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Gesetze aus der Mottenkiste: Die Kellnerin, das unanständige Wesen
Politik 2 Min. 02.12.2015

Gesetze aus der Mottenkiste: Die Kellnerin, das unanständige Wesen

Den Kellnerinnen-Beruf gibt es in Luxemburg seit dem Ende der 1870er Jahre.

Gesetze aus der Mottenkiste: Die Kellnerin, das unanständige Wesen

Den Kellnerinnen-Beruf gibt es in Luxemburg seit dem Ende der 1870er Jahre.
Foto: Shutterstock
Politik 2 Min. 02.12.2015

Gesetze aus der Mottenkiste: Die Kellnerin, das unanständige Wesen

Auf der Suche nach überflüssigen Gesetzen, ist die Regierung u. a. auf Bestimmungen gestoßen, die in der heutigen Zeit völlig abstrus wirken und nicht mehr gesetzeskonform sind, wie die Verordnung aus dem Jahr 1915, die vorschreibt, was Kellnerinnen zu tun und zu lassen haben.

(mig) - Langwierige Prozeduren und schwerfällige Verwaltungsvorgänge sind lästig und schaden der Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Unternehmen. 2009, mitten in der Finanz- und Wirtschaftskrise, beschloss die damalige Juncker/Asselborn-Regierung, dem Amtsschimmel Beine zu machen und Hindernisse aus dem Weg zu räumen.

Auf der Suche nach komplexen, überflüssigen und nicht mehr zeitgemäßen Bestimmungen wurde man in einem Dutzend Gesetze und Verordnungen fündig. Die Gesetzesvereinfachungen werden in dem so genannten Omnibus-Gesetz gebündelt, das Anfang 2016 in Kraft treten soll. Die älteste Verordnung ist genau 100 Jahre alt. Sie stammt aus dem Jahr 1915 und betrifft Kellnerinnen in Hotels und Gaststätten.

Kellnerinnen sind unmoralisch

In einem Artikel im Magazin "forum" aus dem Jahr 2011 über die Berufswahl von Frauen Anfang des 20. Jahrhunderts beschäftigt sich die Autorin Monique Kersch eingehend mit dem Kellnerinnen-Beruf, den es in Luxemburg seit Ende der 1870er Jahre gibt. Wie Kersch schreibt, wurde der Beruf vor allem von deutschen Frauen ausgeübt, die nach Luxemburg kamen, "um hier ihren Lebensunterhalt zu verdienen und/oder ein neues Leben zu beginnen". Der Beruf galt als unanständig und den Frauen wurde "unmoralisches Verhalten", sprich Prostitution und das Leiden an Geschlechtskrankheiten, unterstellt. In diesem Licht ist dann auch die Verordnung vom 13. August 1915 zu verstehen.

Veraltet, aber noch rechtsgültig

Die Verordnung hat heute, zumindest formal, noch Rechtsgültigkeit. Darin heißt es, dass Gastwirte eine Erlaubnis des Gemeinderates einholen müssen, wenn sie „weibliche Personen zur Bedienung der Gäste" beschäftigen wollen. Frauen, die als Bedienung arbeiten wollen, benötigen die Erlaubnis des Schöffenrates.

Aufreizende Kleidung

Weiter heißt es in Artikel 8, dass es den bedienenden weiblichen Personen untersagt ist, „in einer unanständigen Tracht aufzutreten oder Gäste durch Worte oder Gebärden anzulocken. Es ist ihnen verboten, sich zu den Gästen zu setzen, sie an anderen als an den Ausschankräumlichkeiten zu bedienen oder sie dorthin zu begleiten, mit ihnen zu tanzen und von ihnen, sei es für sich, sei es für andre, Speisen und Getränke anzunehmen oder zu erbitten.“

Träger von Geschlechtskrankheiten

Die Verbreitung von Geschlechtskrankheiten nahm während des Ersten Weltkriegs stark zu. Deshalb wundert es nicht, dass es in Artikel 5 heißt, dass Frauen, "welche einer ansteckenden Erkrankung oder einer Geschlechtskrankheit verdächtig sind", binnen 48 Stunden ein ärztliches Zeugnis einholen müssen, und dass die Ermächtigung zu verweigern ist, "wenn aus dem Zeugnis hervorgeht, dass die Antragstellerin mit einer ansteckenden Krankheit oder Geschlechtskrankheit behaftet ist oder dass sie sich weigert, sich der Untersuchung zu unterziehen".

Sittlichkeitsgebot für Gaststättenbetreiber

Auch die Gaststättenbetreiber werden auf Herz und Nieren geprüft. Ein Wirt erhält nur dann eine Ermächtigung, wenn festgestellt ist, "dass er die zur ordentlichen Ausübung seines Standes notwendigen Sittlichkeits- und Ehrlichkeitssicherheiten bietet".

Die Verordnung gehört in die Rubrik "nicht mehr verfassungskonform" und wird im Omnibus-Gesetz ersatzlos gestrichen.

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