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Henri Juda antwortet Lex Roth: "Ech bedaueren de Lex Roth..."
Politik 13.03.2015

Henri Juda antwortet Lex Roth: "Ech bedaueren de Lex Roth..."

Lex Roth's Brief an die Redaktion sorgt für kritische Reaktionen.

Henri Juda antwortet Lex Roth: "Ech bedaueren de Lex Roth..."

Lex Roth's Brief an die Redaktion sorgt für kritische Reaktionen.
Guy Wolff
Politik 13.03.2015

Henri Juda antwortet Lex Roth: "Ech bedaueren de Lex Roth..."

Der Leserbrief des früheren Regierungsrates und Sprachkundlers Lex Roth zum Artuso-Bericht sorgt weiter für Gesprächsstoff. Henri Juda, Präsident von MemoShoah, welche an die Verbrechen an den Juden erinnert, wirft Roth Polemik vor.

(jag) - Die Diskussionen um den Artuso-Bericht und die luxemburgische Haltung zu antisemitischen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg reißen nicht ab. Nach dem Historiker Denis Scuto meldet sich nun auch der Präsident von MemoShoah, Henri Juda, zu Wort. Die Vereinigung hat sich zum Ziel gesetzt, die Erinnerung an die Verbrechen an Juden wach zu halten und diese zu dokumentieren.

In seinem Brief wundert sich Henri Juda darüber, dass Lex Roth den Artuso-Bericht zu bedauern scheint. Sein Brief im "Luxemburger Wort" habe ihn regelrecht vom Stuhl gehauen, so Juda. Dieser erinnert an die 300 Juden, die vom Kloster Fünfbrunnen bei Clerf aus in die Vernichtungslager deportiert wurden. Auch die 1500 Luxemburger, die sich freiwillig zur Wehrmacht meldeten, seien wohl kein Beweis für korrektes Verhalten.

Im Artuso-Bericht werde an keiner Stelle behauptet, dass die Luxemburger ein Volk von Judenhassern gewesen seien, so Juda. Roth bräuchte die Luxemburger also nicht vor Vorwürfen zu schützen, welche nie erhoben wurden. Auch der Wunsch einer Entschuldigung seitens der Regierung sei weder vom jüdischen Konsistorium, noch von einem jüdischen Bürger ausgegangen. Vielmehr habe der Historiker Serge Hoffmann diese Frage in einem Brief an den damaligen Regierungschef Juncker zum ersten Mal aufgeworfen.

"Här Roth, mat dëser Polemik probéiert Dir, bewosst oder onbewosst, der Regierung oder dem Parlament eng Zwëckmillchen ze bauen.


Henri Juda


Überhaupt nicht verstehen kann Henri Juda Roths Versuch, das Leiden der luxemburgischen Märtyrer, Widerständler und Zwangsrekrutierten dem gegenüber zu stellen, was die jüdischen Mitbürger erlitten. Fast könne man meinen, dass Roth die Juden in alter Tradition überhaupt nicht zu den Luxemburgern zählen würde, so Juda.

Mit seiner Polemik versuche Roth, bewusst oder unbewusst, Regierung und Parlament in die Ecke zu treiben, nach dem Motto: Bin ich für das Aufarbeiten der Judenverfolgung in Luxemburg, dann bin ich gegen unser Land, gegen unser Volk.

Im PDF-Anhang finden Sie das komplette Schreiben.




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