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Hilfsmaßnahmen "made in Luxemburg"
Politik 21.09.2015 Aus unserem online-Archiv
Bauern in Bedrängnis

Hilfsmaßnahmen "made in Luxemburg"

Der Preisverfall bereitet besonders den Milchbauern und Fleischproduzenten sorgen.
Bauern in Bedrängnis

Hilfsmaßnahmen "made in Luxemburg"

Der Preisverfall bereitet besonders den Milchbauern und Fleischproduzenten sorgen.
AFP
Politik 21.09.2015 Aus unserem online-Archiv
Bauern in Bedrängnis

Hilfsmaßnahmen "made in Luxemburg"

Das Notprogramm der EU mit 670.000 Euro für die Luxemburger Milcherzeuger und Fleischproduzenten reicht bei Weitem nicht aus. Landwirtschaftsminister Fernand Etgen stellt zusätzliche nationale Maßnahmen in Aussicht.

(BB) -  Die Luxemburger Landwirte werden 670 000 Euro aus dem europäischen Topf erhalten, um dem Preisverfall ihrer Produkte und Liquiditätsproblemen entgegenzuwirken. Die Finanzspritze will Luxemburg zwischen den jeweiligen Viehbetrieben gleichmäßig aufteilen. Doch die Hilfsgelder aus Brüssel gelten als Tropfen auf den heißen Stein.

Dass das Geld nicht ausreichen wird, zeigt eine einfache Division: Bei rund 700 Milchbauern, mehr als 800 Züchtern von Rindfleisch und etwa 50 Herstellern von Schweinefleisch würde jeder Betrieb knappe 400 Euro erhalten.

"Wir haben den Hilferuf der Betriebe gehört und wollen dem voll Rechnung tragen. Die Bauern stehen mit dem Rücken zur Wand, ich kann ihre Aufregung verstehen", erklärte der Agrarminister Fernand Etgen nach einer Unterredung mit den Berufsorganisationen. Vorgesehen sei demnach, den Bauern mit zusätzlichen nationalen Maßnahmen unter die Arme zu greifen.

Geringere Sozialkosten und weitere Beihilfen

Neben den EU-Hilfsgeldern und der Möglichkeit, Prämien frühzeitig auszuzahlen, stellt der Minister eine staatliche Unterstützung bei den Sozialbeiträgen in Aussicht. Der Staat werde eingreifen, um die Sozialkosten abzufedern und somit Umsatzeinbußen der Landwirte zu kompensieren. Wie viel Geld die öffentliche Hand beisteuern wird, soll u. a. für die Milcherzeuger von der Entwicklung der Milchpreise abhängen. Zurzeit kämpfen die Hersteller mit dem sehr niedrigen Milchpreis von 27 Cent für ein Kilo Milch.

Weiter sollen zusätzliche Beihilfen die Ertragsverluste durch Trockenheitsschäden auffangen. Auch hier ist noch nicht gewusst, welche Summe der Staat aufbringt. Das wolle man berechnen, wenn alle Ernten eingefahren sind, so der Minister.

Mittelfristig sollen Änderungen bei der Steuerlast für Abhilfe sorgen. Die Abgaben könnten über einen längeren Zeitraum berechnet werden, so dass das steuerpflichtige Einkommen anders aufgeteilt wird.

Nationale Produkte bevorzugt

Um die Nachfrage anzukurbeln und den Bauern neue Einnahmen zu verschaffen, will die Regierung ferner die Vermarktung nationaler Produkte stärken. Öffentliche Einrichtungen, Spitäler und Schulen sollen zunehmend angehalten werden, mehr Nahrungsmittel aus Luxemburg auf ihren Speisekarten vorzusehen.

Nach dem Austausch mit dem Minister zeigten sich die Vertreter der Bauern allerdings unzufrieden. Sie hätten sich angesichts der finanziellen Engpässe und schwierigen Marktsituation mehr erwartet.


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