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Historisches Abkommen mit der Jüdischen Gemeinschaft
Politik 2 Min. 28.01.2021

Historisches Abkommen mit der Jüdischen Gemeinschaft

Premierminister Xavier Bettel und François Moyse, Präsident der Fondation luxembourgeoise pour la mémoire de la Shoah, vor der Unterzeichnung des Abkommens.

Historisches Abkommen mit der Jüdischen Gemeinschaft

Premierminister Xavier Bettel und François Moyse, Präsident der Fondation luxembourgeoise pour la mémoire de la Shoah, vor der Unterzeichnung des Abkommens.
Foto: SIP / Julien Warnand
Politik 2 Min. 28.01.2021

Historisches Abkommen mit der Jüdischen Gemeinschaft

Die Regierung und die jüdische Glaubensgemeinschaft haben sich auf Entschädigungszahlungen für die Gräuel während der Nazi-Zeit geeinigt. Doch das Abkommen dient auch noch einem anderen Zweck.

(DS/jt) - Nach jahrelangen Verhandlungen konnten die Vertreter der Regierung und der jüdischen Gemeinschaft am Mittwoch, am Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, ein Abkommen unterzeichnen, das die noch offenen Fragen im Zusammenhang mit der zwangsweisen Enteignung der Juden durch die Nazis während der Besatzungszeit regelt. 


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Rund 300 Männer und Frauen waren zwischen 1941 und 1943 in dem "Jüdischen Altersheim" in Fünfbrunnen untergebracht. Nur die wenigsten Insassen überlebten den Krieg.

Premier Xavier Bettel und der Vorsitzende der Fondation luxembourgeoise pour la mémoire de la Shoah, François Moyse, hoben die historische Bedeutung des Abkommens hervor. Die Vereinbarung sieht unter anderem eine Zahlung von einer Million Euro an die Überlebenden des Massenmords unter dem  nationalsozialistischen Regime vor. Zudem erhält die Stiftung zur Erinnerung an die Shoah künftig pro Jahr eine staatliche Förderung in Höhe von 120.000 Euro, dies für eine Dauer von 30 Jahren. Der Staat hat zudem das Kloster Fünfbrunnen in Ulflingen gekauft, um dort ein Bildungs- und Gedenkzentrum einzurichten. Zwei Millionen Euro sollen in wissenschaftliche Forschung investiert werden.

Verstärkter Kampf gegen Antisemitismus

Die jüdische Glaubensgemeinschaft und die Regierung haben sich zudem auf die Ausarbeitung einer nationalen Strategie zur Bekämpfung des Antisemitismus geeinigt. Das Abkommen sieht vor, dass die Restitutionsarbeit in Zusammenhang mit ruhenden Bank- und Versicherungskonten von Holocaust-Opfern in Luxemburg fortgesetzt wird. Eine weitere Arbeitsgruppe kümmert sich um die Identifizierung von möglicher NS-Raubkunst.

Wir können nicht so tun, als wäre nichts geschehen. Nur Entschuldigung zu sagen, wäre zu einfach.

Xavier Bettel über das Abkommen mit der jüdischen Glaubensgemeinschaft

Die Einigung über das historische Shoah-Abkommen in Luxemburg stieß auch in Israel auf das Interesse der Medien. Der öffentlich-rechtliche Fernsehsender KAN 11 brachte am Mittwochabend einen knapp zwölfminütigen Bericht über das historische Abkommen, das jüdische Leben sowie die NS-Vergangenheit im Großherzogtum.


Journée de la commémoration nationale - Dépôt de fleurs devant le monument du Souvenir (Gëlle Fra), Foto Lex Kleren
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In dem Beitrag kommen neben François Moyse auch die Ende 1940 aus Luxemburg geflüchtete Jüdin Rachel Wolf, der Escher Rabbiner Alexander Grodensky sowie Premierminister Bettel zu Wort. „Wir können nicht so tun, als wäre nichts geschehen. Nur Entschuldigung zu sagen, wäre zu einfach“, sagte Bettel zu KAN 11. Ein Drittel der jüdischen Gemeinschaft in Luxemburg sei während der NS-Besatzung deportiert und ermordet worden. Es gehe aber nicht nur um Wiedergutmachung für die Vergangenheit, sondern auch um die Zukunft. Das Abkommen und die staatlichen Gelder sollen dabei helfen, Rassismus und Antisemitismus zu bekämpfen. 

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