Kampf gegen den Menschenhandel

Immer dem Geld hinterher

Unter den Opfern des Menschenhandels sind sehr viele Frauen, oft werden sie zur Prostitution gezwungen.
Unter den Opfern des Menschenhandels sind sehr viele Frauen, oft werden sie zur Prostitution gezwungen.
Foto: Shutterstock

(DS) - „Wir müssen das Unsichtbare sichtbar machen“, sagt Myria Vassiliadou, die europäische Koordinatorin für den Kampf gegen den Menschenhandel. Und damit dies gelingt, müsse man der Spur des Geldes nachgehen. Denn der Menschenhandel ist weltweit nach dem Waffen- und dem Drogenhandel das lukrativste Geschäft überhaupt.

„Im Kampf gegen den Menschenhandel reicht es nicht, nur die Händler ausfindig und dingfest zu machen. Es geht auch um diejenigen, die diese Menschen kaufen, die sie ausbeuten und sexuell missbrauchen“, so die Koordinatorin. Vassiliadou fordert daher, dass diejenigen, die die Opfer des Menschenhandels wissentlich ausnutzen, bestraft werden.

Gute Gesetze, mangelhafte Umsetzung

Die EU verfüge im Kampf gegen den Menschenhandel über einen guten Rechtsrahmen, betont die Koordinatorin. Defizite macht sie allerdings bei der Umsetzung aus. Das gilt auch für Luxemburg. Luxemburg hat als eines von 14 EU-Ländern die entsprechende Richtlinie zwar umgesetzt, doch das Land könnte ihrer Meinung nach „proaktiver“ handeln, etwa bei der gezielten Ausbildung der Ordnungskräfte. Denn nur wer genau weiß, worum es geht, sieht auch das Verbrechen, so Vassiliadou.

Insgesamt geht es ihr darum, das Bewusstsein der Bevölkerung gegenüber dem Menschenhandel zu schärfen. „Hauptziele müssen die Prävention und die Hilfe für die Opfer sein“ forderte Myria Vassiliadou gestern vor Journalisten. Zwischen 2013 und 2014 wurden in der Europäischen Union etwa 16.000 Opfer von Menschenhandel identifiziert, bei den meisten handelt es sich um Frauen und Kinder. Die Dunkelziffer liegt um einiges höher.

Bei etwa zwei Dritteln der Opfer handelt es sich um EU-Bürger, viele stammen aus Rumänien und Bulgarien, aber auch aus Polen oder aus den Niederlanden. Laut den Schätzungen der EU-Kommission erwirtschaften die Menschenhändler Profite von etwa 30 Milliarden Euro pro Jahr.

Der Menschenhandel hat viele Gesichter und reicht von moderner Sklaverei über Prostitution und Kindesmissbrauch bis hin zum illegalen Handel mit Organen. Oft geht er Hand in Hand mit anderen Formen des Verbrechens, etwa mit Drogenhandel und mit Geldwäsche. Der Menschenhandel habe in der Folge der Migrationswelle zugenommen, erklärte die Koordinatorin.

Myria Vassiliadou war einer Einladung der „Commission consultative des droits de l'Homme“ gefolgt. Bei ihrer Visite in Luxemburg traf sie sich mit Vertretern des Parlaments, der Staatsanwaltschaft, der Kriminalpolizei und der Zivilgesellschaft. DS