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"In einem schlechten Zustand"
Der Gesetzentwurf 7206 mit den Maßnahmen zur Bekämpfung des Lehrernotstands muss noch im Frühjahr durch das Parlament.

"In einem schlechten Zustand"

Foto: Pierre Matgé
Der Gesetzentwurf 7206 mit den Maßnahmen zur Bekämpfung des Lehrernotstands muss noch im Frühjahr durch das Parlament.
Politik 3 Min. 13.03.2018

"In einem schlechten Zustand"

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Bildungsminister Claude Meisch steht unter Druck. Die Maßnahmen, mit denen er den Lehrernotstand im Fondamental bekämpfen möchte, müssen noch im Frühjahr durch das Parlament. Der SEW übt Kritik an den Maßnahmen. Die Gewerkschaft sieht die Qualität der Ausbildung und das Berufsbild des Lehrers in Gefahr.

"Seit Jahrzehnten fehlt es an ausgebildeten Lehrern in der Grundschule", meinte Patrick Arendt. Neu sei die Qualität des Lehrermangels. Der SEW-Vorsitzende führt ihn auf die Attraktivität des Berufes zurück, die seit der Einführung des dreijährigen Stage massiv gelitten habe. Das Ministerium habe Mühe Kandidaten für den Concours zu finden. "Die meisten ziehen es vor, weiter zu studieren und eine andere Laufbahn einzuschlagen."

Die Wurzel des Übels

Aus Sicht des SEW ist das Referendariat die Hauptursache für die aktuelle Notsituation. Das sei vorhersehbar gewesen, doch das Ministerium habe zu spät reagiert. "Jetzt wird hektisch und unüberlegt nach Lösungen gesucht", so der SEW-Präsident.

Der Gesetzentwurf sieht Änderungen beim Stage vor. So können alle Lehrer nach ihrer vierjährigen Grundausbildung aufgrund ihrer Praxis während des Studiums eine Stage-Verkürzung um ein Jahr beantragen. Allerdings bleibt es dabei, dass die Referendare im Laufe des Stage Prüfungen ablegen müssen und bewertet werden.

Der SEW aber fordert eine grundlegende Reform hin zu einem Stage, der die Referendare bei ihrem Berufsstart begleitet und unterstützt, aber ohne Bewertung. Schließlich seien die Berufsanfänger fertig ausgebildete Lehrer, "die bewiesen haben, dass sie fähig sind, zu unterrichten", so Arendt. Die Politik müsse jetzt sofort ein klares Signal in diese Richtung senden, "sonst finden wir im Herbst keine Kandidaten", sagte Arendt.

SEW-Mitglied Monique Adam bemängelte, dass im Gesetzentwurf von einer Reform des Stage keine Rede sei. Die zeitliche Verkürzung und die wenigen inhaltlichen Änderungen - die Zahl der Bewertungsmomente wird gekürzt - seien begrüßenswert für die Referendare, die jetzt im Stage seien, "aber für die künftigen Lehrer brauchen wir eine grundlegende Reform", so Adam.

Drei Jahre Grundausbildung

Sorgen bereitet dem SEW auch die Aussicht, dass künftig drei statt vier Jahre Grundausbildung reichen, um zum Lehrerberuf zu gelassen zu werden. Aufgrund der Komplexität des Berufes sei es nicht angebracht, die Ausbildung zu kürzen, fand Patrick Arendt. Er begrüßte, dass die Uni Luxemburg offenbar an der vierjährigen Ausbildung festhalten wolle.

Mit einer Kürzung auf drei Jahre riskiere man, künftig noch weniger Studenten für die vierjährige Ausbildung an der Uni Luxemburg zu finden. "Wer will denn noch vier Jahre an der Uni Luxemburg studieren, wenn er im Ausland nur drei Jahre studieren muss?", fragte der SEW-Vorsitzende.

Schlimmer noch sei die geplante Maßnahme, den Lehrerberuf für Bachelor-Absolventen zu öffnen, die irgendein Fach studiert haben, das in der Schule unterrichtet wird, und sie dann in einer 240-stündigen Fortbildung am IFEN zum Lehrer auszubilden.

Maßnahme zeitlich begrenzen

Der SEW wehrt sich nicht gegen die Rekrutierung von Bachelor-Absolventen an sich. Aber er fordert eine Verankerung im Gesetz, "dass es sich um eine Übergangs- und auf zwei Jahre begrenzte Maßnahme handelt". Vor allem aber fordert die Gewerkschaft, dass die so rekrutierten Quereinsteiger eine konsistente Ausbildung an der Uni Luxemburg erhalten, ähnlich den Lehrbeauftragten, die aufgrund ihrer Berufserfahrung die Möglichkeit haben, die Lehrerausbildung nachzuholen. Eine 240-stündige pädagogische Fortbildung am IFEN lehnt die Gewerkschaft ab. Eine solche Fortbildung sei rein symbolischer Natur, meinte Arendt.

Die Rekrutierung von Kandidaten mit einem Bachelorabschluss "en relation avec l'éducation" schade zudem der Attraktivität des Lehrerberufs. Sie halte junge Menschen davon ab, eine spezifische Lehrerausbildung zu machen und verleite sie stattdessen dazu, sich für eine andere Ausbildung zu entscheiden. "Mit einem Lehrerdiplom kann man nur unterrichten. Mit einem anderen Diplom kann man Lehrer werden, hat aber auch noch andere berufliche Perspektiven", so Patrick Arendt.  



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