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Häusliche Gewalt: Opferzahlen steigen
Politik 2 Min. 27.05.2020

Häusliche Gewalt: Opferzahlen steigen

Statistisch gesehen rückt die Polizei in Luxemburg 2,4 Mal am Tag wegen häuslicher Gewalt aus.

Häusliche Gewalt: Opferzahlen steigen

Statistisch gesehen rückt die Polizei in Luxemburg 2,4 Mal am Tag wegen häuslicher Gewalt aus.
Foto: Getty Images
Politik 2 Min. 27.05.2020

Häusliche Gewalt: Opferzahlen steigen

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Das Phänomen häuslicher Gewalt hat 2019 im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. Dies geht aus dem Jahresbericht hervor, den Gleichstellungsministerin Taina Bofferding (LSAP) den Parlamentariern am Mittwoch präsentierte.

Die Zahlen im Jahresbericht 2019, die Gleichstellungsministerin Taina Bofferding (LSAP) den Mitgliedern des parlamentarischen Gleichstellungs- und Justizausschusses am Mittwoch vorstellte, sind alles andere als erheiternd. 


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849 Mal musste die Polizei wegen häuslicher Gewalt eingreifen. Das sind 2,4 Einsätze pro Tag und 110 Einsätze mehr als 2018. In 265 Fällen ordnete die Staatsanwaltschaft eine Wegweisung des Gewalttäters an. Damit steigt die Zahl der Wegweisungen im Vergleich zu 2018 (231). Im Schnitt kam es 2019 zu 22 Wegweisungen pro Monat. 

Auch die Opferzahlen steigen. 2019 lag die Zahl bei 1.337 Opfern (2018: 1.089). 63 Prozent der Opfer sind Frauen, 36 Prozent sind Männer. Bei den Tätern ist es genau umgekehrt: 68 Prozent der Täter sind Männer, 31 Prozent der Täter sind Frauen. Die Staatsanwaltschaft wurde 2019 insgesamt mit 1.692 Fällen befasst. Das sind 4,6 Fälle pro Tag.

Verbesserungen

Im Dezember 2019 hatte die CSV-Abgeordnete Françoise Hetto-Gaasch die Regierung im Rahmen einer erweiterten Frage aufgefordert, mehr zu unternehmen, um Gewalt gegen Frauen und Kinder zu bekämpfen und einen besseren Opferschutz zu gewährleisten: mehr Plätze in Frauenhäusern, mehr Personal, mehr Prävention, mehr Weiterbildung für Justiz und Polizei, Einführung einer 24-Stunden-Hotline sowie der elektronischen Fußfessel.

Wie die zuständige Ministerin Taina Bofferding am Mittwoch erklärte, gebe es eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus dem Polizeiwesen, der Staatsanwaltschaft und den involvierten Ministerien, um Verbesserungsmöglichkeiten auszuloten. Diese Arbeitsgruppe hatte sie allerdings auch schon im Dezember 2019 im Parlament erwähnt.

Auch das geplante Observatoire de la violence lässt weiter auf sich warten. Das "Comité de coopération entre les professonnels dans le domaine de la lutte contre la violence" hatte bereits in seinem Jahresbericht 2018 angeregt, ein solches Observatorium zwecks Sammlung und Auswertung statistischer Daten zu schaffen. Passiert ist in dieser Angelegenheit bislang nichts. 

Der ADR-Abgeordnete Fernand Kartheiser sorgt sich um die Gleichstellung der Männer in Sachen häusliche Gewalt und erklärte am Mittwoch, bei den Männern, die Opfer von häuslicher Gewalt werden, sei die Dunkelziffer größer als bei Frauen. In einer Motion fordert er die Schaffung von Strukturen für männliche Gewaltopfer. Bofferding entgegnete, dass es solche Strukturen bereits gebe und dass männliche Opfer genauso gut betreut würden wie Frauen.

Als Antwort auf die Forderungen der CSV-Abgeordneten meinte Bofferding, dass während der Corona-Krise eine Hotline für Gewaltopfer geschaffen worden sei. Eine Auswertung werde zeigen, inwiefern und unter welchen Bedingungen die  Hotline auch in Zukunft funktionieren könne. 

Wie bereits im Dezember erklärte sich Justizministerin Sam Tanson (Déi Gréng) bereit, die elektronische Fußfessel anzuwenden. Eine Arbeitsgruppe analysiere, unter welchen Bedingungen die Fußfessel eingesetzt werden könnte.

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