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In Luxemburg lebende Briten zur Brexit-Debatte: "Die Leute haben Angst vor Veränderung"
Politik 2 Min. 21.06.2016

In Luxemburg lebende Briten zur Brexit-Debatte: "Die Leute haben Angst vor Veränderung"

Gute Laune bei England-Fans im Pub "Britannia": Ob sich dies nach dem EU-Referendum ändern wird?

In Luxemburg lebende Briten zur Brexit-Debatte: "Die Leute haben Angst vor Veränderung"

Gute Laune bei England-Fans im Pub "Britannia": Ob sich dies nach dem EU-Referendum ändern wird?
Foto: Alain Piron
Politik 2 Min. 21.06.2016

In Luxemburg lebende Briten zur Brexit-Debatte: "Die Leute haben Angst vor Veränderung"

Am Donnerstag wird in Großbritannien über einen EU-Verbleib abgestimmt. Wie sehen in Luxemburg lebende Briten die Brexit-Debatte?

(seb) - Der Countdown läuft. Nach monatelangen Debatten, in denen Brexit-Befürworter wie auch -Gegner mit zum Teil harten Bandagen kämpften, wird am morgigen Donnerstag in Großbritannien über einen EU-Verbleib abgestimmt. Wie sehen in Luxemburg lebende Briten die Diskussionen? Auf welcher Seite stehen sie? Welche Folgen hätte ein Brexit für sie?

Kaum Brexit-Befürworter

Anhänger eines EU-Austritts scheint es unter britischen "Expats" hierzulande nicht viele zu geben. Jedenfalls erweist sich die Suche nach europakritischen Stimmen als recht schwierig. Stattdessen ist oft die Rede von "unnötigen Einschränkungen", die ein Ausscheiden aus der Union für die hier lebenden Briten mit sich bringen würde.

Auch das Ergebnis des EU-Referendums am 23. Juni wird mit Spannung erwartet werden.
Auch das Ergebnis des EU-Referendums am 23. Juni wird mit Spannung erwartet werden.
Foto: Alain Piron

Craig, der einen Pub im hauptstädtischen Bahnhofsviertel betreibt, befürchtet, im Falle eines Brexit Probleme mit der Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. "Nach elf Jahren in Luxemburg wäre ich von einem Tag auf den nächsten ein Immigrant aus einem Drittstaat", meint er kopfschüttelnd. In der Tat bräuchten viele Briten, die bereits seit Jahren hier arbeiten, dann womöglich ein Arbeitsvisum. "Das wäre doch lächerlich", fügt Thomas, ein Barbesucher, hinzu. Beide bevorzugen ganz klar einen Verbleib in der EU, haben aber trotz Wahlberechtigung nicht abgestimmt.

Doppelte Staatsbürgerschaft als Ausweg

Als Ausweg sehen Craig und Thomas, wie auch zahlreiche andere Gesprächspartner, die doppelte Staatsbürgerschaft. Im Clausener Pub "Britannia" erzählt uns Mike, er habe gar zwei Optionen. Neben einem luxemburgischen könnte er aufgrund der Herkunft seines Vaters auch einen irischen Pass beantragen.

Seit über 15 Jahren lebt und arbeitet er im Großherzogtum. Wählen kann er deswegen in Großbritannien nicht mehr. Andernfalls hätte er gegen einen Brexit gestimmt. Mit Blick auf das Votum am Donnerstag sei er nervös, so Mike. Er habe zwar versucht, Familie und Freunde in der Heimat von einem "Stay" zu überzeugen. "Ich weiß aber nicht, ob es geklappt hat".

"Ja" zur EU erwartet

Eine kritische Stimme findet sich dann doch noch. Sie gehört Peter. Auch er hat zu lange im Ausland gelebt, um in der britischen Heimat noch wählen zu dürfen. Seiner Meinung nach täte dem Vereinigten Königreich ein EU-Austritt gut. Dies schon allein deswegen, weil britische Volksvertreter dann endlich wieder für sämtliche politischen Entscheidungen geradestehen müssten. Viel zu oft würden Missstände jeglicher Art auf die Brüsseler Institutionen geschoben.

Wie die meisten anderen rechnet aber auch Peter damit, dass die Briten letztlich mit einer – wenn auch knappen – Mehrheit für einen Verbleib in der EU stimmen werden. "Am Ende des Tages haben die Leute Angst vor Veränderung", so seine Überzeugung.

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