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Jugendarmut: Luxemburg auf Platz 2
Politik 23.01.2019 Aus unserem online-Archiv

Jugendarmut: Luxemburg auf Platz 2

18- bis 24-Jährige sind in Luxemburg einem vergleichsweise hohen Risiko von Armut ausgesetzt.

Jugendarmut: Luxemburg auf Platz 2

18- bis 24-Jährige sind in Luxemburg einem vergleichsweise hohen Risiko von Armut ausgesetzt.
Foto: Shutterstock
Politik 23.01.2019 Aus unserem online-Archiv

Jugendarmut: Luxemburg auf Platz 2

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Erwerbsarmut heißt das Phänomen, wenn Menschen trotz bezahlter Arbeit arm oder von Armut bedroht sind. Luxemburg hat einen verhältnismäßig hohen Anteil an Working poor. Besonders hoch ist die Rate bei den 18- bis 24-Jährigen.

In Luxemburg ist jeder Fünfte zwischen 18 und 24 Jahren trotz Arbeit von Armut bedroht. Das meldete das europäische Statistikamt Eurostat diese Woche. Damit belegt Luxemburg im EU-Ranking den traurigen zweiten Platz, hinter Rumänien mit einer Quote von 28,2 Prozent. Der europäische Mittelwert liegt bei elf Prozent. Am geringsten ist das Armutsrisiko in Tschechien (1,5 Prozent).

In Luxemburg sind 20 Prozent der 18- bis 24-Jährigen trotz bezahlter Arbeit von Armut bedroht.
In Luxemburg sind 20 Prozent der 18- bis 24-Jährigen trotz bezahlter Arbeit von Armut bedroht.
Foto: Eurostat

Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2017. 2007 lag die Quote noch bei knapp elf Prozent. Erschreckend ist, dass die Quote zwischen 2016 und 2017 um fast acht Prozent zugenommen und dass sich das Armutsrisiko der jungen Menschen seit 2012 quasi verdoppelt hat.

Nicht viel besser sieht es bei den über 18-Jährigen aus. Hier liegt die Armutsrisikoquote bei 13,7 Prozent und auch hier belegt Luxemburg nach Rumänien den zweiten Platz. Der europäische Mittelwert liegt bei 9,4 Prozent.

Die Studie interpelliert die politischen Vertreter, sowohl aus der Opposition als auch aus der Mehrheit.

Der LSAP-Abgeordnete Yves Cruchten richtete am Mittwoch eine parlamentarische Frage an Familienministerin Corinne Cahen (DP). Darin will er wissen, wie sie sich die Entwicklung der Armut und besonders der Jugendarmut erkläre, dies vor dem Hintergrund zahlreicher Maßnahmen, die in den vergangenen Jahren zur Bekämpfung der Armut ergriffen wurden. Weiter will er wissen, wie sie auf die Entwicklung reagieren und welche Maßnahmen sie ergreifen wolle, um das Armutsrisiko zu verringern.

Auch die CSV ist alarmiert. Die Oppositionspartei hat am Mittwoch eine gemeinsame Sitzung des parlamentarischen Familien- und des Arbeits- und Beschäftigungsausschusses in Anwesenheit von Familienministerin Corinne Cahen und Arbeitsminister Dan Kersch beantragt, um zu erfahren, welche Schlüsse die Regierung aus der Studie zieht.



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