Grundschul-Leaks: "Pannen vermeiden"
(mig) - Die Bestürzung über die geleakten Schuldokumente war groß, dabei ist ein etwas lascher Umgang bei der Handhabung der Tests eigentlich kein Geheimnis. Sei es, dass Lehrer mit Schülern noch einmal gezielt Problemstellungen durchgehen, sei es, dass Material unter der Hand weitergereicht oder Einblick gewährt wird. Neu ist lediglich das gezielte Vorgehen und das Ausmaß der Verbreitung auf informatischem Wege.
Neu war in diesem Jahr auch die vergleichsweise frühe Verteilung der Tests an die Sekundarschullehrer. Sie erhielten sie ein paar Tage früher als sonst, Angaben des Ministeriums zufolge am 16. März, dies auf Bitte der Lehrer, um sich besser auf die Orientierungsgespräche vorbereiten zu können, wie es seitens des Ministeriums heißt. Auch von hier aus könnten die Fragebögen also in Umlauf gekommen sein.
Fehler beim Ministerium
Fehler sind offenbar auch dem Ministerium unterlaufen. LW-Informationen zufolge soll es zu einer um einige Tage verfrühten Veröffentlichung der Lösungen auf einem Internetportal gekommen sein, zu dem ausschließlich Klassenlehrer des Zyklus 4.2 via „myschool“ Zugriff haben, um dort die Testergebnisse einzutragen. Kurze Zeit später sei die Veröffentlichung wieder rückgängig gemacht worden, heißt es von Lehrerseite.
Bildungsminister Claude Meisch will nicht die Prozedur in Frage stellen, sondern den Umgang damit. Doch obschon Beamte sich an Regeln zu halten haben, öffnet eine zu lasche Prozedur Missbrauch Tür und Tor.
Vage Anweisungen
Die schriftlichen Erklärungen und Anweisungen, die das Ministerium an die Lehrer verschickt, sind vage gehalten. Es gibt weder ein genau definiertes Datum, wann der Koordinator die Tests an die einzelnen Lehrer verteilt, noch gibt es Anweisungen bezüglich der Aufbewahrung während der mehrwöchigen Testzeit. Auch werden die Lehrer lediglich dazu aufgefordert, die vorgegebenen Testdaten einzuhalten, eine Vorschrift gibt es nicht. Den Begriff "streng vertraulich" oder "vertraulich" sucht man vergebens.
Dass die gesamte Testreihe mit der nötigen Sorgfalt und Vertraulichkeit zu behandeln ist, wird den Lehrern dem Koordinator der Orientierungsprozedur, Livius Palazzari, zufolge bei einer Informationsversammlung im Oktober mitgeteilt, an der alle Lehrer, die zum ersten Mal in einer Abschlussklasse unterrichten, teilnehmen müssen.
Doch offenbar reicht das nicht. Der Koordinator geht davon aus, dass die schriftlichen Anweisungen an die Lehrer angesichts der Geschehnisse überarbeitet werden.
Auch Guy Strauss ist für mehr Sicherheit bei der Prozedur, "um Pannen zu vermeiden". Allerdings weist der Inspektor, der beim Ministerium für den Grundschulbereich verantwortlich ist, auch darauf hin, dass die Prozedur bei den Grundschultests nicht vergleichbar mit der Prozedur bei den Abschlussexamen im Sekundarschulwesen sei, „weil es sich bei den Tests nicht um Examen handelt, sie also nicht den gleichen Stellenwert haben“, so Strauss. Die Grundschultests seien nur ein Element von fünf, die bei der Orientierung eine Rolle spielen.