Gesetzesvorschlag für Transgender

Im falschen Körper geboren

Transgender-Personen können sich nicht mit dem Geschlecht ihrer Geburt identifizieren. Vielen Schwierigkeiten begegnen sie auch im Alltag, wenn sie ihren Namen und ihr Geschlecht offiziell umändern wollen.
Transgender-Personen können sich nicht mit dem Geschlecht ihrer Geburt identifizieren. Vielen Schwierigkeiten begegnen sie auch im Alltag, wenn sie ihren Namen und ihr Geschlecht offiziell umändern wollen.
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(BB) - "Es ist keine Phase, keine Krankheit und keine sexuelle Orientierung. Transgender-Personen streben eine Geschlechtsumwandlung an, oder haben sie bereits durchgeführt, weil sie sich im falschen Körper geboren fühlen", sagt die CSV-Abgeordnete Françoise Hetto. Zusammen mit Parteikollegin Sylvie Andrich hat sie einen Gesetzesvorschlag im Parlament eingebracht, um amtliche Vorgänge für Transgender zu erleichtern. Name und Geschlecht auf offiziellen Dokumenten sollen leichter abgeändert werden können.

Künftig soll der Vorgang weiterhin auf juristischer Ebene erfolgen. Allerdings soll der rechtliche Rahmen, deutlicher formuliert sein und Antragsteller nicht mehr angehalten werden, alle körperliche Wandlungen nachweisen zu müssen. "Wir schlagen vor, Zusatzbestimmungen im Zivilgesetzbuch einzubringen", erklärt Sylvie Andrich. So sollen Transgender:

  • nicht mehr den Beweis einer Sterilisation, eines medizinischen Eingriffs, einer chemischen Therapie oder psychiatrischen Behandlung erbringen müssen.
  • eine ärztliche Bescheinigung vorlegen, um zu bezeugen, dass sie sich der Folgen einer amtlichen Änderung bewusst sind. Ein Gutachten des Arztes ist denn auch nicht als Genehmigung für medizinische Schritte zu betrachten.
  • schriftlich beteuern, dass sie entsprechend informiert sind.

Minderjährige sollen diese amtlichen Änderungen nicht ohne das Einverständnis der Eltern oder eines legalen Vertreters beantragen können.

"Ein Schritt gegen Diskriminierungen"

Mit ihrem Gesetzesvorschlag wollen sich Françoise Hetto und Sylvie Andrich für mehr Anerkennung für Transgender-Personen einsetzen. "Es ist ein erster Schritt gegen Diskriminierungen und Tabus, es ist ein Schritt in Richtung Selbstbestimmung", betonten die CSV-Abgeordneten im Parlament.

Zu oft würden Fragen um das eigene Geschlechtsempfinden noch als Krankheit dargestellt werden. Transgender erfahren Gewalt oder Gewaltandrohungen. "Unser Vorschlag ist pragmatisch, kann schnell umgesetzt werden und ist im Sinn der Betroffenen", argumentieren Françoise Hetto und Sylvie Andrich.

Einen Aufruf für die Rechte von Transgender-Personen hatte es auch im Frühjahr 2015 von der parlamentarischen Versammlung des Europarats gegeben. In einer Resolution hatten sich die Mitgliedsstaaten für schnelle, leicht zugängliche Prozeduren bei amtlichen Änderungen ausgesprochen und gefordert, von Operationszwängen abzusehen.