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"Hin zu den Vereinigten Staaten von Europa!"
Politik 2 Min. 01.12.2014 Aus unserem online-Archiv
Viviane Reding hält "Churchill-Rede"

"Hin zu den Vereinigten Staaten von Europa!"

Viviane Reding macht sich für das Ziel einer starken, politisch geeinten Europäischen Union stark.
Viviane Reding hält "Churchill-Rede"

"Hin zu den Vereinigten Staaten von Europa!"

Viviane Reding macht sich für das Ziel einer starken, politisch geeinten Europäischen Union stark.
Foto: Marc Wilwert
Politik 2 Min. 01.12.2014 Aus unserem online-Archiv
Viviane Reding hält "Churchill-Rede"

"Hin zu den Vereinigten Staaten von Europa!"

In einer Rede an der Universität Zürich fordert Viviane Reding die Realisierung der "Finalität" der Europäischen Union. Dies sei in letzter Konsequenz nur durch mehr politische Einigung hin zu einem System der "Vereinigten Staaten von Europa" denkbar.

(CBu) - Viviane Reding hat am Montag in Zürich eine Grundsatzrede zur Zukunft der Europäischen Union gehalten. Die ehemalige Vizepräsidentin der Europäischen Kommission und luxemburgische Europa-Abgeordnete sprach an der Universität Zürich in dem Hörsaal, in dem Winston Churchill seine berühmte Rede mit den Worten "Therefore I say to you let Europe arise" gehalten hat. Reding forderte die föderale Weiterentwicklung der EU. Dies sei ein "Imperativ, wenn Europa fit für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts sein will, um in einer globalisierten Welt seine Position durchsetzen zu können".

Das Ziel der europäischen Integration müsse sein: "Hin zu den Vereinigten Staaten von Europa!" Die Debatte um die "Finalität" der europäischen Integration steht immer wieder im Mittelpunkt europäischer Debatten. So hatte etwa der damalige Außenminister Deutschlands, Joschka Fischer, in seiner viel beachteten Rede an der Humboldt Universität in Berlin bereits die "Vereinigten Staaten von Europa" gefordert.

Für Zwei-Kammer-System und europäischen Finanzminister

In ihrer Rede geht Reding allerdings weiter als viele andere, die bisher eine weitere Integration forderten. Mit Bezug auf Vordenker des europäischen Gedankens wie Robert Schuman fordert die Luxemburgerin ein politisches System, das auf einer wahrhaft "europäischen Demokratie" fußt. Reding präzisiert: "Mit einem 2-Kammern-System, mit einem direkt gewählten Kommissionspräsidenten, mit einem europäischen Finanzminister. Darauf arbeiten wir hin."

Die Gewichte in der Welt hätten sich in den vergangenen Jahren verschoben, erklärt Reding. "Wir Europäer merken seit langem, dass wir riskieren, an Einfluss zu verlieren. Wirtschaftlich und politisch haben andere Weltregionen und Länder die Aufholjagd begonnen." Dies sei der eigentliche Grund, warum man laut Reding mehr politische Einigung wagen müsse. Sie plädiere für ein "starkes Europa", ein Europa, "das eine Weltmacht ist und dieser Rolle gerecht wird".

"Starkes Europa" durch stärkere politische Integration

Sie wolle ein Europa, "in dem die nächsten Generationen noch selbst entscheiden können wie sie leben, wie sie denken und wie sie handeln wollen". Dazu bedürfe es aber einer politischen Struktur, die Selbstbestimmung ermöglicht. "Ich werde als Politikerin demnach alles daran setzen, um der nächsten Generation die Basis für die Vereinigten Staaten von Europa zu übergeben."

Mit ihrer "Churchill-Rede" reiht sich die Luxemburgerin in eine Liste bedeutender Politiker und Fürsprecher eines geeinten Europas ein, darunter Mario Monti, Romano Prodi, Henry Kissinger, Valéry Giscard d'Estaing, Helmut Kohl und Wolfgang Schäuble.


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