Grundschulwesen

Wenn Lehrer bewertet werden

Kinder werden von Lehrern bewertet. Mit Inkrafttreten der Reform im öffentlichen Dienst (Oktober 2015) werden künftig auch die Lehrer bewertet, und zwar von ihrem Inspektor.
Kinder werden von Lehrern bewertet. Mit Inkrafttreten der Reform im öffentlichen Dienst (Oktober 2015) werden künftig auch die Lehrer bewertet, und zwar von ihrem Inspektor.
Foto: Lex Kleren

(mig) - Das Gesetz zur Reform wurde am 24. März 2015 im Parlament mit breiter Mehrheit verabschiedet. Sechs Monate später, am 1. Oktober, trat die Reform in Kraft. Die CGFP-Unterorganisationen SNE (Fondamental) und Féduse (Secondaire) hatten mit der Regierung ein separates Abkommen zur Umsetzung der Reformprinzipien im Bildungswesen ausgehandelt.

Bevor der SNE seine Mitglieder über die Neuerungen ins Bild setzt, trafen sich die Verantwortlichen Mitte Oktober ein letztes Mal mit Vertretern des Bildungsministeriums, um letzte Details zu klären.

Lehrerbewertung: vier Stufen

Im Laufe der Verhandlungen wurde das Bewertungssystem stark vereinfacht. Die Grundschullehrer werden während ihrer Karriere drei Mal vom zuständigen Inspektor bewertet, ein erstes Mal nach der dreijährigen Stage-Zeit, ein zweites Mal nach zwölf und ein drittes Mal nach 20 Berufsjahren (ab der Ernennung).

Bewertet werden zwei Faktoren: die Berufspraxis sowie die Tâche und der Stundenplan. Es gibt vier Bewertungsstufen. Erreicht der Lehrer lediglich die Stufe 1, werden Verbesserungsmaßnahmen eingeleitet, bei den Stufen 2 und 3 bleibt alles beim Alten. Schneidet ein Lehrer besonders gut ab (Stufe 4), reduziert seine Tâche sich im Jahr danach um 0,33 Unterrichtsstunden, die er aber auch als Überstunde geltend machen kann.

"Gestion par objectifs"

Jede Schule muss sich Ziele setzen und Wege definieren, wie sie diese Ziele erreichen möchte. In der Grundschule erfolgt die „Gestion par objectifs“ über den Schulentwicklungsplan (Plan de réussite scolaire), der eine Laufdauer von drei Jahren hat. Alle drei Jahre wird Bilanz gezogen. Die Gespräche werden schulintern im Plenum (wahrscheinlich im Schulkomitee) geführt. Das Ministerium hat sich dazu verpflichtet, die Prozedur des Instruments, das vor allem zu Beginn der Grundschulreform als viel zu bürokratisch galt, zu vereinfachen.

"Postes à responsabilité particulière"

Ein weiterer Punkt betrifft die so genannten "Postes à responsabilité particulière", die die früheren Bis-Grade ersetzen und die jedem Beamten ab einem bestimmten Alter zustehen, samt der damit verbundenen Gehaltsaufbesserung. Für diese Posten kommen maximal 15 Prozent des gesamten Lehrerkorps in Frage. Voraussetzung ist, dass der Posten mit einer „besonderen Verantwortung“ verbunden ist.

In diesem Punkt hat es unter dem neuen Minister Claude Meisch Nachverhandlungen gegeben, die aus Sicht des SNE zu einem zufriedenstellenden Ergebnis geführt haben, weil die Liste der in Frage kommenden Profile 
– u. a. Schulkomiteepräsidenten, instituteurs-ressources, Mitglieder der geplanten Programmkommission, pädagogische Berater, coordinateurs de cycle – so breit ist, „dass die 15 Prozent jederzeit ausgeschöpft werden können“, so SNE-Präsident Patrick Remakel auf LW-Nachfrage.

Die Regelung gilt auch für Lehrbeauftragte, wenngleich nur wenige diese Posten bekleiden. Die Gehaltsaufbesserungen werden sich wohl erst im Frühjahr auf dem Gehaltszettel bemerkbar machen, allerdings werden sie retroaktiv zum 1. Oktober ausgezahlt.

Zugang zur Karriere A1

Grundschullehrer erhalten mit der Reform Zugang zur Karriere A1 (Masterkarriere), die bisher Sekundarschullehrern vorbehalten war. Ein Weg führt über einen Masterstudiengang, der Lehrer auf das Arbeiten mit Kindern mit speziellen Bedürfnissen (Lernschwächen, Verhaltensstörungen usw.) vorbereitet.

Ein zweiter Weg führt über eine spezielle Fortbildung, ein dritter über einen auf fünf Jahre begrenzten Mechanismus, der es Lehrern unter bestimmten Bedingungen erlaubt, in die Masterkarriere zu wechseln.

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