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Glas statt Schiefer
Politik 2 Min. 03.08.2017 Aus unserem online-Archiv
Digital Classroom Lëtzebuerg

Glas statt Schiefer

Die Privatschule St. Anne in Ettelbrück war eine der ersten im Lande, die iPad-Klassen einführte.
Digital Classroom Lëtzebuerg

Glas statt Schiefer

Die Privatschule St. Anne in Ettelbrück war eine der ersten im Lande, die iPad-Klassen einführte.
Foto: Arlette SCHMIT
Politik 2 Min. 03.08.2017 Aus unserem online-Archiv
Digital Classroom Lëtzebuerg

Glas statt Schiefer

Sie ist eine der größten Herausforderungen der modernen Bildung, wird aber in der Öffentlichkeit nur selten thematisiert: die Digitalisierung. „iPad-Klassen“ sind für viele Experten die Zukunft. Auch in Luxemburg.

(ham) - „Jeder Zweig menschlichen Wissens lässt sich mit bewegten Bildern lernen“: Als vor über hundert Jahren die Filmtechnik aus der Taufe gehoben wurde, war sich Thomas Edison sicher, dass sie binnen nur weniger Jahre die Schulbücher ersetzen und die Bildung revolutionieren würde. Ähnliches wurde in späteren Jahren auch dem Radio und dem Fernsehen zugetraut. Die große Bildungsrevolution blieb dennoch aus.

Allerdings haben neue Technologien in der Schule durchaus das Potenzial, die Klassenzimmer der Zukunft grundlegend zu verändern. Ob sie aber das Lernen selbst revolutionieren, wird davon abhängen, wie sie für Bildungszwecke genutzt werden. Voraussetzung ist, dass alle – Lehrer, Eltern, Schüler und politische Verantwortungsträger – an einem Strang ziehen.

Ob nun Benotung, Zeugnisreform, Module, Kompetenzsockel oder Werteunterricht: Film, Radio und TV sind inzwischen den digitalen Medien gewichen, die eigentliche Herausforderung heißt Digitalisierung.

48 Klassen aus 7 Schulen

Damit das Großherzogtum diesen Zug nicht verpasst, wurde das Projekt „Digital classroom Lëtzebuerg“ ins Leben gerufen. Schulen wurden aufgerufen, Programme in diesem Sinne auszuarbeiten und sich der Plattform anzuschließen.

Sieben Lyzeen waren dem Aufruf in den letzten drei Jahren gefolgt, mehr als 800 Schüler in 48 Klassen. Das war Phase 1 auf dem Weg zum flächendeckenden digitalen Klassenzimmer. Nun kommt Phase 2.

An deren Ende soll jeder Schüler ein Tablet besitzen. Das ist zumindest das erklärte Ziel der Regierung. Den Anfang machen im September 1 000 Geräte. Interessierte Schulen können ihre Projekte einreichen, die Tablets werden dann nach Bedarf an die Schüler der teilnehmenden Klassen „vermietet“.

Tablets für alle

„One2one“ heißt das Konzept. Die „Miete“ kostet monatlich fünf Euro. Nach vier Jahren dann können die Schüler ihre Geräte für eine geringe Summe ganz abkaufen. 22 Schulen haben bereits Interesse angemeldet. Sie sind alle in einem Netzwerk vertreten, das vom „Service de coordination de la recherche et de l'innovation pédagogiques et technologiques“ (SCRIPT) verwaltet wird. Damit soll nicht nur die Zusammenarbeit zwischen den Schulen verstärkt werden: Das Unterrichtsministerium erhofft sich nach den guten Ansätzen der letzten zwei Jahre nun konkretere Antworten und eine gemeinsame Herangehensweise.

Bisher nämlich lag der Ball bei den Schulen. Existierende „iPad-Klassen“ waren lokale Pilotprojekte, jede Schule hatte ihr eigenes Programm. Diese wurden zwar vom Script und vom „Centre de gestion informatique de l'éducation“ (CGIE) begleitet, einen nationalen roten Faden aber gab es nicht.

„Best practices“

Damit ist jetzt Schluss. Die Schulen werden jetzt ermutigt, an einem zentralen Programm teilzunehmen. Kernstück ist eine Plattform, auf der die besten Techniken und Programme getestet und Direktion und Lehrer sich austauschen können. Einen didaktischen Fahrplan von oben aber gibt es immer noch nicht. „Eine bewusste Entscheidung“, meint Luc Weis vom SCRIPT. Angesichts der kurzen Halbwertszeit und der Vielseitigkeit der Anwendungen, wolle man den Schulen die nötigen Freiräume lassen. „Sie sollen ihre eigenen Erfahrungen machen und diese dann mit den anderen Schulen und dem Ministerium teilen“, so Weis.

Es sei verkehrt, jedem Lehrer eine „To-do-Liste“ mit auf den Weg zu geben. Man wolle vielmehr pädagogisches Neuland betreten, den Schulen die nötige Autonomie gewähren und auf den Austausch setzen. „Das sind die Grundpfeiler der Strategie“, so Luc Weis. „Die Schulen sollen sich autonom weiterentwickeln und die eigenen Stärken fördern. Zusammen entwickeln wir die Schule des 21. Jahrhunderts, um den Schülern des 21. Jahrhunderts zum Erfolg zu verhelfen.“


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