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Großproblem Wohnungsbau: Nichtstun ist keine Option
Politik 2 Min. 18.03.2016

Großproblem Wohnungsbau: Nichtstun ist keine Option

"Nicht das Bauen, sondern das Bauland ist teuer", sagt die Handwerkskammer.

Großproblem Wohnungsbau: Nichtstun ist keine Option

"Nicht das Bauen, sondern das Bauland ist teuer", sagt die Handwerkskammer.
Foto: Shutterstock
Politik 2 Min. 18.03.2016

Großproblem Wohnungsbau: Nichtstun ist keine Option

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Bis jetzt hat noch jede Regierung sich an der Wohnungsbauproblematik die Zähne ausgebissen. "Aber wir müssen etwas tun", sagt die Chambre des Métiers. Sie hat Pisten aufgezeichnet, mit denen die Probleme nicht gelöst, aber eingedämmt werden können.

(mig) - In Luxemburg ist Wohnraum knapp und teuer, die Baugenehmigungsprozeduren zu lang, im Schnitt 7,3 Jahre, wie die Chambre des Métiers in einer Umfrage ermittelt hat.

Die Gründe für die schwierige Situation sind bekannt. Jedes Jahr wächst die Bevölkerung um über 10.000 Personen an. Es werden nicht genügend Wohnungen gebaut, das Angebot hinkt der Nachfrage hinterher. Steigende Löhne, niedrige Zinsen und staatliche Beihilfen treiben ihrerseits die Immobilienpreise in die Höhe. Obwohl Wohnraum teuer ist, ist die durchschnittliche Wohnfläche in den vergangenen zehn Jahren gestiegen, während die Größe der Haushalte abgenommen hat. Dem Statec zufolge werden 2030 im Schnitt nur noch 2,2 Personen in einem Haushalt leben.

Laut der Analyse der Chambre des métiers müssten bis 2030 im Schnitt jährlich 6.500 Wohnungen auf den Markt kommen. Statistiken des Statec zufolge wurden in den vergangenen zehn Jahren (mit Ausnahme von 2008: 4.400) weniger als 3.000 Wohnungen jährlich fertiggestellt.

"Es gibt keine Wunderlösung"

"Selbst wenn man das gesamte verfügbare Bauland - das sind 2.719 Hektar - bebauen würde, würde das nicht reichen, um die Nachfrage zu decken", sagt der Generaldirektor der Handwerkskammer, Tom Wirion, am Freitag bei der Vorstellung der Lösungsvorschläge der Chambre des Métiers.

Er glaubt nicht an eine Wunderlösung, "aber wir müssen etwas tun", sagt Wirion. Die Handwerkskammer stellte zehn Pisten vor, die helfen könnten, die Probleme in den Griff zu bekommen. Viele sind nicht neu und werden bereits von der Regierung verfolgt. Es geht primär darum, das Angebot an Wohnraum, besonders auch an Mietwohnungen, zu erhöhen.

Hier die Pisten im Überblick:

1. Anreize schaffen, um Bauland zu mobilisieren:

  • niedrige Gewinnbesteuerung beim Verkauf einer Immobilie oder eines Grundstücks, wie sie in der Steuerreform vorgesehen ist
  • Baulückenprogramm und Baulandverträge
  • Erweiterung des Bauperimeters

2. Sanktionen einführen, um Bauland zu mobilisieren:

  • Einführung einer Steuer auf brachliegendem Bauland
  • Umsetzung des Plan sectoriel logement (Schaffung von Großbauprojekten, Erweiterung des Bauperimeters)

3. Die Baudichte erhöhen

4. Mehr Mietwohnungen bauen

5. Anteil an Sozialwohnungen (logements à coût modéré) erhöhen

6. Beim Bau von Sozialwohnungen die privaten Bauträger stärker einbinden

7. Neue Modelle für die Finanzierung von Sozialwohnungen entwickeln: Sparer und Investoren an der Finanzierung beteiligen und Steuererleichterungen für sie vorsehen

8. Die Baugenehmigungsprozeduren vereinfachen

9. Erweiterung der steuerlichen Vorteile (Dauer des taux d'amortissement von sechs auf elf Jahre erhöhen) für Besitzer von Mietwohnungen

10. Die Bauhilfen überarbeiten und so ausrichten, dass das Angebot stimuliert wird und nicht die Nachfrage.


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