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Jugendbericht: So tickt die junge Generation
Das klassische Familienmodell gilt bei jungen Menschen auch heute noch als erstrebenswert.

Jugendbericht: So tickt die junge Generation

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Das klassische Familienmodell gilt bei jungen Menschen auch heute noch als erstrebenswert.
Politik 3 Min. 03.02.2016

Jugendbericht: So tickt die junge Generation

Kerstin SMIRR
Revolution war gestern: Heute gelten die eigenen Eltern bei vielen jungen Menschen in Luxemburg als Vorbild. Der neue Jugendbericht gibt einen Einblick in eine ganze Generation.

(ks) - Junge Menschen ziehen immer später von Zuhause aus und verschieben die Familienplanung sowie den Einstieg ins Berufsleben nach hinten: Mit diesen Worten lassen sich knapp gefasst die Ergebnisse einer Studie zusammenfassen, die das Bildungsministerium bei Forschern an der Universität Luxemburg in Auftrag gegeben hat. Diesen Jugendbericht stellte Bildungsminister Claude Meisch am Mittwochmorgen vor.

Die Studie beschäftigt sich mit dem Übergang ins Berufsleben, den Änderungen im privaten Bereich und dem gesellschaftlichen Engagement junger Menschen zwischen 15 und 34 Jahren. Ein Überblick über die wichtigsten Ergebnisse:

  • Junge Menschen mit Migrationshintergrund sind im Vergleich zu Luxemburgern im Bildungsbereich benachteiligt. Sie beenden ihre Schullaufbahn früher und haben daher mehr Schwierigkeiten, ins Berufsleben einzusteigen. Ein Beispiel: 37 Prozent der 25- bis 34-jährigen Luxemburger verfügen über ein Unidiplom, bei den portugiesischen Mitbürgern gilt dies nur für neun Prozent. 64 Prozent von ihnen stehen ohne oder mit einem niedrigen Schulabschluss da.
  • Eltern sind nicht nur in Kindheit und Jugend eine wichtige Stütze: Ihre Unterstützung ist auch später noch ein Komponente für Erfolg. Wer als junger Mensch darauf verzichten muss, dem fällt es schwerer, beruflich durchzustarten oder eigenständig zu wohnen.
  • Die 25- bis 34-Jährigen befinden sich im Vergleich zu den heutigen 65-Jährigen drei Jahre länger im Bildungssystem.
  • Dies hat Auswirkungen auf das private Leben. Vielen jungen Menschen ist es wichtig, finanziell unabhängig zu sein, bevor sie eine Familie gründen. Der Zeitpunkt der Eheschließung verschiebt sich nach hinten. Waren 1981 die Hälfte aller 24-Jährigen verheiratet, gilt dies heute erst für die 32-Jährigen.
  • Auch wenn alternative Familienformen immer häufiger gelebt werden, "gilt das klassische Familienmodell als erstrebenswert und hat eine hohe Akzeptanz unter den Jugendlichen und jungen Erwachsenen", heißt es in der Studie. Die Mehrheit unter ihnen wünscht sich eine verlässliche Partnerschaft und ein Leben mit Kindern.
  • Der Nachwuchs kommt immer später: So sind Frauen bei der Geburt des ersten Kindes im Schnitt 30 Jahre alt. Dass ein Paar zu diesem Zeitpunkt verheiratet ist, wird immer seltener. Nur drei von fünf Kindern werden in einer Ehe geboren.
  • Die hohen Immobilienpreise treffen vor allem junge Menschen. Auch hier spielt die Herkunft eine Rolle. Wer eine ausländische Nationalität hat, hat es auf dem Wohnungsmarkt schwerer. Zugleich wird auch hier die Rolle der Eltern deutlich: Viele junge Erwachsene können darauf zählen, dass Mama und Papa finanziell helfen oder eine Bankbürgschaft für einen Immobilienkredit unterschreiben.
  • Viele junge Menschen leben noch Zuhause. Im Alter von 25 Jahren wohnt knapp die Hälfte bei den Eltern, im Alter von 30 Jahren sind es 13 Prozent. Oft sind finanzielle Gründe ausschlaggebend.
  • In Luxemburg ist generell der Anteil derjenigen hoch, die in einer eigenen Immobilie wohnen. Diese Wohnform streben auch die meisten jungen Menschen an. Sie wollen selbst einmal ein Haus oder eine Wohnung besitzen, fragen sich aber, ob sie diesen Traum aufgrund der hohen Preise einmal realisieren können.
  • Zwar ist aufgrund der Wahlpflicht das politische Engagement der jungen Menschen erst einmal hoch. Statt regelmäßig Parteiarbeit zu leisten, bevorzugen sie weniger zeitintensive und spontane Aktionen, wie Demonstrationen oder Petitionen.
  • Es engagieren sich vorwiegend junge Menschen mit luxemburgischer Nationalität. "Viele stammen aus Elternhäusern mit hohem Bildungsniveau und hohem Interesse an Engagement", heißt es in der Studie. "Jugendliche und junge Erwachsene ohne luxemburgische Nationalität sind deutlich unterrepräsentiert." Für die Forscher hat dies eine positive Folge: Es besteht noch Potenzial, um sie für das gesellschaftliche Engagement zu gewinnen.

Aus dem Jugendbericht leitet die Regierung politische Aktionen ab. Es handelt sich um die zweite Art dieses Berichts, der alle fünf Jahre in Auftrag gegeben wird. Im Rahmen des ersten Berichts war u.a. die "Ecole de la deuxième chance" geschaffen worden.

Die Forscher halten sich ihrerseits mit Ratschlägen zurück. Bei den Arbeitsbeschäftigungsmaßnahmen sprechen sie sich jedoch für eine individuelle Anpassung an die Bedürfnisse der Arbeitssuchenden aus. Zudem sollten Angebote geschaffen werden, die das gesellschaftliche Engagement von Jugendlichen mit Migrationshintergrund und niedrigem Bildungsabschluss fördern.


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