Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Heiraten wird an anderen Orten als dem Rathaus möglich
Politik 3 Min. 10.05.2022
Am richtigen Ort „Ja“ sagen

Heiraten wird an anderen Orten als dem Rathaus möglich

Zukünftige Ehepartner werden von nun an die Möglichkeit haben, unter den von der Gemeinde festgelegten Lokalitäten ihren Lieblingsort zu wählen.
Am richtigen Ort „Ja“ sagen

Heiraten wird an anderen Orten als dem Rathaus möglich

Zukünftige Ehepartner werden von nun an die Möglichkeit haben, unter den von der Gemeinde festgelegten Lokalitäten ihren Lieblingsort zu wählen.
Foto: Shutterstock
Politik 3 Min. 10.05.2022
Am richtigen Ort „Ja“ sagen

Heiraten wird an anderen Orten als dem Rathaus möglich

Florian JAVEL
Florian JAVEL
Innen- und Justizministerien stellten am Dienstag neue Modalitäten für die Modernisierung der Durchführung von Hochzeiten und Lebenspartnerschaften vor.

Ob Traditionen im Laufe der Zeit einen gesellschaftlichen Wandel durchlaufen, wovon auch die Gestaltung von Zeremonien betroffen ist, obliegt der Offenheit einer Gesellschaft. Dass das Zivilgesetzbuch aus dem Jahr 1804 stammt und Belgien seit 2018 – Frankreich sogar seit 2013 – Eheschließungen an anderen Orten als dem Rathaus erlaubt, war für Justizministerin Sam Tanson und Innenministerin Taina Bofferding ein klares Indiz dafür, dass es für Luxemburg nun an der Zeit ist, sich an der Offenheit der Nachbarn zu inspirieren. 

Gestern stellten Tanson und Bofferding im Innenministerium somit die Modalitäten für die Modernisierung der Durchführung von Hochzeiten und Lebenspartnerschaften (PACS) vor. „Wir wollen den Paaren mehr Flexibilität bei der Feier des schönsten Tages in ihrem Leben bieten“, bekundete Bofferding.

Die Abänderung des Zivilgesetzbuches und des geänderten Gemeindegesetzes vom 13. Dezember 1988 sollen dem Gemeinderat künftig erlauben, einen oder mehrere andere Orte für Eheschließungen und Partnerschaftserklärungen neben dem Gemeindehaus zu bestimmen. Zudem sollen Bürgermeister künftig leichter einem Schöffen oder Gemeinderatsmitglied die Aufgaben des Standesbeamten für eine Eheschließung oder Partnerschaftserklärung übertragen können.

Pandemie als Auslöser des Gesetzentwurfes

Dass die Covid-Krise den Nährboden für diesen plötzlichen Sinneswandel bereitet hat, bestätigten Bofferding und Tanson gestern. Die während des Krisenzustands im Frühling 2020 verhängten Abstandsmaßnahmen hatten zur Folge, dass die Organisation von Hochzeitszeremonien und PACS-Schließungen mit einer maximalen Anzahl von 20 Personen erschwert wurde. 


Ja-Wort im Freien
Traditionen zu bewahren, heißt auch Traditionen an neue gesellschaftliche Wünsche und Anforderungen anzupassen.

Eine vom Regierungsrat angenommene Ausnahmeregelung vom vierten Mai 2020 zum Artikel 75 des Zivilgesetzbuches ermöglichte bereits damals den Gemeinden, Eheschließungen in einem anderen Gemeindegebäude als dem Rathaus zu feiern. Mit dieser Ausnahmeregelung habe man positive Erfahrungen gemacht, so Bofferding. 

„Weniger Menschen lassen sich in der Kirche trauen“

Neben dem Faktor Pandemie sahen die beiden Regierungsvertreterinnen die Notwendigkeit einer solchen Reform darin, das fundamentale Recht auf die Zelebrierung der Eheschließung abhängig vom Kostenpunkt zu schützen. „Immer weniger Menschen lassen sich in der Kirche trauen. Der Zivilteil ist für sie somit die zentrale Feier. Manche Festsäle der Gemeinden sind aber zu klein oder Paare wollen von einem Freund, der im Gemeinderat sitzt, getraut werden, was bis dahin nicht möglich war“, erklärte Innenministerin Bofferding.

Sam Tanson wies zudem darauf hin, man wolle mit dem Gesetzentwurf und der im Koalitionsvertrag vorgesehenen Modernisierung der Durchführung der Zeremonien den Menschen und den Gemeinden mehr Flexibilität ermöglichen; „Die Feier dieser zivilen Verbindung an einem größeren öffentlichen Ort oder an einem Ort, der dem Geschmack der Partner entspricht, entspricht den gesellschaftlichen Erwartungen des 21. Jahrhunderts.“ 

Bedingungen, die Orte erfüllen müssen 

Die Immobilien, die für Eheschließungen oder die Feier von Zivilpartnerschaften vorgesehen sind, unterliegen verschiedenen Bedingungen. Sie müssen dem Staat oder einer öffentlichen Einrichtung gehören, einem öffentlichen Dienst zugeordnet sein und sich auf dem Gebiet der Gemeinde befinden. Eine feierliche und öffentliche Zeremonie soll barrierefrei sein und dem Standesbeamten ermöglichen, seine Aufgaben unter Beachtung seiner Pflichten und Auflagen zu erfüllen. 

Scherzhaft meinte Tanson bei diesem Punkt, eine „Unterwasserhochzeit“ würde somit nicht infrage kommen. Wichtiges Kriterium bleibt die Neutralität der Immobilie. Der Ort darf somit nicht für eine Religionsausübung genutzt werden. Als potenzielle Immobilien kommen somit öffentliche Hallen, Festsäle, Schlösser, Stadien, Stadtparks oder Feuerwehr- und Rettungszentren infrage, die speziell für die Erbringung öffentlicher Dienstleistungen eingerichtet wurden. 


Wer gepacst ist, kann sich ganz einfach per SMS wieder trennen.
Pacs: Ersatzehe für kühle Rechner
Der „Pacs“-Vertrag ist seit 2004 eine alternative Lebensform. Doch was unterscheidet ihn von der klassischen Ehe? Welche Vor- und Nachteile sind damit verbunden?

Paare werden in Zukunft einen passenden Ort für ihre Zeremonie aus einer Liste, die von den Gemeinden erstellt wird, wählen. Eine Internetseite und eine Infokampagne, um Gemeinden und Bürger auf das neue Angebot aufmerksam zu machen, sollen noch gestartet werden. Man sei nicht Meister über die Agenda des Parlaments, so Tanson, doch erhoffe man sich, dass das Gesetz diesen Monat noch gestimmt werden könnte. 

Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter und Instagram und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Das Parlament debattierte am Mittwoch über den Sinn und Zweck von Gefängnisstrafen und über Alternativen, die es gibt, die aber kaum genutzt werden.
In der Haftanstalt Schrassig befinden sich derzeit 581 Häftlinge, darunter 27 Frauen. Nur 290 Häftlinge haben ihren Wohnsitz in Luxemburg. Die Mehrheit der Insassen sind Untersuchungshäftlinge.
Der „Pacs“-Vertrag ist seit 2004 eine alternative Lebensform. Doch was unterscheidet ihn von der klassischen Ehe? Welche Vor- und Nachteile sind damit verbunden?
Wer gepacst ist, kann sich ganz einfach per SMS wieder trennen.
Paare können hierzulande zwischen einer eingetragenen Lebensgemeinschaft und der Ehe wählen. Die beiden Optionen unterscheiden sich allerdings voneinander.
Seit 2004 wurden rund 15 000 eingetragene Lebenspartnerschaften registriert.
Die Ehe hat in Luxemburg noch einen hohen Stellenwert. Von allen Paaren hierzulande entscheiden sich die meisten für den "Bund fürs Leben", während der Pacs und die Zweisamkeit ohne Trauschein weniger häufig anzutreffen sind.
88 Prozent der Menschen, die in einer Paarbeziehung leben, sind verheiratet.
Bei der Wahl des Hochzeitsdatums entscheiden sich viele Paare für ein ganz besonderes Datum. Während bei unseren deutschen Nachbarn der Trend, an einem Schnapszahl-Datum zu heiraten, in den vergangenen Jahren immer beliebter wurde, so scheint diese Tendenz hierzulande wohl eher rückläufig zu sein.
Heiraten an einem besonderen Datum: Immer weniger Paare wollen im Großherzogtum an „Schnapszahl-Daten“ wie dem 12.12.2012 heiraten.