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Interpellation in der Chamber: Arm trotz Arbeit
Das Phänomen der "Working Poor" ist u.a. im Hotel- und Gaststättengewerbe stark verbreitet.

Interpellation in der Chamber: Arm trotz Arbeit

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Das Phänomen der "Working Poor" ist u.a. im Hotel- und Gaststättengewerbe stark verbreitet.
Politik 2 Min. 31.05.2017

Interpellation in der Chamber: Arm trotz Arbeit

Steve BISSEN
Steve BISSEN
In Luxemburg steigt der Anteil der Menschen, die Schwierigkeiten haben, mit ihrem Gehalt trotz Vollzeitjob über die Runden zu kommen. Die Gründe sind sehr unterschiedlich.

(stb) - Eine Festanstellung und trotzdem Probleme, am Ende des Monats über die Runden zu kommen. Ein Phänomen, das sich auch im „reichen Luxemburg“ in den letzten Jahren ausgebreitet hat. Diese sogenannten „Working Poor“ sind Menschen, die zwar einer bezahlten, regulären Arbeit nachgehen, allerdings nicht genug verdienen, um von diesem Lohn anständig leben zu können.

Dabei handele es sich um eine „Missachtung eines Gesellschaftsversprechens“, so der Abgeordnete Marc Baum (Déi Lénk), der sich am Mittwoch im Rahmen einer Interpellation in der Chamber eingehender mit dem Phänomen der „Working Poor“ befassen wird. „Jemand, der Vollzeit arbeitet, hat das Recht auf ein anständiges Leben.“

Laut dem jüngst veröffentlichten „Panorama social“ der Arbeitnehmerkammer befanden sich 2015 16,5 Prozent der Teilzeitbeschäftigten und zehn Prozent der Vollzeitbeschäftigten unter der Armutsgrenze. Der Anteil bei den Vollzeitbeschäftigten ist gar der dritthöchste Eu-weit. Langfristig hat sich diese negative Tendenz zuungunsten der Arbeitnehmer verfestigt. Während sich ihr Anteil bei den Vollzeitbeschäftigten in den letzten Jahren auf einem hohen Niveau stabilisiert hat, steigt der vom Armutsrisiko betroffenen Teilzeitbeschäftigten in den letzten Jahren weiter an – von 2010 bis 2015 um sechs Prozent.

Déi Lénk fordern Erhöhung des Mindestlohns

Betroffen sind vor allem Berufsgruppen wie Verkäufer, Reinigungskräfte sowie Arbeitnehmer des Hotel- und Gaststättengewerbes, wo Beschäftigte oft nur den Mindestlohn verdienen. Deshalb gelte es vor allem hier aktiv gegenzusteuern, meint Baum und fordert eine substanzielle Erhöhung des Mindestlohns.

Zwar sei der Mindestlohn in Luxemburg deutlich höher als in den Nachbarländern. Dabei müsse man aber auch die höheren Lebenshaltungskosten berücksichtigen. Vor allem die Kosten für Wohnung und Miete würden hier zu Buche schlagen. Dies sei zwar Ausdruck des wirtschaftlichen Wachstums. „Die Früchte dieses Wachstums kommen allerdings immer weniger bei den unteren Einkommensgruppen an“, so Baum.

Prekäre Arbeitsverhältnisse

Darüber hinaus sei die stetige Ausweitung von prekären Arbeitsverhältnissen – Zunahme von u.a. befristeten Arbeitsverträgen und Teilzeitarbeitsverträgen – ein weiterer Beweggrund für den steigenden Anteil der „Working Poor“. Hier solle nach Ansicht von Déi Lénk ein gesetzlicher Rahmen geschaffen werden, der beispielsweise die Zahl der befristeten Arbeitsverträge in großen Betrieben begrenzen würde.

Außerdem seien die „ungleiche Lohnentwicklung zwischen Gering- und Spitzenverdienern“ sowie die „hohe Besteuerung von Löhnen im Vergleich zum Kapital“ weitere Ursachen für den steigenden Anteil der „Working Poor“.


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