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Hilferuf aus dem Gesundheitssektor
Politik 2 Min. 27.06.2018 Aus unserem online-Archiv

Hilferuf aus dem Gesundheitssektor

Wegen Personalmangels können Simulationsprojekte, bei den Übungssituationen gefilmt und analysiert werden, nicht konsequent durchgeführt werden, bemängelt die Aleps.

Hilferuf aus dem Gesundheitssektor

Wegen Personalmangels können Simulationsprojekte, bei den Übungssituationen gefilmt und analysiert werden, nicht konsequent durchgeführt werden, bemängelt die Aleps.
Foto: Gerry Huberty
Politik 2 Min. 27.06.2018 Aus unserem online-Archiv

Hilferuf aus dem Gesundheitssektor

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Nur mehr zehn Prozent der Krankenpfleger, die in Luxemburg arbeiten, wurden auch hier ausgebildet. Die Ausbildung ist nicht attraktiv, es fehlt an Ausbildern und an Infrastrukturen, heißt es aus dem Ausbildungssektor.

"Das Problem ist, dass wir von mehreren Ministerien abhängig sind und die einen die Verantwortung auf die anderen schieben", sagte am Mittwoch Gilles Evrard, Präsident der "Association luxembourgeoise des enseignants pour professions de santé" (Aleps). Er wirft der Politik vor, die Ausbildungen im Gesundheitsbereich seit Jahren sträflich zu vernachlässigen. Den Ausbildungen drohe der Kollaps, so Evrard.

Problem Infrastruktur

Seit über zehn Jahren warten die Lehrer des Lycée technique pour professions de santé (LTPS) auf einen Neubau in der Hauptstadt. Zunächst sollte die Schule im Hauptbahnhofsviertel gebaut werden. Das wurde dann verworfen. 2017 wurde ein Gesetzprojekt verabschiedet, das einen Neubau auf dem Gelände des Centre de logopédie in Strassen vorsah. Doch daraus wurde bislang nichts, weil dort Flüchtlinge untergebracht sind.

In seiner Antwort auf eine parlamentarische Anfrage erklärte Infrastrukturminister François Bausch Anfang Mai 2018, dass das neue LTPS-Gebäude frühestens 2022 in Betrieb gehen könnte. In seinem Gutachten zum Gesetzprojekt mahnte sogar der Staatsrat dazu, zügig mit dem Bau einer modernen Infrastruktur zu beginnen, damit die Ausbildungen im Gesundheitsbereich an Attraktivität gewinnen. 


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Problem Attraktivität

Fehlende Attraktivität ist ein weiteres Problem, auf das die Aleps am Mittwoch hinwies. Das hat mit den veralteten Strukturen und mit dem Umstand zu tun, dass die Ausbildungen auf vier Standorte im Land verteilt sind.

Es hat aber auch mit der Tatsache zu tun, dass die Ausbildung zum Krankenpfleger in Luxemburg ein BTS-Studium ist, während sie in den meisten umliegenden Ländern zu einem Bachelor führt. Das führt dazu, dass viele Schüler zur Ausbildung ins Ausland abwandern. "Zwischen 2013 und 2017 wurden nur zehn Prozent der Krankenpflegerdiplome in Luxemburg ausgestellt", erklärte Evrard. Um die Nachfrage an Krankenpflegern im Kranken- und Pflegesektor zu decken, müssten viel mehr junge Menschen in der Krankenpflege und anderen Gesundheitsberufen ausgebildet werden, mahnte der Vorsitzende der Aleps.

Problem Lehrermangel 

Darüber hinaus warnt die Vereinigung vor einer weiteren Verschärfung des Lehrermangels durch die Rentenabgänge in den kommenden Jahren. In verschiedenen Ausbildungen gebe es nur einen einzigen Ausbilder. Wenn sie in Rente gehen, können die Ausbildungen nicht mehr angeboten werden, warnte die Aleps. Derzeit bilden insgesamt 90 Lehrer 1.406 Schüler aus. Vor sieben Jahren waren es 91 Lehrer für 1.064 Schüler.

Problem Ausbildungsplätze

Ein weiteres Problem sind fehlende Praktikumsplätze für Luxemburger Schüler. Die Praktikumsplätze in den Strukturen seien begrenzt, in den Häusern fehle es an Personal, um die jungen Menschen praktisch auszubilden, so Gilles Evrard. Hier stünden die Luxemburger Auszubildenden mit Auszubildenden aus dem Ausland in Konkurrenz.   


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Die Forderungen

Die Aleps fordert für Luxemburg eine Bachelor-Ausbildung in der Krankenpflege. Das verhelfe der Ausbildung zu mehr Attraktivität und dem Beruf zu größerer gesellschaftlicher Anerkennung. Zudem müsse dafür gesorgt werden, dass mehr Fachkräfte in die Schülerausbildung gehen.

Die Vereinigung der Lehrer im Gesundheitsbereich fordert darüber hinaus den zügigen Bau der geplanten Infrastruktur und eine Sensibilisierungs- und Informationskampagne, um mehr junge Menschen dazu zu bewegen, sich in einem Gesundheitsberuf ausbilden zu lassen.




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