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Inklusion, ja... aber nicht mit dem Brecheisen
Politik 2 Min. 22.05.2019

Inklusion, ja... aber nicht mit dem Brecheisen

Lehrer brauchen mehr Unterstützung bei der Inklusion von Kindern mit speziellem Förderbedarf, fordert der Syndicat national des enseignants.

Inklusion, ja... aber nicht mit dem Brecheisen

Lehrer brauchen mehr Unterstützung bei der Inklusion von Kindern mit speziellem Förderbedarf, fordert der Syndicat national des enseignants.
Foto: Pierre Matgé
Politik 2 Min. 22.05.2019

Inklusion, ja... aber nicht mit dem Brecheisen

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Eines soll ganz klar sein, sagte am Mittwoch Patrick Remakel. „Der SNE ist nicht grundsätzlich gegen Inklusion, aber wir wollen ein realistisches Bild zeichnen der Möglichkeiten und der Grenzen, die Lehrer im Zusammenhang mit Inklusion im Alltag erleben.“

Inklusion lasse sich erzwingen „und es gibt sie nicht zum Nulltarif“, so der Vorsitzende der Gewerkschaft. Der SNE fordert mehr spezialisiertes Personal, das in den Schulen eingesetzt wird, ohne große Bürokratie und langes Warten. Eine schulinterne Struktur, der auch Personal aus den Gesundheitsberufen – Logopäden, Sozialarbeiter, Krankenpfleger – angehören. 


Einweihung des Centre pour le développement des apprentissages Grande-Duchesse Maria Teresa - ; Grand-Duchesse Maria Teresa - Claude Meisch (Bildungsminister)- Corinne Cahen (Familienministerin) ;  Photo : Pierre Matgé
"Faire Chancen für alle Schüler"
Kindern mit Lernschwierigkeiten oder Konzentrationsschwierigkeiten möglichst früh zu helfen, ist das Ziel des neuen Kompetenzzentrums in Strassen. Seit diesem Montag hat die staatliche Einrichtung ihre Türen offiziell geöffnet.

Zwar gibt es mit den ESEB eine auf der Ebene der Regionaldirektion angesiedelte Hilfsstruktur für Kinder mit Lernschwierigkeiten, doch die Hilfe komme nach wie vor nur schleppend oder gar nicht in den Schulen an, sagte Remakel, „zum Teil, weil Anträge abhandenkommen, vor allem aber, weil nicht genügend Personal verfügbar ist“. 

„Brauchen keinen Coach“ 

Nach der Darstellung des SNE nimmt die Zahl an Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten stark zu. In schwerwiegenden Fällen sei jeglicher Unterricht unmöglich, „sodass auch die anderen Kinder, die im Unterricht schneller voranschreiten könnten und das auch wollen, benachteiligt sind“. 

Der SNE fordert deshalb die Schaffung von spezialisierten Therapiezentren, in denen die Kinder über einen gewissen Zeitraum aufgenommen und therapiert werden, mit dem Ziel, sie wieder ins reguläre Schulsystem zu integrieren. Solche Zentren gibt es schon, allerdings nicht in ausreichender Zahl, wie Remakel meinte. 

Konkrete Hilfe erwartet der SNE auch von den Kompetenzzentren, von denen es mehrere gibt, darunter eines für Kinder mit Lernproblemen und eines für Kinder mit Verhaltensstörungen. „Wir haben aber noch nicht gesehen, dass sie in den Schulen besonders aktiv geworden wären“, bemängelte Remakel. 

Die Kompetenzzentren sähen sich zu sehr als Coach. „Die Lehrer brauchen niemanden, der ihnen Ratschläge gibt, was sie tun sollen, sondern Personal, das in den Klassen mit den Kindern arbeitet oder sie im Zentrum betreut.“ 

Entscheidungsbefugnis der Eltern neu definieren

Inklusion scheitere in vielen Fällen auch an den Eltern, so der SNE-Vorsitzende weiter. Wenn Eltern pädagogische Maßnahmen wie die Betreuung in einer spezialisierten Klasse, durch die ESEB oder in einem Kompetenzzentrum ablehnen, sind den Schulen und Lehrern die Hände gebunden. Eltern müssen den angebotenen Hilfsmaßnahmen zustimmen. Das kann nicht sein, so Remakel. 

Er forderte eine „Überarbeitung der elterlichen Entscheidungsbefugnis“. Ob ein Kind Hilfe bekommt oder nicht, dürfe nicht von den Eltern entschieden werden, sondern von den Professionellen. Wer genau, müsse man definieren.

Die Lehrergewerkschaft hofft auf einen konstruktiven Dialog mit Bildungsminister Claude Meisch, um die dargelegten Probleme zu lösen.


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