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"Allgemeine Impfpflicht macht keinen Sinn"
Politik 6 2 Min. 14.01.2022
Neujahrsempfang

"Allgemeine Impfpflicht macht keinen Sinn"

ADR-Präsident Jean Schoos ist enttäuscht, dass es nicht zu einem Verfassungsreferendum kommt und wirft der Regierung und der CSV vor, ihr Wahlversprechen nicht einzuhalten.
Neujahrsempfang

"Allgemeine Impfpflicht macht keinen Sinn"

ADR-Präsident Jean Schoos ist enttäuscht, dass es nicht zu einem Verfassungsreferendum kommt und wirft der Regierung und der CSV vor, ihr Wahlversprechen nicht einzuhalten.
Foto: Alain Piron
Politik 6 2 Min. 14.01.2022
Neujahrsempfang

"Allgemeine Impfpflicht macht keinen Sinn"

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Beim Neujahrsempfang ging ADR-Präsident Jean Schoos auf die Impfpflicht und die Klage seiner Partei gegen einen Journalisten ein.

Die ADR ist bekanntlich gegen eine Impfpflicht. Beim Neujahrsumtrunk am Freitagabend im „Centre sociétaire“ im Stadtteil Cents erklärte Präsident Jean Schoos die Position seiner Partei. Es sei nicht der richtige Zeitpunkt für eine Diskussion über eine Impfpflicht. „Das hätte man im Sommer diskutieren müssen, nicht jetzt“, sagte Schoos. Die ADR ist darüber hinaus überzeugt, dass eine allgemeine Impfpflicht nicht wirklich etwas bringt, „weil man sich trotzdem anstecken kann“. Folglich würden die sanitären Maßnahmen bestehen bleiben. 


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Schoos hält eine Impfpflicht überdies für schwer umsetzbar, „weil wir keine Mittel haben, um sie umzusetzen. Diejenigen, die die Impfung verweigern, werden sich auch einer Impfpflicht widersetzen“, so Schoos. Zudem komme eine Impfpflicht zu spät. „Sie wird keinen Einfluss auf die aktuelle Welle haben. Sie wird weder zu einer Entlastung der Spitäler noch anderer kritischen Infrastruktur führen“, so der ADR-Präsident. 

Dass es nicht zu einem Verfassungsreferendum kommen wird, frustriert die ADR. „Wir wollten einen breiten Dialog in der Gesellschaft herbeiführen.“ Die Herangehensweise aber führe nicht zu einer breiten Diskussion in der Bevölkerung, so Schoos. „Die Verfassung wird von oben über die Menschen drüber gestülpt und Gambia geht zusammen mit der CSV durch die Wand.“ Die Regierung halte ihr Versprechen von mehr Bürgerbeteiligung und ihr Versprechen eines Verfassungsreferendums nicht ein.

Schoos ging zum Schluss auch auf die Klage der ADR gegen den Chefredakteur des Tageblatt, Dhiraj Sabharwal, wegen „inakzeptabler“ Aussagen im RTL-Presseclub am 9. Januar gegen die ADR-Abgeordneten Fernand Kartheiser und Fred Keup ein. In der Sendung hatte der Journalist sie als „nidderträchteg Knaschtsäck“ bezeichnet, die das Land kaputt machen. 


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In der Sendung ging es um die Proteste und Ausschreitungen gegen die Corona-Maßnahmen und damit verbunden um die Rolle der ADR, speziell die des ADR-Abgeordneten Roy Reding, der die Daten eines Journalisten in den sozialen Medien preisgegeben hatte, woraufhin dieser sich mit Hatespeech und diversen Beleidigungen konfrontiert sah. Schoos bezeichnete die Aussagen des Journalisten als Angriff auf die ADR, ihre Mitglieder und Wähler. Am schlimmsten sei, dass die anderen Pressevertreter in der Sendung sich von den Aussagen nicht distanziert hätten. „Zu einer politischen Debatte, und sei sie noch so kontrovers, gehört ein Minimum an Respekt“, so Schoos. „Das aber ist nur noch Demütigung.“

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