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Helfen Jodtabletten auch bei einem Nuklearangriff?
Politik 2 Min. 03.03.2022 Aus unserem online-Archiv
Bei der Santé nachgefragt

Helfen Jodtabletten auch bei einem Nuklearangriff?

Jodpillen sind eine erste Maßnahme im Falle eines Reaktorunfalls. Sie sollen die Anwohner vor den Auswirkungen der Strahlung schützen.
Bei der Santé nachgefragt

Helfen Jodtabletten auch bei einem Nuklearangriff?

Jodpillen sind eine erste Maßnahme im Falle eines Reaktorunfalls. Sie sollen die Anwohner vor den Auswirkungen der Strahlung schützen.
Symbolfoto: Shutterstock
Politik 2 Min. 03.03.2022 Aus unserem online-Archiv
Bei der Santé nachgefragt

Helfen Jodtabletten auch bei einem Nuklearangriff?

Können Jodpillen ablaufen, wird der Staat neue Tabletten kostenlos verteilen und hilft Jod auch bei einem Nuklearangriff? Wir haben nachgefragt.

(jwi) - Die gute Nachricht vorweg: Jodtabletten oder Kaliumiodidtabletten haben kein festgelegtes Ablaufdatum. Die Pillen bestehen aus einem Salz, das extrem lange haltbar ist. Zudem würde das Nationale Gesundheitslabor (LNS) die ältesten Jodtabletten regelmäßig auf ihre Wirksamkeit testen, antwortet die nationale Gesundheitsbehörde auf LW-Nachfrage.  

Denn für den Fall eines Nuklearzwischenfalles in Cattenom verteilte die Regierung ab 2014 Jodtabletten an die Bevölkerung. Somit seien diese noch nutzbar: „Sollte die LNS feststellen, dass die Wirksamkeit abnimmt, wird man diese Pillen ersetzten.“ Eine neue Jodpillenkampagne sei laut Santé derzeit nicht geplant. Allerdings würde man die Reserven, zum Beispiel in den Schulen, immer wieder frisch auffüllen. Auch Neugeborene würden weiterhin Jod bekommen.  

Nachfrage nach Jodtabletten zugenommen

Nach der Ankündigung des Kremlchefs Putin am vergangenen Sonntag, die russischen Abschreckungswaffen in erhöhte Alarmbereitschaft zu versetzen, stieg die Nachfrage in den Apotheken und Gemeinden nach Jodtabletten wieder stark an. Demzufolge warnte die Santé am Mittwoch vor einer falschen Nutzung der Pillen. Denn ausschließlich im Falle eines Unfalls in einem Kernkraftwerk und auf Anweisung der Behörden seien diese einzunehmen. 

Die Wirksamkeit der Jodtabletten bei einem – hoffentlich niemals eintretenden – Angriff mit nuklearen Waffen sei indes gering. Es gebe nämlich fundamentale Unterschiede bei der Art der radioaktiven Strahlung, erklären die Experten der Santé weiter.


A picture shows damages in a building entrance after the shelling by Russian forces of Constitution Square in Kharkiv, Ukraine's second-biggest city, on March 2, 2022. - On the seventh day of fighting in Ukraine on March 2, Russia claims control of the southern port city of Kherson, street battles rage in Ukraine's second-biggest city Kharkiv, and Kyiv braces for a feared Russian assault. (Photo by Sergey BOBOK / AFP)
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Im Fall eines Nuklearzwischenfalles in einem Atomkraftwerk sei es so, dass bei einer Strahlung größtenteils radioaktive Jodatome freigesetzt werden. Werden diese Atome eingeatmet oder über Lebensmittel eingenommen, reichern sie sich in der Schilddrüse an und können degenerative Krankheiten wie Krebs auslösen. In diesem Fall seien die Jodtabletten die einzig wirksame Vorbeugemaßnahme. Sie verhindern, dass der Körper das radioaktive Jod aufnimmt.

Es ist so, als würde man mit einem Cocktailschirmchen im Regen stehen.

Santé

Anders sieht es bei einer nuklearen Waffe aus. Dort würde die freigesetzte Strahlung aus extrem kurzlebigen Radionukliden – instabile Atomsorten, deren Kerne radioaktiv zerfallen – bestehen. Die Strahlung bei einer Nuklearwaffe ist laut Santé also ein Mix aus ganz unterschiedlichen Atomarten (Radioisotopen), wobei hier das radioaktive Jod nur einen geringen Bruchteil ausmacht. Zudem sei die gesamte Strahlenbelastung noch höher, als bei einem nuklearen Reaktorunfall. „Eine Jodtablette schützt also in diesem Fall nur minimal, um nicht zu sagen, überhaupt nicht“, so die Experten. „Es ist so, als würde man mit einem Cocktailschirmchen im Regen stehen.

Zudem weist der Apothekerverband (Syndicat des Pharmaciens Luxembourgeois) am Donnerstag darauf hin, dass die Apotheken keinen Vorrat an Jodtabletten bereithalten. Aus diesem Grund werde vor allen telefonischen Anfragen abgeraten.

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