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Jean Pütz: Hype oder Hysterie?
Politik 11 Min. 06.04.2019

Jean Pütz: Hype oder Hysterie?

Weltweit gehen junge Menschen für einen besseren Klima- und Umweltschutz auf die Straße.

Jean Pütz: Hype oder Hysterie?

Weltweit gehen junge Menschen für einen besseren Klima- und Umweltschutz auf die Straße.
Foto: AFP
Politik 11 Min. 06.04.2019

Jean Pütz: Hype oder Hysterie?

Fernand MORBACH
Fernand MORBACH
„Überzeugungstäter bin ich auch in Sachen Umweltschutz.“ Das schreibt Jean Pütz in seinem Anfang April verfassten Manifest „Umweltprobleme lösen: Ein Appell an die Vernunft.“ In dem dreiseitigen Aufsatz spart der 82jährige frühere Fernsehjournalist – er stammt aus Remich - aber nicht mit Kritik am jüngsten Umwelt-Hype.

Jean Pütz hat sein Manifest an Freunde und Bekannte verschickt und kommt schon in der Begleit-Mail zur Sache: Wohl freue er sich über das gesteigerte Interesse der jungen Menschen für die Umweltpolitik. Was mit Greta Thunberg geschehe, grenze aber an Hysterie.


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Die Realitäten nicht vergessen

Pütz warnt davor, Umweltpolitik nur emotional zu steuern. Vielmehr müsse Umweltpolitik „eine enge Anbindung an naturwissenschaftliche Realitäten und soziale Gesetzmäßigkeiten finden.“ Gesamtzusammenhänge dürften nicht wegen einer pädagogisch verständlichen Fokussierung auf ein Ziel aus dem Blickfeld geraten. Der Fernsehjournalist erinnert an einen vor 50 Jahre gerne benutzten Satz: „Wir brauchen keine Kraftwerke, bei uns kommt der Strom aus der Steckdose.“ Leider – glaubt Jean Pütz erkannt zu haben – spiele diese Haltung im Bewusstsein vieler Menschen immer noch eine Rolle.


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In seinem Papier nimmt der Journalist zu zahlreichen Umweltthemen Stellung, die seit Jahren immer wieder zur Sprache kommen. So befürchtet er beispielsweise, dass der in Deutschland geforderte Verzicht auf Kraftwerke, die mit fossilen Brennstoffen befeuert werden, zu einer Steigerung der Stromproduktion durch solche Kraftwerke in Polen führen könne.

Jean Pütz warnt vor einer allzu emotionalen Debatte in der Umweltpolitik.
Jean Pütz warnt vor einer allzu emotionalen Debatte in der Umweltpolitik.
Foto: DPA

Elektroauto noch völlig unausgegoren

Auch glaubt er nicht daran, dass Länder wie Deutschland oder Europa allein das Klima retten können. „Wenn es nicht gelingt, einen Großteil der Staaten in der Welt von der Notwendigkeit z.B. der CO2-Reduzierung zu überzeugen, wird das Problem global nicht gelöst.“ Deutschland sei stets mit gutem Beispiel vorangegangen, doch „leider konnte am deutschen Wesen die Welt nicht genesen.“ Nicht einmal in Europa sei ein Konsens möglich.

Noch nicht überzeugt ist Jean Pütz auch von Elektro-Autos. „Das nur mit Akkumulatoren versehene reine Elektroauto ist noch völlig unausgegoren.“ Stattdessen schlägt er vor, einen relativ schwachen Dieselmotor ausschließlich zum Laden der Batterie vorzusehen. Im Gegensatz zu den bisherigen Hybrid-Autos werde dann dank extrem flexibler Elektromotoren kein Getriebe mehr benötigt. Das mache das Kraftfahrzeug wesentlich leichter und reduziere den Kraftstoffverbrauch. „Hinzu kommt, dass nur noch die Hälfte der Batteriekapazität benötigt wird.“

Hier das Manifest zum Nachlesen:


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