Wählen Sie Ihre Nachrichten​

"Ich habe aus Überzeugung gehandelt"
Politik 2 Min. 15.12.2014 Aus unserem online-Archiv
Der Mann, der Luxleaks lostrat

"Ich habe aus Überzeugung gehandelt"

Screenshot icij.org
Der Mann, der Luxleaks lostrat

"Ich habe aus Überzeugung gehandelt"

Screenshot icij.org
ICIJ
Politik 2 Min. 15.12.2014 Aus unserem online-Archiv
Der Mann, der Luxleaks lostrat

"Ich habe aus Überzeugung gehandelt"

Der Franzose Antoine Deltour erklärt in einem "Libération"- Interview, weshalb er als PwC-Mitarbeiter Dokumente kopierte und an einen Journalisten weitergab.

(ml) - Antoine Deltour heißt der Mann, der verantwortlich für die LuxLeaks-Enthüllungen sein soll. Der 28-jährige Franzose wurde am vergangenen Freitag stundenlang von einem luxemburgischen Untersuchungsrichter verhört, bevor er wieder auf freien Fuß gesetzt wurde. Er steht unter dem Verdacht, sich illegalen Zugang zu Dokumenten verschafft zu haben. Des Weiteren wird ihm vorgeworfen gegen das Berufsgeheimnis verstoßen zu haben.

Der 28-jährige Deltour handelte eigenen Aussagen zufolge aus Überzeugung.
Der 28-jährige Deltour handelte eigenen Aussagen zufolge aus Überzeugung.
Screenshot

Deltour begann im Jahr 2008 ein Praktikum bei PricewaterhouseCoopers, einer der Auditfirmen, die für multinationale Konzerne Deals mit der Steuerverwaltung aushandelten. Noch im gleichen Jahr erhielt er einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Nur zwei Jahre später reichte er seinen Rücktritt ein. Er fühlte sich nicht wohl in der Arbeitswelt, die er vorfand. Nach und nach habe er die Realität des Systems in seiner Radikalität erkannt: eine massive Steueroptimierung. Er habe keine Lust gehabt, seinen Beitrag dazu zu leisten, sagt Deltour in einem Exklusiv-Interview mit der französischen Tageszeitung "Libération".

Keine Kontakte zu ICIJ

Kurz vor seinem Abgang bei PwC sei er per Zufall auf die berühmt berüchtigten Tax-Rulings gestoßen. Dabei habe er keine Informatik-Sperre durchbrechen müssen, betont Deltour. Er habe die Dokumente damals kopiert, ohne eine konkrete Absicht zu haben. Erst zu einem späteren Zeitpunkt sei er bestürzt gewesen über den Inhalt der Schriftstücke.

Anschließend überreichte Deltour im Jahr 2012 die brisanten Dokumente einem französischen Journalisten. Sechs Monate später waren die Kopien Bestandteil der Sendung "Cash investigation" auf France 2. Dort wurden die Steuerpraktiken für Großkonzerne in Luxemburg an den Pranger gestellt.

Eigenen Angaben zufolge stand Deltour zu keinem Moment mit dem internationalen Konsortium der investigativen Journalisten in Verbindung. Diese Version erzählte Deltour auch am vergangenen Freitag dem Luxemburger Untersuchungsrichter. Das stundenlange Verhör sei in einer "herzlichen Atmosphäre" verlaufen.

Deltour gibt an, aus Überzeugung gehandelt zu haben. Er geht nicht davon aus, dass er für sein Handeln verurteilt wird. Niemals habe er eine Gegenleistung verlangt. Andere Personen oder Nichtregierungs-Organisationen hätten ähnlich gehandelt wie er. Deltour ist überzeugt, dass er kein Einzeltäter ist. Er sei bloß ein Element einer mehr generellen Bewegung.

Bereits bei der ersten LuxLeaks-Welle seien Dokumente aufgetaucht, die aus einer Zeit stammen, in der er bereits nicht mehr bei PwC tätig gewesen wäre. Bei der zweiten Welle seien Schriftstücke im Umlauf gewesen, die bei anderen Beratungsfirmen( Deloitte, KPMG, Ernst&Young) entwendet wurden.

Deltour findet es ungerecht, dass im Zusammenhang mit den Tax Rulings lediglich Luxemburg im Kreuzfeuer der Kritik stehe. Es habe sich um eine "aggressive Steuerplanung" gehandelt, die von mehreren Staaten eingeleitet worden sei. Der Ex-Mitarbeiter von PricewaterhouseCoopers begrüßt es, dass nun in Europa endlich über eine Harmonisierung der Steuergrundlagen diskutiert wird.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Whistleblower Deltour vor Gericht
Zum ersten Mal spricht der Whistleblower Antoine Deltour im LuxLeaks-Prozess. Vor den Richtern beteuert der ehemalige PwC-Mitarbeiter, er habe die brisanten Dokument aus einem spontanen Impuls heraus kopiert. Später habe er dann die Kontrolle darüber verloren.
Bei seiner Aussage im LuxLeaks-Prozess legte Antoine Deltour die Karten auf den Tisch.
Zum ersten Mal hat sich am Freitag mit Raphaël Halet einer der Angeklagten im Luxleaks-Prozess geäußert. Zuvor wurde Guy Heintz, Direktor der luxemburgischen Steuerbehörde, befragt, doch der Informationsgehalt war gering.
26.4. Cite Judiciaire / Luxleaks Prozess / Raphaël Halet  Foto:Guy Jallay
Mit der Anhörung einer Mitarbeiterin der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) hat am Morgen der Prozess gegen die drei Schlüsselfiguren der Luxleaks-Enthüllungen begonnen. Derweil wurde bekannt, dass EU-Kommissarin Vestager nicht als Zeugin auftritt.
Former employee at services firm PwC Antoine Deltour (L) and his lawyer William Bourdon (R) speak at the courthouse in Luxembourg on April 26, 2016, before a trial over the so-called LuxLeaks scandal that exposed the country's huge tax breaks for major international companies, with the issue riding high after the recent Panama Papers revelations.
Two former employees at services firm PwC, Antoine Deltour and Raphael Halet, and journalist Edouard Perrin face charges over the leaking of thousands of documents that exposed the scandal. The LuxLeaks affair erupted in November 2014, exposing deals that saved firms including Apple, IKEA and Pepsi billions of dollars in taxes while European Commission President Jean-Claude Juncker was Luxembourg's prime minister.  / AFP PHOTO / JOHN THYS
Prozess beginnt am Dienstag
Ab Dienstag stehen die beiden Ex-PwC-Mitarbeiter Antoine Deltour und Raphaël Halet sowie der Journalist Edouard Perrin in Luxemburg vor Gericht. Was wird ihnen vorgeworfen? Und welche Konsequenzen wurden aus der Luxleaks-Affäre gezogen? Ein Überblick.
PK  Price Waterhouse Coopers - PWC - Luxleaks - société écran
Nach der Veröffentlichung von geheimen PWC-Dokumenten bezüglich der praktizierten Steuerrulings, hat die Luxemburger Staatsanwaltschaft entschieden den Prozess gegen zwei Ex-PWC-Mitarbeiter einzuleiten.
Conf.Luxleaks. Antoine Deltour.Foto:Gerry Huberty
Das Journalistenkonsortium ICIJ hat eine zweite Welle von Steuerrulings publiziert. Unter anderem geht es dabei um die US-Konzerne Disney und Koch Industries sowie Skype.
Über vier Wochen nach LuxLeaks hat das ICIJ weitere Enthüllungen über Luxemburgs Ruling-Praxis parat.