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Grauzonen im Rotlichtmilieu
Politik 2 Min. 30.04.2015 Aus unserem online-Archiv
Konsultierungsdebatte zur Prostitution

Grauzonen im Rotlichtmilieu

"Racolage" ist in Luxemburg rechtswidrig. Ein paar Straßen des hauptstädtischen Bahnhofsviertel sind laut Polizeiordnung allerdings vom Prostitutionsverbot ausgenommen.
Konsultierungsdebatte zur Prostitution

Grauzonen im Rotlichtmilieu

"Racolage" ist in Luxemburg rechtswidrig. Ein paar Straßen des hauptstädtischen Bahnhofsviertel sind laut Polizeiordnung allerdings vom Prostitutionsverbot ausgenommen.
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Politik 2 Min. 30.04.2015 Aus unserem online-Archiv
Konsultierungsdebatte zur Prostitution

Grauzonen im Rotlichtmilieu

Mit dem Thema Prostitution beschäftigt sich die Politik seit mehreren Jahren, ohne sich zu einer Entscheidung über eine Legalisierung oder ein Kaufverbot von sexuellen Diensten durchringen zu können. Das schwedische Modell sorgt nach wie vor für kontroverse Diskussionen im Parlament.

(BB) - Das Geschäft mit dem Sex wird je nach Land anders gehandhabt. Manche setzen auf einen legalen Rahmen, wie die Niederlande oder auch Deutschland, um die Aktivitäten besser zu kontrollieren und Sexarbeiterinnen zu schützen. Andere, wie Schweden, weisen auf eine Unterdrückung der Frauen hin und bestrafen die Freier. Weitere Länder aus Osteuropa befürworten ein völliges Verbot. Luxemburg hat sich für seinen Teil nie konsequent für eines dieser drei Modelle entscheiden können.

„Kein Modell hat das Phänomen der Prostitution bisher völlig unterbinden oder in den Griff bekommen können. Wir müssen das Thema also umfassend angehen, um die schwächsten Glieder der Kette, zu denen die Prostituierten gehören, nicht im Stich zu lassen“, meinte Chancengleichheitsministerin Lydia Mutsch am Donnerstag bei einer neuen parlamentarischen Debatte zur Prostitution.

Ein eigenes Modell

Das Thema Prostitution beschäftigt die Politik seit mehreren Jahren. Die Meinungen ändern und entwickeln sich aber auch mit der Zeit, wie sich in der Debatte herausstellte. Hatten sich im Jahr 2008 ein paar Mitglieder der LSAP-Fraktion in einem Gesetzesvorschlag für eine Bestrafung der Freier ausgesprochen – der Text stammte u. a. aus der Feder von Claudia Dall'Agnol und Marc Angel – so distanzierte sich nun die sozialistische Sprecherin Taina Bofferding vom schwedischen Modell.

Mit einem Kaufverbot riskiere die Prostitution verstärkt in den Untergrund sowie ins Internet abzuwandern. Wichtig sei, Exit-Strategien mit einer psychosozialen Beratung sowie Unterstützung bei der Berufsplanung anzubieten, so die LSAP-Abgeordnete.

„Das schwedische Modell verspricht mehr als es hält“, gab auch Josée Lorsché (Déi Gréng) zu bedenken. Wenn es Verbote gebe, müssten sie einheitlich auf EU-Ebene beschlossen werden, damit sich die "Ausbeutung" nicht von Land zu Land verlagere.

CSV für schwedisches Modell

Es bei der bisherigen Reglung zu belassen (in der "Racolage" laut Strafgesetzbuch verboten ist und die Prostitution laut Polizeiordnung nur in einigen Straßen des hauptstädtischen Bahnhofsviertels toleriert wird) geht der CSV allerdings nicht weit genug. Wenn man dem Menschenhandel entgegenwirken wolle, bedürfe es ein „strammes Gesetz, das ein Zeichen setzt“, erklärte Françoise Hetto mit Verweis auf das schwedische Modell. Die CSV sprach sich für neue Sanktionen aus.

Mit schärferen Regeln lasse sich das Geschäft mit dem Sex nicht verbannen, hielten die Mehrheitsvertreter dagegen. Den Kauf unter Strafe zu stellen, fördere zwar die Gleichstellung zwischen den Geschlechtern, letztlich drohe es aber die Arbeit der sozialen Dienste zu erschweren, befand Lydia Mutsch zum CSV-Vorschlag.

Die hauptstädtische Député-maire Lydie Polfer (DP) hatte ihrerseits auf die gute Zusammenarbeit mit der Polizei und den Vereinigungen hingewiesen, um einer Zunahme der Prostitution zu begegnen. Zurzeit seien zwischen 30 und 50 Prostituierte auf dem Straßenstrich tätig.


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