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Jean-Claude Juncker: "Ech hu meng Mëllech gin"
Politik 3 Min. 09.05.2020

Jean-Claude Juncker: "Ech hu meng Mëllech gin"

Juncker bei der Amtsübergabe an Ursula von der Leyen.

Jean-Claude Juncker: "Ech hu meng Mëllech gin"

Juncker bei der Amtsübergabe an Ursula von der Leyen.
Foto: Guy Wolff
Politik 3 Min. 09.05.2020

Jean-Claude Juncker: "Ech hu meng Mëllech gin"

Teddy JAANS
Teddy JAANS
Jean-Claude Juncker denkt nicht an ein Comeback. Empört ist der Mann über die Grenzschließungen im Rahmen der Pandemiemaßnahmen.

Passend zum Europatag war der überzeugte Europäer und Ex-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am Samstag zu Gast bei RTL. Auf die aktuelle Krise angesprochen, meinte er mit einem Schmunzeln: "Ich war noch nie so lange zuhause". Er persönlich sei mit dem Lockdown gut zurecht gekommen, "Richtig arg ist es jedoch für Menschen, die kein Haus, keinen Garten haben". Er hofft, dass die Krise einen Denkprozess auslöse und den Menschen den Blick für das Wesentliche zurückgebe.

Juncker lobte die Arbeit der Regierung, besonders die Gesundheitsministerin habe einen guten Job gemacht und mit Besonnenheit gehandelt. Wäre er noch aktiv im Geschäft gewesen, hätte er kaum anders gehandelt. "An der Fotell doheem ass et ëmmer mi einfach ze wësse, waat ee soll machen, wi wann een aktiv mus décidéiren" so Juncker, der sich trotz aller Anerkennung ein wenig mehr Einbindung der Gewerkschaften in den Prozess gewünscht hätte. 

Wirtschaftliche Krise in Sicht

"E Virus hält een nëtt mat Duanieren op", so Juncker zu den aktuellen Grenzkontrollen.
"E Virus hält een nëtt mat Duanieren op", so Juncker zu den aktuellen Grenzkontrollen.
Pierre Matgé

Parallelen zwischen der Finanzkrise im Jahr 2008 und der aktuellen Notlage sieht er wenig. Corona treffe alle und demnach treffe man aktuell auf breiter Front auf viel Verständnis für Maßnahmen und Kosten. 2008 hätten die Menschen mehrheitlich geglaubt, dass man nur den Banken unter die Arme greifen wolle, was für weniger Akzeptanz gesorgt habe. 

Eine Art "Marschallplan" sei der zur Wiederbelebung der gebeutelten Wirtschaft richtige Weg, zudem müsse der EU-Haushalt aufgestockt werden, damit die Kommission den notwendigen Spielraum bekomme. Budgetäre Solidarität tue Not. Grundfalsch ist es seiner Ansicht nach, neue Steuern einzuführen, weil diese den Konsum abwürgen.

Streitthema Grenzen

"E Virus hällt een nett mat Douanieren op" so der überzeugte Europäer, was die Grenzschließungen betrifft.  "Das ist strikt lächerlich" so Juncker an die Adresse des deutschen Innenministers Seehofer. Unvorstellbar bleibt es für ihn, dass Grenzgänger auf dem Weg von und nach Luxemburg unnötigerweise täglich im Stau stehen müssen.

Der Kommission hätten zur Bewältigung strikt und einfach die notwendigen Befugnisse gefehlt. Aus diesem Grund hätten die Mitgliedsländer in Sachen Pandemie jeder für sich "sein eigenes Süppchen gekocht". 

Rückblick auf Wahlresultate


European Commission President Jean-Claude Juncker gestures during his last presser in Brussels on November 29, 2019. - The 64-year-old head of the EU's executive is at the end of his five-year mandate and is expected to hand over the reins to his successor on December 1, 2019. (Photo by Kenzo TRIBOUILLARD / AFP)
Juncker: EU soll nicht „nackt dastehen“
Zum Europatag erklärt der ehemalige Kommissionschef, warum die Politik der EU-Staaten in der Pandemie keine „gehobene Staatskunst“ war. Grenzkontrollen kritisiert er scharf.

Das Wahlresultat von 2018 und die im Anschluss gebildete Koalition ist Juncker - genau wie die Zahlen von 2013 - nach wie vor ein Dorn im Auge. Der Wähler habe seine Partei bestätigt, allerdings sei dessen Wille nicht respektiert worden.

Wäre er 2013 als Premier bestätigt worden, hätte er dieses Amt mit Freude angenommen. Der Posten des EU-Kommissars habe er ebenfalls gerne bekleidet und er sei stets vom Einsatz und der Kompetenz der EU-Beamten beeindruckt gewesen: "Allerdëngs war ech trotzdem léiwer Premier zu Lëtzebuerg bliwen".

"CSV soll Volkspartei bleiben"

Auf seine Partei angesprochen meinte er, die lange Oppositionsphase sei für die CSV positiv, "auch wenn es natürlich immer interessanter ist, aktiv mitzugestalten". Sollte die CSV eine radikalere Opposition machen, würde er sie nicht wiedererkennen.

Dass er nicht rechtzeitig einen Nachfolger aufgebaut habe, lässt Juncker mit Verweis auf Luc Frieden nicht gelten. Die Partei müsse sich aktuell auf ihre Stärken besinnen und eine Volkspartei mit christlichsozialen Werten und Prinzipien bleiben: "Et muss een nett soen, waat ukennt, mais dat wourop et ukennt".

Kein Comeback

"Ich werde nicht mehr bei Wahlen in Luxemburg antreten", so Juncker, was ein politisches Comeback in Luxemburg angeht. Theoretisch sei es wohl nicht unmöglich, dennoch habe ich in keiner Weise vor, wieder in die aktive Politik einzutreten. Mehr als 30 Jahre in der Regierung und an der Spitze der Kommission seien mehr als genug. "Ech hu meng Mëllech gin", so Juncker. Er gebe aktuell zahlreiche Interviews, und ein Plan für ein Buch mit seinen Memoiren stehe bereits. 




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