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Juncker: „Ich bin maßlos von Putin enttäuscht“
Politik 2 Min. 05.03.2022 Aus unserem online-Archiv
Ukraine

Juncker: „Ich bin maßlos von Putin enttäuscht“

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Juncker: „Ich bin maßlos von Putin enttäuscht“

Foto: Guy Wolff/LW-Archiv
Politik 2 Min. 05.03.2022 Aus unserem online-Archiv
Ukraine

Juncker: „Ich bin maßlos von Putin enttäuscht“

Der ehemalige EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und Kremlchef Wladimir Putin kennen sich seit über 20 Jahren - umso größer Junckers Enttäuschung.

(jwi) - Für den russischen Präsidenten Wladmir Putin sei der größte historische Fehler die Auflösung der Sowjetunion gewesen. Das sagt der ehemalige luxemburgische Premierminister und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker über den Kremlchef am Samstag bei RTL. „Ich kenne ihn seit 22 Jahren. Wir haben unzählige Stunden miteinander gesprochen. Doch es ist so, als wäre sein Wesen heute verändert. Ich bin maßlos von ihm enttäuscht.“

Der Ex-Kommissionschef hätte nicht gedacht, dass Russland in die Ukraine einmarschieren würde. „Waren wir naiv: Ja!“. Nun sei er wieder da, der Kalte Krieg - auf einer anderen Art und Weise. Dabei hatte der russische Präsident persönlich den Kalten Krieg im Jahr 2001 als beendet erklärt. „Wir dürfen nicht wieder in die alte Rhetorik verfallen und sinnlos aufrüsten. Das Geld kann man besser nutzen.“ Die Diplomatie sei der einzig richtige Weg. Man brauche nur einen „Idioten“, um einen Krieg zu beginnen, allerdings „50 Genies“, um ihn zu beenden.

Keine Angst vor nuklearer Bedrohung


Julien Doussot und seine Frau Tetiana Tarasenko haben die ASBL Slava Ukranyini Luxembourg gegründet, um Menschen zu helfen, die vor dem Ukraine-Krieg fliehen.
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Julien Doussot bringt Nahrung, Decken und Kleidung zu den Menschen, die vor dem Krieg fliehen. Und: Er nimmt 44 von ihnen mit nach Luxemburg.

Die nukleare Bedrohung nimmt Junker indes nicht ernst. Am vergangenen Sonntag verkündete nämlich Putin, die russischen Abschreckungswaffen in erhöhte Alarmbereitschaft zu setzen. „Einen Atomkrieg sehe ich nicht.“ Viel dringender sei allerdings die Frage nach der Sicherheit der 35 Atomreaktoren in der Ukraine. „Wenn dort was passiert, könnte das erhebliche Ausmaße - auch für Europa - annehmen.“ 

Der russische Präsident hat wahrscheinlich nicht mit der heftigen Reaktion auf den Einmarsch in der Ukraine gerechnet. „Ich denke nicht, dass Russland weitere Länder angreift.“ Denn die Nato ist für Russland keine Bedrohung. „Sie besteht ausschließlich zu unserer Verteidigung. Zudem behauptet Putin ja gerne, dass Russland von der Nato umzingelt ist. Aber das stimmt nicht.“ Nur sechs Prozent der russischen Grenze sind von Nato-Staaten umgeben.

Europa machte auch viele Fehler


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Im Nachhinein habe ebenfalls die Politik in Europa und den USA der vergangenen Jahre zu der heutigen Situation beigetragen. „Bei unseren Gesprächen kam es mir immer so vor, als würden sich die Russen nicht auf gleicher Augenhöhe fühlen.“ Hinzu kommt, dass der Westen sich nicht an Absprachen gehalten hat und so trotz des Verbots unter anderem Waffen an der russischen Grenze positionierte. Man hätte Russland viel stärker in politische Entscheidungen einbeziehen müssen, sagt Juncker.

Dazu der Fehler, Russland nicht zu respektieren. Denn das Land als politische Regionalmacht zu bezeichnen, trage nicht zur politischen Entspannung bei. „Wir brauchen jetzt große diplomatische Anstrengungen seitens der USA, Europa und Kanada für eine Lösung, die ich jetzt noch nicht sehe.“ Russische Künstler und Sportler von internationalen Veranstaltungen auszuschließen, sei allerdings der falsche Weg.

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