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Regierung gibt Astrazeneca und Johnson ab 18 Jahren frei
Politik 1 4 Min. 11.06.2021
Impfstrategie

Regierung gibt Astrazeneca und Johnson ab 18 Jahren frei

Premier Bettel und Gesundheitsministerin Lenert auf dem Weg zur Pressekonferenz.
Impfstrategie

Regierung gibt Astrazeneca und Johnson ab 18 Jahren frei

Premier Bettel und Gesundheitsministerin Lenert auf dem Weg zur Pressekonferenz.
Foto: Guy Jallay
Politik 1 4 Min. 11.06.2021
Impfstrategie

Regierung gibt Astrazeneca und Johnson ab 18 Jahren frei

Danielle SCHUMACHER
Danielle SCHUMACHER
Ab Samstag können sich alle Bürger über 18 Jahre freiwillig impfen lassen. Kinder und Jugendliche können ab Mitte Juli mit einer Einladung rechnen.

Bis zum 15. Juli sollen alle Einwohner des Landes, die älter sind als 18 Jahre, eine Impfeinladung erhalten. Doch Premierminister Xavier Bettel (DP) knüpfte sein Versprechen am Freitag beim Pressebriefing rasch an Bedingungen: Der Termin wird nur zu halten sein, wenn die Pharmakonzerne auch rechtzeitig liefern, und vor allem, wenn sie ihre Zusagen einhalten, was die Menge der Impfdosen anbelangt.



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Wenn alles klappt, könnte es also schnell gehen. Denn in der kommenden Woche sollen genug Dosen geliefert werden, um 32.710 Personen vollständig zu impfen, in der 25. Kalenderwoche sollen dann noch einmal Vakzine für 37.350 Vollimpfungen ankommen. Der Löwenanteil geht laut dem Wochenbericht vom vergangenen Mittwoch auf das Konto von Biontech-Pfizer, der Konzern liefert in den zwei Wochen immerhin genug Dosen für 32.710 Personen.

Aber auch die anderen Hersteller werden liefern. Astrazeneca wird in den kommenden 14 Tagen Vakzine für fast 20.000 Menschen liefern, Johnson & Johnson für 12.000. Bei Moderna reicht es nur für 5.400 Vollimpfungen. Johnson & Johnson hatte allerdings ursprünglich eine wesentlich größere Lieferung angekündigt.

Astrazeneca und Johnson & Johnson auf freiwilliger Basis 

Und weil der Nachschub reicht, will die Regierung nun die Priorisierung zum Teil aufheben. Alle, die über 18 Jahre alt sind, können sich ab Samstag freiwillig auf eine Warteliste eintragen, um sich mit dem Vakzin von Astrazeneca oder Johnson & Johnson impfen zu lassen. Anmelden kann man sich auf dem Portal impfen.lu.


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Die Regierung verfolgt damit zwei Ziele. In dem sie die beiden Impfstoffe freigibt, sollen nun endlich auch jüngere Menschen zum Zuge kommen. Zum anderen, so die Hoffnung, steht damit mehr Impfstoff von Biontech-Pfizer für Kinder und Jugendliche zur Verfügung und für für diejenigen, die die anderen Vakzine ablehnen und sich daher nicht impfen lassen wollen. 

Diejenigen, die von der neuen Offerte profitieren wollen, können sogar zwischen dem Johnson & Johnson oder dem Astrazeneca Vakzin wählen. Zudem verlieren sie ihren angestammten Platz auf der Priorisierungsliste nicht. Das bedeutet, sollten sie in ihrer Alterskategorie so wie so an die Reihe kommen, können sie sich immer noch für den Termin entscheiden. Sowohl der Impfstoff von Astrazeneca als auch derjenige von Johnson & Johnson sind von der Europäischen Medikamentenagentur EMA ab 18 Jahren freigegeben.

Biontech-Pfizer für Kinder und Jugendliche

Gute Aussichten gibt es auch in Bezug auf das Vakzin von Biotech-Pfizer. Nach der EMA hat nun auch in Luxemburg der Conseil supérieur des maladies infectieuses (CSMI) ein positives Gutachten erstellt, was den Einsatz bei Kindern ab zwölf Jahren anbelangt. Sollten die versprochenen Lieferungen termingerecht eintreffen, könnten die ersten Jugendlichen unter 18 Jahren ab dem 15. Juli geimpft werden. Vorrang haben auch hier natürlich zunächst Kinder, die als vulnerabel eingestuft werden.

Gesundheitsministerin Lenert und Premier Bettel gehen davon aus, dass bis zum 15. Juli jeder Bürger über 18 Jahre eine Impfeinladung erhält.
Gesundheitsministerin Lenert und Premier Bettel gehen davon aus, dass bis zum 15. Juli jeder Bürger über 18 Jahre eine Impfeinladung erhält.
Foto: Guy Jallay

Premier Xavier Bettel und Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) hoffen, dass durch diese Öffnung möglichst viele Jugendlichen vor den Ferien geimpft werden können.

Wir wollen nicht wieder die Handbremse anziehen.  

Premier Bettel

Da die oberen Altersklassen mittlerweile fast durchgängig geimpft sind, entfällt mehr als ein Viertel der Neuinfektionen auf Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre. Allerdings sind die Krankheitsverläufe in dieser Alterskategorie meist eher milde. Wie schnell die Kinder und Jugendlichen nun an die Reihe kommen, hänge natürlich davon ab, wie gut die Offerte der freiwilligen Impfung mit Astrazeneca und Johnson & Johnson angenommen werde, erklärte Bettel.

Teststrategie wird ab Juli angepasst

Und weil die Impfung demnächst auch für die Jüngeren zugänglich ist, wird sich auch an der Teststrategie etwas ändern. Bislang erhielten sechs- bis 30-Jährige, die bis dato von der Impfung ausgeschlossen waren, einen Gutschein für einen Schnelltest. Diese Regelung soll nun wegfallen.


Das Projekt wurde politisch, wissenschaftlich und international so hoch aufgehängt, dass ein Versagen nicht eingestanden werden kann.
Das Large Scale Testing ist ein opakes Riesengeschäft
Gut 150 Millionen Euro kostet das Testen im großen Stil, das trotz Schnelltests und Impfungen in die dritte Phase geht. Für den epidemiologischen Verlauf hat es nichts gebracht.

Stattdessen wird das Programm des Large scale testings (LST) angepasst. Voraussichtlich ab dem 20. Juli kann sich jeder für einen PCR-Test in einem der Testzentren anmelden. Der Test ist gratis.

Das normale LST-Programm läuft allerdings parallel dazu weiter. Wie bisher werden nach einem bestimmten Auswahlverfahren Einladungen verschickt. Dies sei auch deshalb notwendig, weil sonst das Covid-Monitoring nicht mehr garantiert sei, erklärte die Gesundheitsministerin.

Auch die Bluttests laufen weiter. Weiterhin werden wöchentlich 1.000 Einladungen zum Antikörper-Test verschickt. Ab der Rentrée will man diese Zahl deutlich steigern, um abzusehen, wie weit die Immunität sich in der Gesellschaft entwickelt. 

Der CSMI hat in einem zweiten Gutachten festgehalten, dass Menschen, die eine Covid-Infektion hinter sich haben, in der Regel nur einmal geimpft werden sollen. Eine zweite Dosis erfolgt nach Absprache mit dem Arzt auf freiwilliger Basis. Um ihr Impfzertifikat zu erhalten, das einem über den Covid-Check mehr Freiheiten einräumt, muss man sich an die Hotline wenden. Die Genesenen erhalten die erste Impfung nach vier Wochen. 

Premier Bettel appellierte am Freitag erneut an die Vernunft der Bürger. Angesichts der Lockerungen, über die das Parlament am Samstag beim neuen Covid-Gesetz abstimmt, müsse jeder Verantwortung übernehmen und sich an die Reglen halten: „Wir wollen nicht wieder die Handbremse anziehen.“ 


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