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"Impfpflicht mittel- bis langfristig vertretbar"
Politik 3 Min. 10.12.2021 Aus unserem online-Archiv
Gutachten des Ethikrats

"Impfpflicht mittel- bis langfristig vertretbar"

Luxemburg wird sich mit der Frage der Impfpflicht auseinandersetzen müssen.
Gutachten des Ethikrats

"Impfpflicht mittel- bis langfristig vertretbar"

Luxemburg wird sich mit der Frage der Impfpflicht auseinandersetzen müssen.
Foto: DPA
Politik 3 Min. 10.12.2021 Aus unserem online-Archiv
Gutachten des Ethikrats

"Impfpflicht mittel- bis langfristig vertretbar"

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
In seinem Gutachten vom Freitag hat der nationale Ethikrat sich für eine mögliche Impfpflicht für Erwachsene ausgesprochen.

Noch sind die Krankenhäuser nicht völlig überlastet, aber die Infektionslage ist angespannt - im Ausland noch mehr als in Luxemburg. Und es ist damit zu rechnen, dass sich die Situation noch verschlimmert, besonders mit Blick auf die Omikron-Variante. Im Ausland wurde die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht bereits beschlossen (Österreich), oder in Teilen der Gesellschaft umgesetzt (Frankreich). In Deutschland sind die Diskussionen über eine Impfpflicht in vollem Gange und auch in Luxemburg wird laut darüber nachgedacht. 


ARCHIV - 22.11.2021, Sachsen-Anhalt, Lützen: Eine Mitarbeiterin der Malteser zieht eine Spritze mit Impfstoff von Biontech auf. Lange Wartezeiten vor den Impfstellen und bei den Impfaktionen: Die Nachfrage nach einer Immunisierung gegen das Coronavirus ist in ganz Sachsen-Anhalt hoch. (zu dpa: «Mit Termin oder ohne? So kommen Sachsen-Anhalter an ihre Impfung») Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Ja zur Impfpflicht
Eine allgemeine Impfpflicht würde die unsägliche Debatte um Sinn und Nutzen von Impfungen in Luxemburg beenden.

Auch der nationale Ethikrat hat sich mit der Frage beschäftigt und am Freitag ein Gutachten dazu veröffentlicht. Im Gutachten heißt es, dass die Möglichkeit einer Impfpflicht hierzulande zu früh ausgeschlossen worden sei. Der Ethikrat spricht sich jetzt für eine mögliche Impfpflicht für Erwachsene aus - dies vor dem Hintergrund der aktuellen Lage, die riskiert, sich weiter zu verschlechtern, einer ungenügenden Impfquote und einer stagnierenden Impfbereitschaft. Weder die allgemeine Bevölkerung, noch die Vulnerablen seien ausreichend geschützt. „Diese Pandemie endet erst, wenn alle geimpft, genesen oder gestorben sind“, so der Ethikrat. Niemand könne sich dem entziehen. 

Um die Pandemie in den Griff zu bekommen, sind nach Ansicht des Ethikrats weitere Maßnahmen zusätzlich zu den jetzt beschlossenen notwendig - auch Maßnahmen, die den Druck auf Ungeimpfte erhöhen. In der aktuellen Situation und im Falle einer Verschlechterung der Lage sei mittel- oder langfristig eine Impfpflicht für Erwachsene aus ethischen, sozialen, wirtschaftlichen und sanitären Gründen vertretbar. Einen Impfzwang lehnt der Rat ab. 

Das Argument der Freiheit, das Impfgegner und -zweifler ins Spiel bringen, um sich nicht impfen zu lassen, ist laut dem Rat als ethisches Gegenargument zur Impfpflicht nicht haltbar. Der Rat gibt zu bedenken, dass eine Impfpflicht die Impfbereitschaft sogar erhöhen könnte, weil sie den Menschen die individuelle Verantwortung abnimmt


04.12.2021, Baden-Württemberg, Stuttgart: "Nur Impfen schützt!" steht auf einem Banner der Stadt Stuttgart geschrieben. Seit diesem Samstag gelten in Baden-Württemberg verschärfte Corona-Regeln. Foto: Christoph Schmidt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Deutschland beschließt begrenzte Impfpflicht
Die deutsche Ampel-Koalition bessert das Infektionsschutzgesetz erneut nach. Auch die Christdemokraten stimmen zu - obwohl sie eigentlich mehr wollen.

Der Rat rät im Übrigen davon ab, Geimpften zusätzliche Restriktionen aufzubürden, da sie ja ihren Beitrag zum Gemeinwohl geleistet haben. Eine Impfpflicht wäre auch ein Signal an die Geimpften, dass sie die richtige Wahl getroffen haben. Ohne diese Unterstützung laufe man Gefahr, dass die Menschen sich enttäuscht von der Politik abwenden und sich Skeptikern „de tous bords“ anschließen. Des Weiteren hält der Rat eine „positive Diskriminierung“, also mehr Rechte für Geimpfte und Genesene, durchaus für vertretbar.

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