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Frühwarnsystem: "Da liegt vieles im Argen"
Politik 2 Min. 22.07.2021
Hochwasserkatastrophe

Frühwarnsystem: "Da liegt vieles im Argen"

Viele Autos sind der Flut zum Opfer gefallen. Zum Glück hat Luxemburg keine Toten zu beklagen.
Hochwasserkatastrophe

Frühwarnsystem: "Da liegt vieles im Argen"

Viele Autos sind der Flut zum Opfer gefallen. Zum Glück hat Luxemburg keine Toten zu beklagen.
Foto: Gerry Huberty
Politik 2 Min. 22.07.2021
Hochwasserkatastrophe

Frühwarnsystem: "Da liegt vieles im Argen"

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Die Mitglieder der Intérieur-Kommission setzen sich auf Anfrage des ADR mit den Folgen der Hochwasserkatastrophe auseinander.

Wurde die Bevölkerung rechtzeitig vor dem Hochwasser gewarnt? Wie hoch sind die Unkosten? Wird den Betroffenen unbürokratisch geholfen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich am Donnerstag die Mitglieder der Intérieur-Kommission in Anwesenheit von Innenministerin Taina Bofferding (LSAP)


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Der Ablauf der Einsatzkräfte nach der Katastrophe hat nach Ansicht des CSV-Abgeordneten Gilles Roth gut geklappt. „Was aber nicht geklappt hat, war das Frühwarnsystem. Dabei wusste Umweltministerin Carole Dieschbourg schon am 13. Juli von der Überflutungsgefahr“, erklärt der Co-Fraktionschef der CSV.

 „Umweltministerin war informiert“ 

Roth beruft sich auf Aussagen der Umweltministerin am Montag bei einer Pressekonferenz, bei der sie sagte, bereits am Dienstag informiert gewesen zu sein. Trotzdem seien die Gemeinden erst am Mittwoch um 15 Uhr in Alarmbereitschaft versetzt worden. 

Dass die Gemeinden nicht früher gewarnt wurden, ist für die CSV inakzeptabel. Die Oppositionspartei will die Umweltministerin für September in eine Kommissionssitzung einberufen und eine Interpellation zum Thema „Zivilschutz im Rahmen von Katastrophen“ beantragen

Für Gilles Roth besteht kein Zweifel, dass viel Schaden hätte verhindert werden können, wenn die Regierung die Gemeinden, die Betriebe und die Bürger frühzeitig gewarnt hätte. 

Die Kommissionssitzung wurde von der ADR beantragt. Deren Vertreter Jeff Engelen bemängelte ebenfalls in erster Linie das Frühwarnsystem. „Da liegt vieles im Argen“, meinte er. „Manche Bürgermeister sagten, sie hätten am Mittwoch um 14 oder 15 Uhr die erste Meldung bekommen und die nächste erst wieder um 23.30 Uhr“, berichtete er. Doch auch das Warnsystem, mit dem die Bürger informiert werden, sei verbesserungswürdig. 


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Dan Biancalana (LSAP) sprach sich für eine Überprüfung der verschiedenen Warnsysteme aus und meinte, es sei noch zu früh, den genauen Kostenpunkt abzuschätzen. Die Regierung aber habe allen Betroffenen schnelle und unbürokratische Hilfe zugesichert, so der Düdelinger Député-maire. 

Schwierig, Prognosen zu treffen 

Marc Hansen (Déi Gréng) sah das Problem mit dem Frühwarnsystem etwas nuancierter. „Selbst wenn man einige Tage im Vorfeld Informationen hat, weiß man nicht, wo genau die extremen Phänomene auftauchen und wie groß die Probleme werden.“ 

Selbst am Mittwochnachmittag sei unklar gewesen, welche Regionen besonders betroffen sein würden. „Die Modelle, die vorlagen, ließen keinen Schluss zu, wo genau die Niederschläge Hochwasser provozieren würden.“ 

Warnsystem optimieren 

Gemeinden, die Erfahrung mit Hochwasser haben, seien reaktiver gewesen als Gemeinden, die das Problem nicht kennen, so Hansen. Mit Blick auf künftige Hochwassermeldungen seien die Gemeinden jetzt gefordert, ihre Prozeduren anzupassen. 


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Man sei im Übrigen zu dem Schluss gekommen, dass „GouvAlert“ nicht das ideale Warnsystem sei, weil es nur nationale Informationen weiterleiten kann. Man brauche ein digitales Warnsystem, das gezielt geografisch informiert. 

Der Einsatz von Sirenen sei vorstellbar, um Menschen ganz allgemein auf eine Gefahr hinzuweisen. Informieren könnten sie sich anschließend über die üblichen Kanäle wie Handy oder Radio.

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