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Gutachten zur Rifkin-Studie: Caritas bleibt skeptisch
Politik 2 Min. 03.10.2017

Gutachten zur Rifkin-Studie: Caritas bleibt skeptisch

Die Caritas befürchtet einen Graben zwischen Technologie-Freunden und Menschen, die den Faden verlieren.

Gutachten zur Rifkin-Studie: Caritas bleibt skeptisch

Die Caritas befürchtet einen Graben zwischen Technologie-Freunden und Menschen, die den Faden verlieren.
Shutterstock
Politik 2 Min. 03.10.2017

Gutachten zur Rifkin-Studie: Caritas bleibt skeptisch

Eric HAMUS
Eric HAMUS
Rifkin zeichne eine Welt, die nur auf Kostenreduzierung aus sei, befürchtet die Caritas. Hier seien nun die öffentlichen Einrichtungen gefordert, um die negativen Auswirkungen der dritten industriellen Revolution abzufedern.

(ham) – Die Caritas Luxemburg steht der dritten industriellen Revolution im Großherzogtum skeptisch gegenüber. Das geht aus ihrem Gutachten zur sogenannten Rifkin-Studie hervor. Man begrüße die Initiative zur Studie, vor allem da das Land gewappnet sein muss. Allerdings gebe es auch einige Implikationen und Konsequenzen, die laut Caritas nicht die nötige Aufmerksamkeit bekommen haben.

Für Arbeitnehmer bestehe die Gefahr, ausgenutzt zu werden, schreibt die Caritas in ihrem Gutachten. Zum Beispiel durch atypische Arbeitsverträge, soziales Dumping oder Telearbeit. Es werde immer mehr von Angestellten verlangt, andauernd erreichbar zu sein. In dem Fall besteht die Gefahr einer ständigen Überwachung durch den Arbeitgeber oder dass man sich selbst überfordert. Außerdem verliere man so schnell den gesellschaftlichen Kontakt, befürchtet die Vereinigung.

Arbeit sei nämlich nicht nur ein Weg zum Geldverdienen sondern auch eine gute Möglichkeit, sich selbst zu entfalten und menschlich zu sein. Weniger Arbeitsplätze bedeuten auch weniger Steuern und Sozialbeiträge. Also brauche der Staat neue Finanzquellen, wie z.B. eine Roboter-Steuer. Andernfalls seien die öffentlichen Dienstleistungen nicht mehr gewährleistet.

Apropos Roboter

Der Einsatz von Roboter in Pflege- oder Altersheimen führe dazu, dass die Patienten und Anwohner ebenfalls den Kontakt zur Gesellschaft verlieren. Für manche ältere Menschen sei der Pfleger der letzte menschliche Kontakt überhaupt.

Der gläserne Mensch führt laut Caritas zu gewaltigen Änderungen im gesellschaftlichen Gefüge. Ständig erreichbar sein beeinflusse den gesellschaftlichen Austausch, meint die Vereinigung. Durch einen Überfluss an Informationen könne man den Ausgang von Referenden oder Wahlen immer besser vorhersagen. Dies beeinträchtige vor allem unsere Demokratie. Außerdem befürchtet die Caritas einen Graben zwischen Menschen, die gut mit neuen Technologien klar kommen und Personen, die jetzt bereits den Faden verloren haben.

Soziale Barrieren überwinden

Demnach sei es wichtig, jenen Gefahren mit gesetzlichen Maßnahmen entgegenzutreten, so die Caritas. Die Vereinigung sieht hier vor allem Sozialversicherung und Arbeitsgesetze gefordert. Diese müssten entsprechend angepasst werden, um die gröbsten Änderungen abzufedern. Nebenbei aber müsse der Staat auch darauf achten, die sozialen Kontakte zwischen den Menschen weiter zu fördern und mit den nötigen Ausbildungen dafür zu sorgen, dass niemand in der industriellen Revolution den Zug verpasst.

„Auch wenn Herr Rifkin ständig beweist, dass die Produktionskosten gen Null tendieren, sind enorme Investierungen vonnöten, um weiter in einer überlebensfähigen Gesellschaft bestehen zu können, und nicht in einer kalten Gesellschaft, in der sich alles nur noch um Kostenreduzierung dreht“, schlussfolgert die Caritas.


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