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Grüner Volltreffer
Grüner Jubel: Déi Gréng können mit drei Sitzgewinnen überzeugen und wollen wieder in die Regierung.

Grüner Volltreffer

Lex Kleren
Grüner Jubel: Déi Gréng können mit drei Sitzgewinnen überzeugen und wollen wieder in die Regierung.
Politik 3 Min. 15.10.2018

Grüner Volltreffer

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Sie sind die einzige Partei der bisherigen Koalition, die als Sieger aus den Wahlen hervorgeht. Déi Gréng sehen sich deutlich gestärkt und wollen wieder in die Verantwortung.

Als die nationale Hochrechnung über die Leinwand flimmerte, gab es bei der grünen Basis im Atelier kein Halten mehr: Von Claude Turmes und François Bausch wild gestikulierend angefeuert, toben die Anhänger. „Wir haben unsere Sitzzahl um 50 Prozent verbessert und ein historisches Resultat eingefahren. Die Wähler haben unsere Arbeit gewürdigt und wollen, dass wir diese Arbeit weiterführen. An uns führt kein Weg vorbei“, so François Bausch, der später noch hinzufügt, dass die CSV angesichts ihres Resultats nicht in eine Regierung gehöre.

Auch Parteipräsident Christian Kmiotek, der persönlich ein schwaches Resultat im Osten einfuhr, sprach sich für eine Regierungsbeteiligung aus. War das schon ein Vorzeichen für das Weiterführen der Dreier-Koalition? Mit ihren neun Sitzen gleichen Déi Gréng die Verluste von LSAP und DP aus. Als LSAP-Spitzenkandidat Etienne Schneiders erste Aussagen über den Schirm flimmern, wird es ruhig im Saal. Doch der lässt die Gambia-Tür offen und meint, dass das Resultat seiner Partei zwar schwach, aber keine große Katastrophe sei. „Zukunft, Zesummenhalt, Gutt Liewen“ hatten die Grünen im Wahlkampf versprochen. Nach dem enttäuschenden Sitzverlust im Zentrum bei den vorigen Parlamentswahlen und der dann doch etwas überraschenden Regierungsbeteiligung setzte man jetzt auf den Regierungsbonus. Und wurde dafür belohnt.

Ohne Zweifel sind die Grünen einer der großen Gewinner dieser Wahl, zudem ist sie die einzige Regierungspartei, die mit deutlichem Stimmenzuwachs in den vier Wahlbezirken aus diesen Wahlen hervorgeht.

Historisches Resultat

„Dies ist ein für die Grünen historisches Resultat, es wird kein Weg an den Grünen vorbeiführen, sonst wird es einen Wähleraufstand geben“, meint denn auch die Südabgeordnete Josée Lorsché. Déi Gréng und ihre Regierungsmitglieder François Bausch, Felix Braz, Carole Dieschbourg und der verstorbene Staatssekretär Camille Gira haben ohne Zweifel eine starke Bilanz hinterlassen. Das bezeugen nicht zuletzt die Umfragewerte, die ihnen besonders in puncto Mobilität, Umwelt und Energie eine solide Kompetenz bescheinigen. Déi Gréng haben diese Themen auf die politische Landkarte gesetzt und sie gegen Wind und Wetter verteidigt. Dabei herrschte viel Gegenwind. Dennoch wurden sie für ihre Ausdauer und Dialogbereitschaft belohnt.

Nicht umsonst hat man den Wahlabend übrigens ins Atelier in der Hollericher Straße verlegt. Hier wurde 2004 nämlich bereits ein Wahlsieg gefeiert, Déi Gréng konnten sich damals von fünf auf sieben Sitze verbessern. Nun also können Déi Gréng insgesamt neun Sitze für sich verbuchen und dürften zumindest ein Mitspracherecht in einer künftigen Koalition beanspruchen. „Ich bin sehr dankbar dafür, dass unsere Arbeit gewürdigt wurde und die Themen, die wir gesetzt haben, die richtigen waren“, so Carole Dieschbourg, die die Zahl der für sie abgegebenen Stimmen verdoppeln konnte.

Vermächtnis des Camille Gira

Auch Claude Turmes, der im Norden die schwierige Aufgabe hatte, den verstorbenen Camille Gira zu beerben und ein persönlich sehr beachtenswertes Resultat einfuhr, zeigte sich erfreut und erleichtert.

„Trotz eines im Norden sehr aggressiv gegen uns geführten Wahlkampfes und trotz schwieriger Dossiers wie Landwirtschaft und Naturschutz konnten wir unseren Sitz im Norden verteidigen“, so Claude Turmes. „Die Menschen wollen aber keine Aggressivität, sie wollen sachlich und unpolemisch informiert werden und ich glaube, das ist uns gelungen. Sauberes Wasser, saubere Luft oder noch Klimawandel, ich glaube schon, dass dies die Menschen berührt. Die Entscheidung zur Rückkehr aus Straßburg ist mir nicht leicht gefallen, aber jetzt sehe ich, dass diese Entscheidung richtig war und wir für unsere Arbeit belohnt wurden.“

Was das schwache Abschneiden der CSV betrifft, so führt Turmes dies auf deren eher soften Wahlkampf zurück. Das Erstarken der kleinen Parteien und insbesondere der Piraten ist laut Turmes eine Reaktion der Unzufriedenen, die die Arbeit der Koalition ablehnten, aber mit der Oppositionsarbeit der CSV nicht zufrieden waren. Bleibt abzuwarten, was die nächsten Tage zeigen. Bei Déi Gréng herrscht noch immer das Trauma der Gemeindewahlen vorigen Jahres, als man von der DP in Luxemburg-Stadt zugunsten der CSV ausgebootet wurde. Ein zweites Mal wollen Déi Gréng dies nicht erleben.


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