Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Hilfe in der Not
Wenn die Anzeichen rechtzeitig erkannt werden, kann verhindert werden, dass Neugeborene oder Kleinkinder vernachlässigt oder misshandelt werden.

Hilfe in der Not

Foto: Shutterstock
Wenn die Anzeichen rechtzeitig erkannt werden, kann verhindert werden, dass Neugeborene oder Kleinkinder vernachlässigt oder misshandelt werden.
Politik 2 Min. 19.09.2018

Hilfe in der Not

Danielle SCHUMACHER
Danielle SCHUMACHER
2017 mussten die Alupse und die vier großen Krankenhäuser in 313 Fällen eingreifen, um zu verhindern, dass Neugeborene misshandelt und vernachlässigt wurden. Das geht aus dem Jahresbericht der Association luxembourgeoise de pédiatrie sociale hervor.

Seit zwei Jahren arbeitet die Association luxembourgeoise de pédiatrie social, Alupse, im Bereich der Sozialpädiatrie eng mit den Geburtsstationen der vier großen Krankenhäusern und dem nationalen Staatslabor zusammen, um zu verhindern, dass Neugeborene vernachlässigt oder gar misshandelt werden. Die Konvention vom Juli 2016 ermöglicht eine bessere Abstimmung zwischen den einzelnen Dienststellen. Ziel ist es, Risikofälle möglichst früh zu erkennen, um rechtzeitig eingreifen zu können. 

Die Zusammenarbeit trägt Früchte. "2017 mussten wir in 313 Fällen aktiv werden, weil es deutliche Hinweise gab, dass die Neugeborenen Schaden nehmen könnten", so  Roland Seligmann, Präsident des Verwaltungsrats der Alupse. Durch die schnelle Hilfe konnte zwar das Schlimmste verhindert werden, doch für den Kinderarzt ist es eine erschreckend hohe Zahl. Bei etwa 6.000 Geburten jährlich in Luxemburg machen die Risikofälle immerhin fünf Prozent aus. Obwohl die Alupse oft auf den Plan treten musste, gibt es eine gute Nachricht: 2017 war seit langem das erste Jahr, in dem kein Schütteltrauma bei einen Kind diagnostiziert wurde.

Dr. Roland Seligmann ist Kinderarzt und Vorsitzender des Verwaltungsrats der Alupse.
Dr. Roland Seligmann ist Kinderarzt und Vorsitzender des Verwaltungsrats der Alupse.
Foto: Serge Waldbillig

In den meisten Fällen sind die Eltern schlicht überfordert, sie kommen mit der Situation einfach nicht klar. Oft sind die Probleme auch krankheitsbedingt, etwa wenn die Mutter unter Depressionen leidet. In anderen Fällen wiederum sind Drogen oder Alkohol im Spiel. All diese Ursachen können dazu führen, dass die Eltern sich nicht richtig um ihr Kind kümmern können, oder dass sie es misshandeln.

Wenn die  Ärzte oder die Pflegekräfte in den Krankenhäusern solche Anzeichen erkennen und befürchten, dass das Baby in Gefahr sein könnte, können sie sich an die Alupse wenden, die seit 1984 im Bereich der Sozialpädiatrie tätig ist. Zusammen wird dann nach einer Lösung gesucht, um dem Neugeborenen, aber auch den Eltern zu helfen. Angeboten werden beispielsweise verschiedene Therapien, die speziell auf die Betroffenen abgestimmt sind. Wie Seligmann betont, müssen die Eltern allerdings zustimmen - tun sie dies nicht, sind der Alupse die Hände gebunden.

Gesundheitsministerin Lydia Mutsch (LSAP), deren Ministerium das Projekt unterstützt, zeigte sich am Mittwoch vor der Presse zufrieden, dass über den Weg der Konventionen mit dem Centre hospitalier de Luxembourg (CHL), dem Centre hospitalier Emile Mayrisch (CHEM), dem Centre hospitalier du Nord (CHDN), den Hôpitaux Robert Schuman (HRS) und dem Laboratoire national de santé (LNS) die Hilfeleistungen der Alupse nun im ganzen Land abrufbar sind.

Ein weiterer Erfolg der Zusammenarbeit ist die Schaffung eines Netzwerkes, in das neben der Alupse und den Geburtskliniken auch die Polizei, die Staatsanwaltschaft und verschiedene Hilfsorganisationen wie etwa das Rote Kreuz eingebunden sind.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema