardinal Hollerich deutliche Worte in Richtung Regierung.

Keine öffentlichen Messen: Kardinal Hollerich enttäuscht über Regierung

Bei der Pontifikalmesse zum Schlussoktavssonntag findet Kardinal Hollerich deutliche Worte in Richtung Regierung.
Foto:Guy Jallay/Luxemburger Wort
Politik 3 Min. 17.05.2020

Keine öffentlichen Messen: Kardinal Hollerich enttäuscht über Regierung

Michael MERTEN
Michael MERTEN
Wann dürfen Gläubige wieder an der Messe teilnehmen? Mit der Antwort darauf lasse sich die Regierung Zeit, ärgert sich der Erzbischof. Doch das Staatsministerium will eine gemeinsame Lösung.

Das öffentliche Leben in Luxemburg nimmt langsam wieder Fahrt auf, doch anders als in vielen europäischen Ländern sind öffentliche Messen weiterhin nicht erlaubt. Er habe zahlreiche Anfragen von Gläubigen bekommen, wann sie wieder zusammen die Messe feiern könnten, erzählt Kardinal Jean-Claude Hollerich in seinen einführenden Worten zur Pontifikalmesse zum Schlussoktavsonntag. "Ich bin auf der Straße angehalten worden."


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Darauf sei er noch eine Antwort schuldig, sagt Hollerich - und gibt sie mit für den gewohnt diplomatisch auftretenden Kirchenführer deutlichen Worten. "Wir haben natürlich ein Schutzkonzept ausgearbeitet". Am 6. Mai habe die Bistumsverwaltung das Konzept für die Wiederaufnahme der öffentlichen Gottesdienste beim Staatsministerium eingereicht. Eine Reaktion sei ausgeblieben. "Wir haben versucht, anzurufen - etliche Male", berichtet Hollerich.

Erst eine Woche nach dem Einreichen des Dossiers, am 13. Mai, sei dem Erzbistum  mitgeteilt worden, dass die Unterlagen nun ans Gesundheitsministerium weitergeleitet worden seien. Das Erzbistum habe versucht, direkt mit Staatsminister Xavier Bettel zu sprechen; "wir bekamen gesagt, das sei nicht möglich. Auch eine SMS von Weihbischof Leo Wagener sei nicht beantwortet worden.

Nur wenige Gläubige durften als Teilnehmer der Pontifikalmesse zum Schlussoktavsonntag in der Kathedrale sein.
Nur wenige Gläubige durften als Teilnehmer der Pontifikalmesse zum Schlussoktavsonntag in der Kathedrale sein.
Foto:Guy Jallay/Luxemburger Wort

Religionsfreiheit sei ein Menschenrecht, betonte Hollerich. Selbstverständlich müsse dieses Recht in einer Pandemie abgewogen werden, weshalb das Erzbistum seine Verantwortung übernommen und öffentliche Messen abgesagt habe. Einige Menschen hätten ihm gesagt, es sei absichtlich, dass die Kirche keine Antwort auf ihr Schutzkonzept bekommen habe. Das glaube er persönlich nicht, sagte der Kardinal: "Ich glaube nur, dass wir vollkommen egal sind - und das macht einen enttäuscht und wütend."

Er habe damit gerechnet, dass die Behörden Rückmeldung zum Konzept geben würden; dass vielleicht der Hinweis komme, dass dieses oder jenes abgeändert werden solle. Aber das sei nicht geschehen. "Absolut keine Reaktion, kein Dialog." Für Katholiken sei eine Messe nicht irgendeine Veranstaltung. "Eine Messe gehört zum Wesen vom katholischen Christsein dazu." 

Ich glaube nur, dass wir vollkommen egal sind - und das macht einen enttäuscht und wütend. 

Kardinal Jean-Claude Hollerich

Hollerich würdigte die Kreativität und den Einsatz der Mitarbeiter, die binnen kurzer Zeit ein Konzept für eine digitale Oktave ausgearbeitet und umgesetzt hätten. Auch Generalvikar Patrick Muller zeigte sich zufrieden mit dem Ausgang der Oktave. Unter den Mitarbeitern habe es ein Zusammengehörigkeitsgefühl gegeben. "Es sind neue Initiativen entstanden", sagte er. "Zusammen Kirche sein bedeutet auch immer Neues wagen." Leider seien die neuen, digitalen Angebote wohl für viele ältere Gläubige nicht zugänglich gewesen. Doch er hoffe sehr, dass bald wieder Messen mit Besuchern möglich seien. Zudem bleibe der Votivaltar bis Oktober stehen.


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Dass die Regierung noch keine Reaktion auf das Schutzkonzept gezeigt habe, sei schade und enttäuschend - nicht nur für die Kirchenleitung, sondern auch für viele Menschen im Land, sagte Muller. Am 11. Mai, also zum Start der zweiten Oktavwoche, gab es deutliche Lockerungen der Corona-Maßnahmen in Luxemburg. Hätte man auch die Wallfahrt für die Pilger öffnen können? "Wir waren da auch sehr vorsichtig, wir haben das nicht gewollt und gefragt", sagt Muller auf Anfrage. 


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Ob die Luxemburger etwa an Pfingsten wieder zur Messe gehen können, sei noch nicht absehbar: "Wir warten jetzt und hoffen auf einen Dialog, der sicher jetzt kommen wird nach diesem beherzten Aufruf des Kardinals", betont Muller. Die Kirche sei weiter zum Dialog mit den staatlichen Autoritäten bereit.

Im Staatsministerium kann verstehen, dass die Gläubigen bald wieder die Gottesdienste besuchen möchten. Auf LW-Anfrage sagte die Sprecherin des Premierministers, dass es sehr wohl auch nach dem 6. März einen Austausch zwischen dem Ministerium und dem Erzbistum gegeben habe. Die Regierung habe alle Religionsgemeinschaften darum gebeten, Rückmeldungen zur Wiederaufnahme der religiösen Feiern zu geben, und arbeite an einer einvernehmlichen Lösung für Luxemburg. Dazu werde es zeitnah Vorschläge geben.

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