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In Bonn ein Riese, in Luxemburg ein Partner
Politik 3 Min. 16.06.2017 Aus unserem online-Archiv
Helmut Kohl

In Bonn ein Riese, in Luxemburg ein Partner

Im Luxemburger Staatsministerium ist Kohl ein häufiger und gern gesehener Gast. Die Aufnahme stammt von 1997.
Helmut Kohl

In Bonn ein Riese, in Luxemburg ein Partner

Im Luxemburger Staatsministerium ist Kohl ein häufiger und gern gesehener Gast. Die Aufnahme stammt von 1997.
Foto: Anouk Antony
Politik 3 Min. 16.06.2017 Aus unserem online-Archiv
Helmut Kohl

In Bonn ein Riese, in Luxemburg ein Partner

Kanzler der Wiedervereinigung, Kanzler der europäischen Währungsunion. Im Inneren war Helmut Kohl ganz Machtpolitiker, nach außen trat er versöhnlich auf. Mit Luxemburg verband ihn eine persönliche Freundschaft.

Von Volker Bingenheimer

Kanzler der Wiedervereinigung, Kanzler der europäischen Währungsunion. Im Inneren war Helmut Kohl ganz Machtpolitiker, nach außen trat er versöhnlich auf. Mit Luxemburg verband ihn eine persönliche Freundschaft. 

Im Alter von 87 Jahren verstarb am 16. Juni mit Helmut Kohl eine der bemerkenswertesten Persönlichkeiten der deutschen Nachkriegspolitik.

„Als ehemaliger Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz fühlte ich mich mit Luxemburg verbunden. Nicht zuletzt deshalb, weil sich europäische Zusammenarbeit gerade auch im Respekt vor einem kleineren europäischen Nachbarn zu bewähren hat“, schreibt Helmut Kohl in seinen Memoiren. 

Gegenüber seiner eigenen Partei sowie dem politischen Gegner in Bonn und Berlin war Helmut Kohl Machtpolitiker durch und durch. Außerhalb Deutschlands gab er ein anderes Bild ab. 

Auf europäischer Ebene spielte er die Karte der Integration und versuchte mitnichten, deutsche Interessen durchzudrücken. Bereits vor seinem Amtsantritt 1976 sagte Kohl: „Wir werden mit aller Leidenschaft die politische Einigung Europas anstreben. Wir wollen und wir werden die westliche Allianz festigen und weiter ausbauen, auch dort, wo uns dies Opfer kostet.“ 

Partnerschaft mit den kleinen Nachbarn

Die Haltung gegenüber den kleinen Nachbarn brachte ihm im Großherzogtum gleich nach seinem Amtsantritt 1982 Sympathie ein. Der ehemalige Premierminister Jacques Santer resümiert: „Helmut Kohl versuchte immer, die Kleinen einzubinden.“ Jean-Claude Juncker stimmt seinem Vorgänger zu: „Er hat sich gegenüber Luxemburg immer extrem korrekt verhalten.“ 

  Er hat sich gegenüber Luxemburg immer extrem korrekt verhalten.“
Jean-Claude Juncker   

 Es sind vor allem die kleinen Gesten, die diesseits der Mosel zählen. So setzte sich Kohl beispielsweise für eine Entschädigung der Luxemburger Zwangsrekrutierten im Zweiten Weltkrieg ein. 

Im Streit um das Bankgeheimnis nimmt Kohl Luxemburg vor den Anfeindungen der übrigen EU-Staaten in Schutz – und ermöglicht damit, dass deutsche Staatsbürger in den 80er Jahren in Scharen kommen, um ihr Geld in Luxemburg anlegen.

Mit Juncker verband Kohl eine persönliche Freundschaft. Über das erste Zusammentreffen der beiden Politiker im Großen Theater im Mai 1979 gibt es eine Anekdote. Kohl, damals Oppositionsführer in Bonn, traf im CSV-Europawahlkampf auf Juncker, damals jüngster CSV-Kandidat für die Parlamentswahl. 

Kohl fragte ihn: „Sind Sie denn schon volljährig?“ Anschließend verpasste er ihm den Spitznamen „Junior“, und nannte ihn viele Jahre lang so.

Unterstützung bei der Wiedervereinigung

  1990 kam die deutsche Einheit, was die deutsche Bevölkerung in Euphorie versetzte, im Rest Europas aber mit zwiespältigen Gefühlen aufgenommen wurde. Luxemburg unterstützte Deutschland – was am Anfang nicht selbstverständlich war.   

8. Juli 1986: Helmut Kohl bei einer Rede in Straßburg vor einem Porträt von Robert Schuman, einem der Gründerväter der EU.
8. Juli 1986: Helmut Kohl bei einer Rede in Straßburg vor einem Porträt von Robert Schuman, einem der Gründerväter der EU.
AFP

An einem Strang zog Premier Juncker mit Helmut Kohl, als die europäische Währungsunion immer greifbarer wurde. Luxemburg hatte ein großes Interesse am Euro, weil es mit Belgien in einer Währungsunion steckte, und als kleinerer Partner nur begrenzten Einfluss auf die Brüsseler Währungspolitik hatte. 

1998 wurde Kohl nach 16 Jahren im Amt abgewählt. Trotzdem blieb er seinem Freund Jean-Claude Juncker treu. Fast jedes Jahr war er zu Besuch in Luxemburg – zu informellen Besuchen bei Juncker oder als Festredner bei Preisverleihungen. 

Nach seinem Sturz 2008, bei dem er ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erleidet, wird es ruhig um Helmut Kohl. Kurz danach heiratet er Maike Richter, die ihn von der Öffentlichkeit abschirmte.


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