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Heulen und Zähneklappern
Politik 21.05.2015 Aus unserem online-Archiv
Kommentar zu den Steuerplänen der Regierung

Heulen und Zähneklappern

Wenn die Reform umgesetzt wird, braucht niemand mehr aus steuerlichen Gründen zu heiraten.
Kommentar zu den Steuerplänen der Regierung

Heulen und Zähneklappern

Wenn die Reform umgesetzt wird, braucht niemand mehr aus steuerlichen Gründen zu heiraten.
Foto: Shutterstock
Politik 21.05.2015 Aus unserem online-Archiv
Kommentar zu den Steuerplänen der Regierung

Heulen und Zähneklappern

Aus ihrer Abneigung gegen klassische Familienrollen macht die blau-rot-grüne Regierung keinen Hehl. Bestimmte Bevölkerungsgruppen werden bei der Steuerreform große Augen machen. Ein Kommentar.

Von Volker Bingenheimer

Aus ihrer Abneigung gegen klassische Familienrollen macht die blau-rot-grüne Regierung keinen Hehl. Nun will sie Steuerprivilegien für Ehepaare abschaffen. Bestimmte Bevölkerungsgruppen werden da große Augen machen.

Ehe und Familie stehen unter staatlichem Schutz – so lautete der Leitzsatz für das luxemburgische Steuersystem Mitte des 20. Jahrhunderts. Damals war es üblich, dass der Mann das Geld verdiente und die Frau den Haushalt besorgte und – wenn vorhanden – die Kinder erzog.

Auch heute noch entlastet die gemeinsame Veranlagung („Splittingverfahren“) die Ehepaare. Besonders stark wirkt sich die Entlastung aus, wenn ein Ehepartner wenig verdient oder gar nicht arbeitet. Die Nachbarländer Deutschland und Frankreich berechnen die Steuer ebenfalls im Splittingverfahren, während Belgien jeden Ehepartner individuell besteuert.

Wenn die blau-rot-grüne Koalition wirklich in ihrer „großen Steuerreform“ die Steuerprivilegien für Ehepaare abschafft, braucht kein Paar mehr aus finanziellen Gründen zu heiraten. Ob Single, unverheiratetes Paar oder Eheleute – sie alle werden nur nach ihren persönlichen Einkünften besteuert. Ist das wirklich gerecht? Es gibt auch gute Argumente für das Splittingverfahren. Ehe und Familie sind Solidargemeinschaften, bei denen mehrere Personen von dem Geld leben, was der Hauptverdiener nach Hause bringt.

Auf jeden Fall steckt in dem Vorhaben, das Splitting abzuschaffen, eine Menge Sprengstoff. Wenn es soweit ist, geht im ganzen Land das Heulen und Zähneklappern los. Besonders hart werden Familien und kinderlose Paare getroffen, bei denen ein Partner sich gegen die Berufstätigkeit entschieden hat. Zwar ist die klassische Ehe mit einem Hauptverdiener wegen der hohen Kosten für Wohnraum und Lebenshaltung in Luxemburg ein Auslaufmodell, doch die Politik darf auch solche Paare nicht im Stich lassen.


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