Informatiksektion im Classique

Digitales Zeitalter im Klassenzimmer

Das Lycée des Arts et Métiers bietet seit vielen Jahren Informatikerausbildungen an.
Das Lycée des Arts et Métiers bietet seit vielen Jahren Informatikerausbildungen an.
Foto: Chris Karaba

(mig) - „Das Interesse an unseren informatischen Ausbildungen ist enorm gestiegen. 2004 hatten wir 80 Schüler, die eine Informatikklasse besuchten. Heute sind es mehr als doppelt so viel“, sagt LTE-Direktor Patrick Strauss.

Das Lycée technique d'Esch-sur-Alzette bietet schon seit Jahren Informatikerausbildungen an, im Régime technique général und in der Berufsausbildung (DAP und Techniker). Die Schule geht jetzt noch einen Schritt weiter. Ab der nächsten Rentrée werden auch Classique-Schüler ab 3e Zugang zu einer Informatikerausbildung haben.

Das LTE ist eine von drei Schulen, die eine Informatiksektion einrichten. Das LTE kann dabei noch nicht auf eigene Schüler zurückgreifen, da die Schule bisher keine Classique-Klassen im Angebot hatte. Aber der Direktor ist zuversichtlich, genügend Schüler aus nahe gelegenen Schulen für eine erste „3e I“ anlocken zu können.

Doch schon ein Jahr später wird das LTE eigene Schüler für die I-Sektion „herangezüchtet“ haben. Die Schule hat 2015/16 ein Projekt gestartet, das es leistungsstarken Technique-Schülern erlaubt, nach der 7e intern auf eine 6e Classique zu wechseln. Diese Schüler sind beim Start der I-Sektion auf 4e und können ein Jahr später eine 3e I besuchen.

Gute Aussichten für I-Sektion

LAM-Direktorin Véronique Schaber hat nicht den geringsten Zweifel, dass die I-Sektion ein Erfolg werden wird. Das Lycée des Arts et Métiers wird 2017/18 ebenfalls eine 3e I eröffnen. „Wir haben schon sehr viele Anfragen dazu erhalten“, erzählt die Schulleiterin. Die beiden Schulen verfügen über ein komplettes Team an Lehrern, die in unterschiedlichen IT-Bereichen ausgebildet sind. Sie sind deshalb für das Pilotprojekt besonders gut geeignet.

Die dritte Schule ist das Lycée Edward Steichen in Clerf, das 2018/19 seine Türen öffnen und im Bereich IT-Ausbildungen eine dominante Rolle spielen wird. Ziel ist es, noch mehr Schulen dazu zu bringen, zu so genannten „Future Hubs“, zu Kompetenzpolen im IT-Bereich zu werden. Das Pilotprojekt schreibt sich ein in die im Mai 2015 vorgestellte Strategie „Digital(4)Education“ mit einer Fülle von digitalen Projekten.

"Léierbuden" des 21. Jahrhunderts

„Jeder muss sich über kurz oder lang in der digitalisierten Welt zurechtfinden“, sagt Claude Meisch, „ob als Bürger oder im Beruf“. Zudem braucht der ICT-Standort Luxemburg in den kommenden Jahren Hunderte IT-Spezialisten. Meisch vergleicht die Situation mit dem Beginn der Stahlindustrie und dem Aufbau der „Léierbuden“, wo die Arbeitskräfte ausgebildet wurden. Die drei Schulen seien quasi die „Léierbuden“ des 21. Jahrhunderts.

Die pädagogische Herangehensweise in den I-Klassen ist mit den bekannten herkömmlichen pädagogischen Ansätzen nicht zu vergleichen. „Der Unterricht ist projektbezogen, die Abgrenzung zwischen den Fächern wird aufgebrochen“, sagt der Bildungsminister. Die veränderten Lehr- und Lernmethoden verändern somit ganz klar auch das Miteinander von Lehrern und Schülern.

Weiterführende Studien

Ziel der I-Sektion ist die Vorbereitung auf weiterführende Studien „in jedem Fachbereich“, wie Patrick Strauss sagt. Aber nicht nur. Er ist überzeugt, dass junge Menschen mit einem I-Abitur sofort problemlos auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen können. „Die Industrie wird sich die Finger nach diesen Kandidaten lecken, ob mit oder ohne Studium“, so der LTE-Direktor. Die Pilotphase umfasst einen Zyklus von drei Jahren (3e bis 1re).

Meisch hofft, dass andere Schulen nachziehen werden, entweder mit einer I-Sektion „oder aber indem sie mehr Informatik in den bestehenden Sektionen anbieten“. Möglich wird das durch die geplante Sekundarschulreform. Sie sieht eine Neustrukturierung der Sektionen vor, die es Schulen erlaubt, Fächer flexibler zu handhaben und Sektionen übergreifend auszutauschen.

Geeignet sind vor allem die Sektionen B (Mathematik), C (Naturwissenschaften) und E (Kunst). Sollte das Sekundarschulgesetz noch vor der Sommerpause die parlamentarische Hürde nehmen, könnten die Schulen bereits zur Rentrée 2017/18 mehr Informatik in ihren Sektionen anbieten.

Weitere Kompetenzpole

Die drei IT-Kompetenzpole zeichnen sich Meisch zufolge durch drei Dinge aus: Die Informatik bildet den Schwerpunkt der Ausbildungen, die Lernmethoden sind handlungs-, problem- und anwendungsorientiert. Zudem pflegen die Kompetenzpole einen engen Kontakt zur Unternehmenswelt. „So können die Unternehmen einen Blick in die Schulwelt werfen, und die Schulen wissen, welche Profile die Unternehmen brauchen“, so Meisch.

Langfristig soll es nicht bei den drei Kompetenzpolen im Norden, im Süden und im Zentrum des Landes bleiben. Allerdings will das Ministerium den Schulen nichts vorschreiben. „Sie müssen im Rahmen ihrer Profilbildung sehen, ob sie das wollen,“ sagt Meisch. Ein Viertel der rund 37 Schulen haben sich bereits ein Profil gegeben.

Claude Meisch ist aber recht zuversichtlich, dass noch weitere Schulen einen ähnlichen Weg in Richtung „Future Hub“ oder zumindest „mehr Informatik“ einschlagen werden.

Computersprache Englisch

Weil das Fach Informatik eng mit der englischen Sprache verknüpft ist, wird Englisch auf der I-Sektion bis zum Abitur Pflicht sein. Das Ministerium achtet darauf, „dass die Literatur neben dem Computer-Englisch nicht zu kurz kommt“.

Bleibt aber noch ein zu lösendes Problem: die Personalrekrutierung. 17 Posten gilt es zu besetzen. Wegen des Mangels an IT-Spezialisten aber wird es nicht möglich sein, nach den herkömmlichen Kriterien die passenden Lehrkräfte zu rekrutieren. Meisch erwägt deshalb Änderungen bei den Rekrutierungsbedingungen. „Wir werden nicht drum herum kommen, ausländische Fachkräfte zu rekrutieren.“

Digitale Grundschule

Das Projekt MathemaTIC im Zyklus 4 ist ein Beispiel „digitalisierten Lernens“. Laut Claude Meisch hat Luxemburg hier eine Vorreiterrolle. Als Pilotprojekt gestartet, wird MathemaTIC inzwischen flächendeckend angeboten für alle Lehrer, die das wollen.

Beim Ministerium wird auch darüber nachgedacht, den Eltern Zugang zu diesem Instrument zu geben, damit sie den Lernprozess ihrer Kinder mitverfolgen können, und das in mehreren Sprachen.

Zudem wird das Projekt auch auf die Unterstufe im Secondaire ausgeweitet.

Entdeckendes Lernen

Auch im non-formalen Bereich möchte das Ministerium entdeckendes Lernen fördern. Dies wurde im Bildungsrahmenplan als Ziel verankert. „Heute gibt es kaum noch Betreuungseinrichtungen, die nicht über Forscherecken, Labors oder Werkstätten verfügen“, sagt Meisch.

Grundschulklassen und Sekundarschüler der Unterstufe haben zudem ab dem 27. März die Gelegenheit, im „Science Center“ in Differdingen nach Herzenslust zu experimentieren und zu tüfeln. In einer zweiten Phase wird das Wissenschaftszentrum auch für die breite Öffentlichkeit zugänglich sein.

Die Digitalisierung macht demnach auch vor der Grundschule nicht Halt. Nächster Schritt ist der Einkauf digitaler Inhalte, insbesondere für den Sprachunterricht. Claude Meisch plädiert allerdings für einen gemäßigten Umgang mit dem computer- oder tabletgestützten Lernen in der Grundschule, um zu verhindern, "dass die Kinder ununterbrochen nur noch vor dem Bildschirm sitzen“.