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Journalistenverband kritisiert Brief des Großherzogs
Politik 2 Min. 29.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Journalistenverband kritisiert Brief des Großherzogs

Großherzog Henri hatte sich in einem offenen Brief gegen "Attacken" der Medien auf seine Ehefrau gewehrt.

Journalistenverband kritisiert Brief des Großherzogs

Großherzog Henri hatte sich in einem offenen Brief gegen "Attacken" der Medien auf seine Ehefrau gewehrt.
Foto: Guy Wolff
Politik 2 Min. 29.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Journalistenverband kritisiert Brief des Großherzogs

Die Association luxembourgeoise pour journalistes professionnels (ALJP) hält die Stellungnahme von Großherzog Henri für befremdlich. Auch die Rolle von Adelsexperte Stéphane Bern wirft Fragen auf.

(jt) - Der luxemburgische Journalistenverband ALJP wehrt sich in einer Stellungnahme gegen "pauschale Verunglimpfungen und Verschwörungstheorien" in Zusammenhang mit dem offenen Brief des Großherzogs. Die Association luxembourgeoise pour journalistes professionnels forderte am Mittwoch dazu auf: "gegen diese Attacken klar Position beziehen".

Man nehme das Schreiben des Staatsoberhaupts, in dem dieser unter anderem Medienberichte über angebliches Fehlverhalten der Großherzogin infrage stellt, "mit Befremden zur Kenntnis", heißt es im Kommuniqué der ALJP. 


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Dass die Regierung den früheren leitenden Beamten im Finanzministerium, Jeannot Waringo, beauftragt habe, das Finanzgebaren und die Personalpolitik am Hof zu untersuchen, sei ein "Vorgang, der für die Öffentlichkeit (und die Steuerzahlenden) von Interesse ist". Wie in anderen Ländern "sollte es daher selbstverständlich sein, dass der Hof Rechenschaft ablegt über Ausgaben, die Steuerzahlende bezahlen müssen", so die ALJP. Zumal das Haushaltsgesetz gar keinen speziellen Posten für die Ehefrau des Großherzogs vorsieht. 

Kritik an Aussagen von Stéphane Bern

Die ALJP wirft auch die Frage auf, ob das Schreiben des Großherzogs eine "private Meinung" darstelle, da sie offenbar nicht mit der Regierung abgesprochen war. Der Staatschef hatte sich dem Schreiben schützend vor seine Ehefrau gestellt und drei Fragen aufgeworfen: "Firwat eng Fra attackéieren? Eng Fra déi aner Frae verdeedegt? Eng Fra déi net emol d'Recht kritt sech selwer ze verdeedegen?" 

Der Moderator und Adelsexperte Stéphane Bern ist eng mit dem großherzoglichen Hof verbunden. Die Großherzogin nimmt er vor Kritik in Schutz.
Der Moderator und Adelsexperte Stéphane Bern ist eng mit dem großherzoglichen Hof verbunden. Die Großherzogin nimmt er vor Kritik in Schutz.
Archivfoto: Steve Eastwood

Der Journalistenverband reagiert auch auf die umstrittenen Aussagen des französisch-luxemburgischen Adelsexperten Stéphane Bern, der die Medienberichte über die Großherzogin als Werk der "Journaille" getadelt hatte. Wörtlich sagte Bern bei RTL Belgien: "Je pense qu’elle mérite autrement plus de considération que ce que ces petits journaleux ont bien voulu écrire sur le fonctionnement de la Cour.“ 


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Auch Berns Aussage über den Waringo-Rapport ( „Je peux vous dire qu’à aucun moment dans le rapport on ne met en cause la grande-duchesse Maria Teresa“) gibt Anlass für Spekulationen. Die Frage stelle sich, so die ALJP, ob Bern den Bericht des Sonderbeauftragten gelesen habe. "Sollte er einen privilegierten Zugang zum Bericht gehabt haben, den bislang weder die Regierung, die Abgeordneten geschweige denn die hiesige Presse kennt?" Premierminister Xavier Bettel will den Waringo-Bericht am Freitag im Regierungsrat vorstellen.

Dass Journalisten auch Gegenkritik aushalten müssen, zumal von Betroffenen, sei selbstverständlich, betont der Journalistenverband. Medien hätten jedoch eine Kontrollfunktion zu erfüllen, ohne die eine Demokratie nicht funktionieren kann.


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