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John Marshall: „Ich schlafe noch immer sehr gut“
Der britische Botschafter John Marshall blickt zuversichtlich in die Zukunft. Trotz Scheidung werden das Großherzogtum und das Königreich weiterhin Freunde bleiben.

John Marshall: „Ich schlafe noch immer sehr gut“

Foto: Chris Karaba
Der britische Botschafter John Marshall blickt zuversichtlich in die Zukunft. Trotz Scheidung werden das Großherzogtum und das Königreich weiterhin Freunde bleiben.
Politik 4 Min. 22.03.2019

John Marshall: „Ich schlafe noch immer sehr gut“

Patrick BESCH
Patrick BESCH
Der britische Botschafter John Marshall über den Brexit, wie die britische Gemeinschaft in Luxemburg mit dem Ausstieg des Vereinigten Königreichs aus der EU umgeht und wie es um die diplomatischen Beziehungen zwischen Luxemburg und Großbritannien steht.

John Marshall, verursacht der Brexit Ihnen schon Albträume?

(lacht) Nein, ganz und gar nicht. Ich schlafe noch immer sehr gut.

Haben sich viele Briten, die in Luxemburg leben, an Sie gewandt? Hat sich Ihre Arbeitsbelastung erhöht?


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Der größte Teil meiner Arbeit ist dem Brexit gewidmet. Die britische Gemeinschaft in Luxemburg und die Frage nach ihrer Zukunft sind natürlich ein Element davon. Ich beschäftige mich aber mit vielen anderen Aspekten des Brexit, seien es die Vorbereitungen im Falle eines No-Deal-Szenarios oder die laufenden Austrittsverhandlungen. Der Brexit ist also im weitesten Sinne Teil meiner Arbeit. Natürlich haben die britischen Staatsbürger in Luxemburg viele Fragen, und wir versuchen, diese, so gut es geht, zu beantworten, sei es mit Informationen, über die wir verfügen, oder solchen, die von der luxemburgischen Regierung stammen.

Der größte Teil meiner Arbeit ist dem Brexit gewidmet.

Denken Sie, dass alle in Luxemburg lebenden britischen Staatsbürger über beide Szenarien ausreichend informiert sind? Sind sie alle bei der Botschaft registriert? Oder gibt es britische Bürger, die gar nicht wissen, was passiert, weil sie nicht mit der Botschaft in Kontakt stehen oder die Entwicklungen nicht verfolgen?


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Wir registrieren keine britischen Bürger. Wir verbreiten alle möglichen Informationen über die sozialen Netzwerke und über Pressemitteilungen, die von der englischsprachigen Presse, insbesondere der Onlinepresse, weiterverbreitet werden. Wir richten zudem regelmäßig Veranstaltungen aus, zu denen wir die britische Gemeinschaft einladen. Diese Ereignisse drehen sich zwar nicht alle um den Brexit, sie erlauben mir aber, in den direkten Kontakt mit britischen Staatsbürgern zu treten. Ich besuche ebenfalls Arbeitgeber, die eine große Anzahl britischer Staatsangehöriger angestellt haben. Vor Kurzem etwa war ich bei der NATO-Unterstützungs- und Beschaffungsagentur und sprach dort mit den britischen Mitarbeitern. Wir sind uns aber bewusst, dass nicht jeder die sozialen Medien nutzt. Wir verlassen uns ebenfalls auf die mündliche Verbreitung von Informationen.


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Wie kommuniziert die luxemburgische Regierung mit der britischen Gemeinschaft hierzulande?

Auch die luxemburgische Regierung benutzt das Internet als primäre Informationsplattform. Natürlich hat sie sich Gedanken zu der aktuellen Lage gemacht und welche Auswirkungen diese auf die verschiedenen Gesellschaftsgruppen haben könnte. Ein Beispiel sind die rund 40 britischen Staatsangehörigen, die hierzulande im öffentlichen Dienst arbeiten. Sie wurden von der Regierung von der Gesetzesvorlage in Kenntnis gesetzt, die es ihnen ermöglicht, ihre Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst zu behalten.

Derzeit werden im luxemburgischen Parlament vier Gesetzentwürfe über den Finanzsektor, die Bürgerrechte, den öffentlichen Dienst sowie die Anerkennung von Diplomen diskutiert. Sind Sie damit zufrieden? Ist es wahrscheinlich, dass die britische Regierung diese erwidert?

Wir haben uns Anfang Dezember mit der Regierung zusammengesetzt und die Karten auf den Tisch gelegt. Unser Angebot im Falle eines No-Deal-Szenarios für EU-Bürger in Großbritannien kommt dem des Deal-Szenarios sehr nahe. Wir haben alle Mitgliedstaaten dazu ermutigt, unser Angebot zu erwidern. Natürlich verhalten sich alle Länder anders. Die luxemburgische Regierung hat sehr gut reagiert und den britischen Bürgern hierzulande versichert, dass sie weiterhin hier arbeiten und leben dürfen. In einigen Bereichen waren wir sehr zufrieden mit dem Angebot der Regierung, in anderen gibt es noch Redebedarf.

Die Briten in Luxemburg sind sehr zufrieden und möchten hier bleiben, so der britische Botschafter.
Die Briten in Luxemburg sind sehr zufrieden und möchten hier bleiben, so der britische Botschafter.
Foto: Chris Karaba

Haben die diplomatischen Beziehungen zwischen Luxemburg und dem Vereinigten Königreich Schaden genommen?

Nein, aus unserer Sicht überhaupt nicht. Ich denke, wir haben eine sehr positive und konstruktive bilaterale Beziehung mit Luxemburg und führen einen sehr positiven und konstruktiven Dialog über Angelegenheiten, die mit dem Brexit zusammenhängen.

Natürlich ist nicht jede Wortwahl, die in den vergangenen Monaten auf beiden Seiten gewählt wurde, sehr glücklich.

Bettel nannte das Vereinigte Königreich vor Kurzem das „ungeeinigte Königreich“. Diese Art von Rhetorik ist wenig hilfreich, wenn es um diplomatische Beziehungen geht.

Natürlich ist nicht jede Wortwahl, die in den vergangenen Monaten auf beiden Seiten gebraucht wurde, sehr glücklich. Wenn jemand ein Mikrofon vor sich hat, wählt er nicht unbedingt die Worte, die er sonst wählen würde. Ich glaube jedoch nicht, dass irgendeine Aussage eines luxemburgischen Politikers zum Brexit ein besonderes Unbehagen verursacht hat.


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Gibt es Leute, die wegen des Brexit von Luxemburg nach Großbritannien zurückkehren? Gibt es immer noch einen stetigen Migrationsstrom von Großbritannien nach Luxemburg?

Bis jetzt habe ich noch von niemandem gehört, der wegen des Brexit von Luxemburg zurück nach Großbritannien gekehrt ist oder kehren will. Ich glaube, die britische Gemeinschaft fühlt sich ziemlich wohl in Luxemburg und will auch hier bleiben. Die luxemburgische Regierung hat versichert, dass es keinen Grund dafür gibt, das Großherzogtum zu verlassen. Sie will, dass die Menschen hier bleiben und hat deshalb alles dafür getan, dass sie wie bisher hier leben und arbeiten können. Natürlich kann es sein, dass einige Menschen zurückkehren werden. Dies ist aber schwer zu sagen, da wir sie ja nicht registrieren. Deshalb müssen wir uns auf die Statistiken der nationalen Regierung verlassen. Die Anzahl von Briten ist leicht gesunken, von rund 6 000 auf etwa 5 800. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass immer mehr Briten die luxemburgische Nationalität anfragen. Es ist also sogar möglich, dass es einen kleinen Zuwachs an Briten in Luxemburg gegeben hat.

Sie laufen entlang der Mosel und überqueren verschiedene Grenzen im Schengen-Raum. Ist das nicht ironisch im Zusammenhang mit dem Brexit, der zu mehr Grenzen in Europa führen könnte?

(lach) Nein, ich glaube, Sie übertreiben etwas in Ihrer Interpretation. Hinter meinem Projekt steckt keine symbolische Botschaft.


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