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Hôpitaux Robert Schuman: "Mobbing auf höchster Ebene"
Politik 2 Min. 12.03.2021 Aus unserem online-Archiv

Hôpitaux Robert Schuman: "Mobbing auf höchster Ebene"

Die HRS geraten immer mehr unter Druck.

Hôpitaux Robert Schuman: "Mobbing auf höchster Ebene"

Die HRS geraten immer mehr unter Druck.
Foto: Chris Karaba
Politik 2 Min. 12.03.2021 Aus unserem online-Archiv

Hôpitaux Robert Schuman: "Mobbing auf höchster Ebene"

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Zu den Missständen wird am Montag das Collège médical offiziell eingeschaltet – alle Vorwürfe des anonymen Briefes werden bestätigt. Die Ärzteschaft will sich wehren.

Die Hôpitaux Robert Schuman (HRS) reagierten am Freitag mit einer Stellungnahme auf Medienberichte über den Brief eines Arztes an das Collège médical. Dort wurden heftige Anschuldigungen an die Führungsriege des HRS laut – von Mobbing und Erpressung, von Kündigungen mit brutalen Methoden war die Rede. Das HRS stellte klar: Bei dem Brief handele es sich um ein anonymes Schreiben. Man werde der Sache ein juristisches Nachspiel geben. 


Lokales, Coronavirus, Covid-19, Hopitaux Robert Schuman, HRS, Foto: Chris Karaba/Luxemburger Wort
Arzt belastet HRS: "Klima der Diffamation und Mobbing"
In einem Brief an das Collège médical werden heftige Vorwürfe gegen Jean-Louis Schiltz und Dr. Georges Baertz erhoben.

Das „Wort“ hatte Teile des Briefes publiziert, ließ sich aber im Vorfeld von verschiedenen Quellen, unter anderem diversen Ärzten des HRS bestätigen, dass der veröffentlichte Inhalt richtig ist. Diese sprechen allgemein von „einer katastrophalen Situation“, von einem „schlechten Klima, einem Klima der Angst und Diffamation“, von „Druck, der auf Ärzte ausgeübt wird“ und von „ganz vielen Kollegen, die gemobbt werden“. 

Klima des Misstrauens

„Seit drei Jahren hat das gesamte Personal Angst, keiner traut dem anderen mehr, weil man fürchtet, dass Aussagen weitergeleitet werden und ein Nachspiel haben”, hieß es unter anderem. Auch die willkürlichen Kündigungen werden als den Tatsachen entsprechend bezeichnet. 

Das Collège médical bestätigte derweil den Erhalt des Briefes. Den Prozeduren entsprechend reagiere man nicht auf anonyme Briefe, warte nun die vom HRS eingeleitete Justiz-Enquete ab und behalte sich das Recht vor, die daraus resultierenden Schritte einzuleiten, heißt es von dort. 

Brief mit fast identischem Inhalt  

Allerdings wird sich die Hohe Körperschaft schon früher mit den Vorgängen im HRS befassen müssen. Denn in besagtem Brief wird auch ein Fall beschrieben, wo einem Arzt aufgrund von Diffamierungen anderer Ärzte auf höchst zweifelhafte Art und Weise gekündigt wurde. 

Auch dieser Vorfall wurde von mehreren Seiten als den Tatsachen entsprechend bestätigt. Er hatte dazu geführt, dass die Ärzteschaft des HRS erstmals offiziell gegen eine Entlassung protestierte

Besagter Arzt, mit dem das „Wort“ am Freitag sprach, geht nicht nur juristisch gegen die Kündigung vor, er wird seinerseits nun Beschwerde beim Collège médical einlegen. Er bezeichnete alle im Brief geschilderten Sachverhalte als korrekt und werde einen fast identischen Brief an das Collège médical richten, der am Montag eintreffen wird. 

Protest gegen Dr. Baertz

Er ist nun der erste von etlichen willkürlich gekündigten Ärzten, der nicht umkippt, sondern um seine Stelle kämpft. Derweil braut sich weiterer Protest zusammen, denn am Montag soll offensichtlich der Verwaltungsrat zusammentreten und über die Nachfolge von Dr. Claude Schummer als Generaldirektor entscheiden.


Der Verwaltungsratspräsident der Hôpitaux Robert Schuman, Jean-Louis Schiltz, am Donnerstag bei der Pressekonferenz.
Impfaktion im HRS: Schiltz opfert Schummer
Nach "Wort"-Informationen soll Generaldirektor Claude Schummer als Sündenbock herhalten, dass sich drei Verwaltungsratsmitglieder der Hopitaux Robert Schuman vorzeitig impfen ließen.

Der bisherige medizinische Direktor Dr. Gregor Baertz, der als Nachfolger gehandelt wird, „ist der letzte Kandidat, den wir uns wünschen“, wie sich einer der Mediziner ausdrückte. Dr. Baertz wird als „diktatorisch“ bezeichnet. Er wende demnach zweifelhafte Methoden an, um Ärzte hinauszuekeln. So unterstelle er gerne einen fachlichen Fehler und drohe mit strafrechtlicher Verfolgung, wenn man nicht freiwillig gehe. 

Ob die Ärzteschaft eine Petition einreicht oder einen Protestbrief formuliert, ist noch nicht klar. Das Problem ist, dass der ärztliche Rat (Conseil médical) mit linientreuen Medizinern besetzt ist, die ein offizielles Schreiben über die Missstände ablehnen. Einen Protestbrief zu unterschreiben, trauen sich viele Ärzte nicht, aus Angst, dass es zu Repressalien kommt. 

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