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"Judenfrage" in Luxemburg: Historiker legt neue Liste verfolgter Juden vor
Politik 2 Min. 19.11.2015

"Judenfrage" in Luxemburg: Historiker legt neue Liste verfolgter Juden vor

Die Listen von jüdischen Bürgern dienen Historikern als Hauptbeweis für eine aktive Rolle der Verwaltungskommission bei der Judenverfolgung im Zweiten Weltkrieg.

"Judenfrage" in Luxemburg: Historiker legt neue Liste verfolgter Juden vor

Die Listen von jüdischen Bürgern dienen Historikern als Hauptbeweis für eine aktive Rolle der Verwaltungskommission bei der Judenverfolgung im Zweiten Weltkrieg.
Foto: LW-Archiv
Politik 2 Min. 19.11.2015

"Judenfrage" in Luxemburg: Historiker legt neue Liste verfolgter Juden vor

In der Diskussion um die Rolle der Verwaltungskommission im Zweiten Weltkrieg gibt es neue Erkenntnisse. Der Historiker Denis Scuto hat eine neue Liste von Namen polnischer Juden gefunden, die die Luxemburger Behörden im Jahre 1941 der Gestapo übermittelt haben sollen.

(CBu) - In der Diskussion um die Rolle der Verwaltungskommission im Zweiten Weltkrieg gibt es neue Erkenntnisse. Der Historiker Denis Scuto hat eine neue Liste von Namen polnischer Juden gefunden, die die Luxemburger Behörden im Jahre 1940 der deutschen "Geheimen Staatspolizei" (Gestapo) übermittelt haben sollen. Die neuen Ergebnisse seiner Forschung inklusive der Originalliste publizierte Scuto am Donnerstag im "Tageblatt".

Der Historiker hat die neue Liste von "Juden polnischer Abstammung" eigenen Aussagen zufolge vor zwei Wochen im Nationalarchiv gefunden. Sie sei am 21. November 1940 von der Verwaltungskommission dem Chef der Zivilverwaltung Gustav Simon übergeben worden. Von dort wurde sie unmittelbar an die Gestapo weitergeleitet, welche damit die "Judenkartei Luxemburg" vervollständigte. Durch die von Luxemburg weitergeleiteten Listen seien Juden registriert, interniert und deportiert worden, so Scuto. Dies gehe aus weiteren stützenden Quellen hervor.

Neuer Beitrag zur historischen Debatte

Denis Scuto sieht darin einen weiteren Beweis für die aktive Rolle der Luxemburger Verwaltung bei der Judenverfolgung. Um diese Frage drehte sich auch der jüngste "Historikerstreit" im Zuge des "Artuso-Berichts". Scuto hatte bereits im Jahre 2013 mithilfe einer Liste von 280 jüdischen Schulkindern den Vorwurf der aktiven Kollaboration der Verwaltungskommission mit dem Nazi-Regime formuliert. Er zählt zu jenen Historikern, die ein neues Verständnis der Rolle Luxemburgs bei der Judenverfolgung im Sinne einer historischen "Enttabuisierung" propagieren.

Im Fazit seines im "Tageblatt" veröffentlichten Artikels, der die Publikation der Liste begleitet, stellt der Historiker auch ausdrücklich einen Bezug zur jüngst aufgekommen Artuso-Barthel-Kontroverse her und spricht seinen Historikerkollegen Charles Barthel und dessen Kritik des "Artuso-Berichts" direkt an:

"En attendant, permettez-moi de poser à Charles Barthel et à ceux qui partagent son point de vue la question suivante: Etes-vous vraiment d'avis que nous sommes en présence en 1940 seulement de '(angeblich) begangenen Unrecht' de la Commission administrative, de hauts fonctionnaires et d'administrations luxembourgeoises?"


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