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Integration durch Arbeit: "Ich möchte wieder als Informatiker arbeiten"
Politik 3 Min. 20.06.2016

Integration durch Arbeit: "Ich möchte wieder als Informatiker arbeiten"

Die Adem begleitet zurzeit rund 300 Personen mit anerkanntem Flüchtlingsstatut bei der Jobsuche.

Integration durch Arbeit: "Ich möchte wieder als Informatiker arbeiten"

Die Adem begleitet zurzeit rund 300 Personen mit anerkanntem Flüchtlingsstatut bei der Jobsuche.
Foto: Pierre Matge
Politik 3 Min. 20.06.2016

Integration durch Arbeit: "Ich möchte wieder als Informatiker arbeiten"

Bérengère BEFFORT
Bérengère BEFFORT
Diplominformatiker mit viel Berufserfahrung sucht Arbeitsstelle: So stellt sich Georges Battache bei der Adem vor. Ein Jobsuchender wie viele andere. Oder auch nicht: 2014 ließ der Syrer alles zurück als eine Granate in sein Haus in Damaskus einschlug.

(BB) - Die französische Aussprache ist perfekt, der Ton freundlich und bestimmt. Im Vorstellungsgespräch könnte Georges Battache bei einem neuen Arbeitgeber einen guten Eindruck vermitteln. Das ist auch sein Ziel.

Als Diplominformatiker mit zwanzigjähriger Berufserfahrung hat Georges Battache ein Bewerberprofil bei der Adem angelegt. Er ist einer von 17.000 Jobsuchenden in Luxemburg. Seinen vorherigen Arbeitsplatz hatte der 45-Jährige allerdings überstürzt verlassen. Das war vor zwei Jahren in Damaskus als eine Granate in sein Haus einschlug und der Syrer alles zurücklassen musste.

Informatiker Georges Battache stammt aus Syrien. Er kam vor zwei Jahren nach Luxemburg.
Informatiker Georges Battache stammt aus Syrien. Er kam vor zwei Jahren nach Luxemburg.
Foto: Pierre Matgé

"Wir wohnten in der Gegend, in der auch chemische Waffen zum Einsatz kamen", erinnert sich der Familienvater. Als dann die eigene Wohnung zerstört wurde, machte sich die Familie nach Libanon auf und weiter nach Rumänien, wo Schlepper einen Weg nach Westeuropa verschafften.

Georges Battache musste vieles zurücklassen. Seine Bildungsabschlüsse hat er nach dem langen Fluchtweg allerdings bei sich. Das ist bei Flüchtlingen selten der Fall.

Bescheinigungen für den Neuanfang

Viele Asylbewerber können bei ihrer Ankunft in Luxemburg keine Unterlagen aufweisen. Wer sein Leben retten muss, denkt nicht vorwiegend daran, seinen Abschluss mitzunehmen. Nachträglich lässt sich das Diplom in Krisenherden kaum ausfindig machen. Das erschwert und verzögert den erhofften Neuanfang.

"Zurzeit sind rund 300 Personen mit anerkanntem Flüchtlingsstatut bei der Adem eingeschrieben. Das Bildungsniveau ist sehr unterschiedlich und nicht alle haben nähere Angaben über ihre Ausbildung gemacht", erklärt Laurent Peusch, beigeordneter Leiter der Arbeitgeberabteilung.

Lediglich die Hälfte dieser 300 Bewerber konnten nähere Anhaltspunkte über ihre Qualifikationen liefern. Weil die Angaben auf eigenen Aussagen der Flüchtlingen beruhen, sind die tatsächlichen Kompetenzen nicht leicht nachweisbar. Auch unter guten Voraussetzungen gibt es mitunter Hürden: Sollte ein Abschluss vorliegen, bleibt immer noch die Frage der amtlichen Anerkennung.

Adem-Mitarbeiter Laurent Peusch gibt zu bedenken: Ausreichende Sprachkenntnisse sind unabdingbar, um überhaupt eine Chance auf dem kompetitiven Luxemburger Arbeitsmarkt zu haben.
Adem-Mitarbeiter Laurent Peusch gibt zu bedenken: Ausreichende Sprachkenntnisse sind unabdingbar, um überhaupt eine Chance auf dem kompetitiven Luxemburger Arbeitsmarkt zu haben.
Pierre Matgé

Gleiche Rechte, gleiche Pflichten

Für anerkannte Flüchtlinge gelten generell die gleichen Rechte und Pflichten wie für alle Einwohner. Sie sollen vollwertige Mitglieder der Gesellschaft sein. Bei der Adem werden Flüchtlinge von denselben Beratern begleitet wie andere Bewerber.  „Wir sprechen von Arbeitssuchenden, die wir bestens bei der Vermittlung unterstützen wollen“, stellt Laurent Peusch klar.

Das Gleichheitsprinzip bedeutet allerdings auch, dass Flüchtlinge zunächst die nötigen Fähigkeiten aufbauen müssen, damit sie überhaupt auf dem Arbeitsmarkt konkurrieren können. Sie müssen sich mit guten Sach- und Sprachkenntnissen in einem Vorstellungsgespräch behaupten können.

Hohe Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt

"Es ist gar nicht so einfach", sagt Laurent Peusch. Am Beispiel des Pflegebereichs erklärt er: „Ausländische Abschlüsse müssen als gleichwertig anerkannt werden, denn viele Berufe unterliegen strengen Bedingungen. Wer viel mit Menschen arbeitet, muss auch ausreichende Sprachkenntnisse aufweisen“.

Ein paar Brocken Französisch oder Deutsch reichen auf dem anspruchsvollen Luxemburger Arbeitsmarkt kaum aus. Die Sprache ist demnach eine große Hürde, die Flüchtlinge schnell nehmen müssen, damit ein neuer Job in greifbare Nähe rückt.

Die Adem und das nationale Sozialamt können den Zugang zu Sprachkursen unterstützen. Ein neues Projekt der Adem beruht darüber hinaus auf einer Zusammenarbeit mit der Arbeitgeberföderation Fedil, um die Fachkompetenzen einstufen zu können, wenn kein Diplom vorgelegt werden kann.

Georges Battaches' erstes Vorstellungsgespräch

„Ich arbeite zurzeit als Übersetzer für das Croix-Rouge. Das ermöglicht mir, Leute kennenzulernen und mich einzubringen. Aber ich würde gerne wieder meinen eigentlichen Beruf als Informatiker ausüben“, schildert Georges Battache.

Ein erstes Vorstellungsgespräch in seiner Berufssparte hatte der 45-Jährige Syrer vor ein paar Wochen. „Ich hatte mein erstes Vorstellungsgespräch in einem Ingenieur- und Planungsbüro. Man sagte mir, meine Deutschkenntnisse seien nicht ausreichend. Daran will ich jetzt arbeiten“, so der Informatiker.

In den Vorstellungsgesprächen sind Flüchtlinge einer harten Konkurrenz ausgesetzt. Der Luxemburger Arbeitsmarkt ist international. Für freie Arbeitsstellen kandidieren nicht nur Einheimische sondern auch zahlreiche Kandidaten aus der Großregion. Georges Battache gibt sich dennoch zuversichtlich: „Ich habe die Chance mit meiner Familie in Luxemburg zu sein. Ich genieße hier die Freiheit, ich brauche keine Angst zu haben.“ Mit der Arbeit könnte es denn auch bald klappen.


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