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Gipfel der Großregion : Der heimliche Star in Schengen
Politik 2 Min. 04.07.2017

Gipfel der Großregion : Der heimliche Star in Schengen

Ovation für ... die Tour de France in Schengen. Dass zeitgleich der Gipfel der Großregion mit prominenten Politikern tagte, haben die wenigsten Leute mitbekommen.

Gipfel der Großregion : Der heimliche Star in Schengen

Ovation für ... die Tour de France in Schengen. Dass zeitgleich der Gipfel der Großregion mit prominenten Politikern tagte, haben die wenigsten Leute mitbekommen.
Foto: Laurent Blum
Politik 2 Min. 04.07.2017

Gipfel der Großregion : Der heimliche Star in Schengen

Bérengère BEFFORT
Bérengère BEFFORT
Hochrangige Politiker trafen am Dienstag in Schengen zum Gipfel der Großregion zusammen. Das bekamen allerdings die wenigsten Menschen mit. Alle Blicke waren auf andere Prominente gerichtet.

(BB) - Stellen Sie sich vor: Neun hochrangige Politiker treffen unter großem Polizeiaufgebot in Schengen zusammen. Nur keiner schaut hin. So ist es den Vertretern der Großregion am Dienstagmorgen ergangen.

Am Moselufer hatten sich mehrere Tausend Person eingefunden. Sie jubelten und spendeten Beifall. Doch nicht etwa für die prominenten Gäste der Großregion. Alle wollten einen Blick auf die Radprofis erhaschen. Denn die Ortschaft Schengen war am Dienstag eine Etappe der Tour de France.

Die Politiker relativierten. "Wir freuen uns, das Gipfeltreffen in Schengen abzuhalten. Und das am Tag, an dem die Tour de France hier vorbeifährt. Es ist beispielhaft für ein Europa ohne Grenzen", betonte Ministerin Corinne Cahen, die das Treffen unter luxemburgischer Präsidentschaft anführte.

Im Zeichen der Mobilität

Die Großregion steht für eine grenzüberschreitende Mobilität. Tag für Tag pendeln 220.000 Menschen zwischen den Partnergegenden in Luxemburg, Frankreich, Deutschland und Belgien zur Arbeit. Dafür sei es auch wichtig die Zusammenarbeit zwischen den Regionen zu stärken, hieß es auf dem Gipfel.

Allerdings: So schön symbolisch der Tagungsort Schengen, als Wiege des grenzenloses Europas und der gewählte Zeitpunkt mit dem Radrennen sein mögen, so wenig überzeugend ist es, wenn die Menschen draußen kaum etwas mitbekommen. Denn am Dienstagmorgen wussten die meisten Zuschauer gar nicht, was sich im Musée de l'Europe abspielte.

Die da oben, die da unten

"Die politische Haute-Volée steht auf dem Balkon und wir stehen hier in der prallen Sonne. Sie haben uns nicht Mal auf die Toiletten reingelassen", ärgerte sich ein älteres Paar. "Da passiert irgendetwas mit einem Abkommen", so eine weitere Zuschauerin. Sie habe das in der Zeitung gelesen. Was genau im Namen der Bürger entschieden wird, konnte sie nicht sagen.

Die Tour de France fuhr direkt an dem Europamuseum in Schengen vorbei, wo der Gipfel der Großregion stattfand.
Die Tour de France fuhr direkt an dem Europamuseum in Schengen vorbei, wo der Gipfel der Großregion stattfand.
Foto: Laurent Blum

Insgesamt fällt auf: Die Leute wissen nicht, wofür die Großregion und sein institutionelles Sekretariat steht. "Die machen doch ganz viel Kulturelles, oder?", meinten Heidemarie und ihr Mann Matthias.

Vereinfachtes Verfahren

In der Großregion geht es nicht nur darum, etwas Neues zu erschaffen. Wenn sich die Vertreter der Großregion zusammensetzen, dann auch um Hürden abzubauen. So soll ein neues juristisches Instrument dazu beitragen, grenzüberschreitende Projekte einfacher umzusetzen.

"Als die Tram von Straßburg nach Kehl in Deutschland ausgebaut wurde, haben unterschiedliche Normen hohe Mehrkosten verursacht", kann sich Staatssekretär Camille Gira erinnern. Paris und Berlin verlangten verschiedene Beleuchtungsvorschriften. Das bremste das grenzüberschreitende Projekte aus. Was das Leben vieler Menschen auf lokaler Ebene vereinfachen sollte, wurde zur komplizierten nationalen Angelegenheit.

"Die Wagons für den deutschen Streckenabschnitt mussten letztlich nachgerüstet werden", so Camille Gira. Eine vereinfachte Prozedur soll demnach Abhilfe schaffen. Gibt die EU-Kommission grünes Licht, so müssen sich lediglich die lokalen/regionalen Projektträger einigen.

Die Großregion kann ein Motor sein, um das Leben vieler Menschen zu verbessern. Hätten die Zuschauer von den großen Vorhaben etwas mitbekommen, hätten sie vielleicht nicht nur der Tour de France zugejubelt.






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