Halali in der Chamber
Halali in der Chamber
6.562 Bürger hatten die Petition Nummer 1.156 unterschrieben. Am Freitag darf der Initiator der Eingabe, Mike Clemens, den Abgeordneten nun bei einer öffentlichen Anhörung im Plenum erklären, weshalb die Treibjagd seiner Meinung nach verboten gehört. Auslöser für seinen Entschluss eine Petition zu schreiben, war ein Vorfall, bei dem mehrere Wildschweine während einer Treibjagd auf die Autobahn gelaufen waren.
Im Gegensatz zum Tierschutz
Als er die Petition im November eingereicht hatte, hatte er seine Forderung folgendermaßen begründet: "Eng Klappjuegd steet am komplette Géigesaz zum Déiereschutz an ass net méi zäitgeméiss. En Déier ass keng Saach a sollt mat Respekt behandelt ginn." Eine Treibjagd bedeute unnötigen Stress für die Tiere. Zudem sei es für die Jäger schwieriger, die Tiere mit einem einzigen gezielten Schuss zu töten, weil sie dauern in Bewegung sind. Oft würden die verletzten Tiere einen langen, qualvollen Tod erleiden, so Clemens weiter in seiner Begründung. Wenn das aufgescheuchte Wild aus dem Wald auf die Straße laufen würde, bestehe zudem Gefahr für die Autofahrer. Clemens kommt daher zum Schluss, dass die Treibjagd in Luxemburg gesetzlich verboten werden soll.
In der Folge der Petition war in den vergangenen Wochen und Monaten die Diskussion um Sinn oder Unsinn der Jagd erneut voll entbrannt. Auch vor der öffentlichen Anhörung im Parlament haben sich viele Akteure zu Wort gemeldet. Die Fédération Saint-Hubert des Chasseurs du Grand-Duché de Luxembourg (FSHCL) begrüßt in einer Pressemitteilung die Diskussion, "weil diese es erlaubt, sowohl die unverzichtbare Rolle der Jagd beim modernen Wildtiermanagement hervorzuheben, als auch die entscheidende Bedeutung der angesprochenen Jagdform".
Die Jäger halten die Bewegungsjagd für unverzichtbar, weil ansonsten die vom Gesetzgeber vorgeschrieben Abschussquoten nicht eingehalten werden können. Der Verband sieht denn auch in der "unverzichtbaren Bewegungsjagd eine Dienstleistung der Jägerschaft für Land und Leute". Daher sollten "Jagdgegner, welche den Ablauf einer Jagd stören, empfindlich bestraft werden".
"Eine vertretbare Maßnahme"
Die Vereinigung Natur & Ëmwelt sieht die Jagd nuancierter. "Fakt ist, dass ohne Jagd die Bestände von Wildschwein, Reh und Rothirsch deutlich steigen würden", schreibt die Naturschutzorganisation in einer Pressemitteilung. Weil u.a. die natürlichen Feinde fehlen und die Winter weniger kalt sind, steige bei den gängigsten Wildarten die Zahl der Tiere. "Die Konsequenzen des Anstiegs der häufigsten Wildarten in Luxemburg ist problematisch für unsere Waldbestände und, zumindest gebietsweise, ein ernster Konfliktpunkt für die Landwirtschaft", heißt es weiter in dem Kommuniqué.
Die Umweltvereinigung kommt daher zum Schluss, dass die Jagd zwar ein Störfaktor für die frei lebende Tierwelt ist, dass aber "nicht ganz auf jagdliche Eingriffe verzichtet werden kann". Eine rein professionelle Jagd hält Natur & Ëmwelt "aus finanziellen und personellen Gründen" in Luxemburg zurzeit nicht für möglich. Eine gut reglementierte Jagd sei daher eine "vertretbare Maßnahme zum nachhaltigen Umgang mit unseren Wäldern". Für die Naturschutzorganisation bleibt die ethische Frage allerdings offen.
Akzeptanz in der Bevölkerung
Der Mouvement écologique argumentiert ganz ähnlich. Die Organisation hält die Jagd zurzeit für "durchaus notwendig", auch um die wachsende Wildpopulation zu reduzieren und so die Schäden an den Ökosystemen und in der Landwirtschaft zu verringern.
Die Jagd müsse aber auch von der Bevölkerung akzeptiert werden, heißt es weiter in einer Pressemitteilung. Ob die Jagd akzeptiert wird oder nicht, hängt laut Méco von der Art der Jagd ab. Nur wenn sie sowohl den Anforderungen des "Tier- als auch des Naturschutzes" gerecht werde, hätten die Leute auch Verständnis dafür.
Und bei der klassischen Treibjagd sei dies eben nicht der Fall, meint die Umweltgewerkschaft. Der Méco lehnt daher diese Form der Jagd ab und spricht sich stattdessen für die sogenannte Drückjagd aus, "mit spurlauten, einzeljagenden und geprüften Hunden und wenigen Treibern". Diese Jagdform erlaube eine "tierschutzgerechte Reduktion aller Schalenwildbestände auf ein erträgliches Niveau".
Wildschweine zum Abschuss freigegeben
Die staatlich organisierte Drückjagd, die am Donnerstag stattfand, kannte indes nur einen mäßigen Erfolg. Ganze fünf Wildschweine konnten in der sogenannten "Zone blanche" entlang der Grenze zu Belgien erlegt werden. Die Jagdaktion, an der mehr als 100 Jäger und etwa 50 Treiber teilgenommen haben, war organisiert worden, um ein Übergreifen der Afrikanischen Schweinepest auf Luxemburg zu verhindern.
Laut Angaben von Natur & Ëmwelt besitzen in Luxemburg etwa 2.200 Personen einen Jagdschein. In ihrer Mitteilung gibt die Organisation auch an, dass jährlich zwischen 5.000 und 7.000 Rehe und Wildschweine erlegt werden. Daneben werden jeweils knapp unter 1.000 Kaninchen, Hasen, Stockenten und Ringeltauben sowie rund 350 Rothirsche geschossen.
Die öffentliche Anhörung im Parlament zum Verbot der Treibjagd sollte ursprünglich am 3. Mai stattfinden, wurde dann aber wegen der Staatstrauer nach dem Tod von Großherzog Jean vertagt.

