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"Gesellschaft driftet auseinander"
Politik 2 Min. 16.04.2018 Aus unserem online-Archiv

"Gesellschaft driftet auseinander"

Fast die Hälfte der alleinerziehenden Haushalte sind von Armut bedroht. Damit hat Luxemburg einen der höchsten Werte in der EU.

"Gesellschaft driftet auseinander"

Fast die Hälfte der alleinerziehenden Haushalte sind von Armut bedroht. Damit hat Luxemburg einen der höchsten Werte in der EU.
Foto: Shutterstock
Politik 2 Min. 16.04.2018 Aus unserem online-Archiv

"Gesellschaft driftet auseinander"

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer. Die These ist nicht neu. Was der Arbeitnehmerkammer Sorgen bereitet, ist die Tatsache, dass sich an dieser Tendenz seit 20 Jahren nichts geändert hat.

In der diesjährigen Ausgabe des Sozialpanorama nimmt die Chambre des salariés (CSL) die soziale Situation Luxemburgs unter die Lupe. Das tut die Arbeitnehmerkammer in dieser Form seit 2011 und kommt zu dem Schluss, dass die sozialen Ungleichheiten und die Armut in Luxemburg weiter zunehmen. "Es handelt sich dabei um eine langfristige Tendenz", sagte CSL-Präsident Jean-Claude Reding am Montag bei der Vorstellung der Zahlen und Analysen.

Die Ungleichheiten treten laut CSL ganz besonders bei der Entwicklung der Löhne und bei der Verteilung des Vermögens zu Tage. "Die niedrigen Löhne entwickeln sich langsamer als die hohen Löhne", erklärte Félix Martins de Brito von der Arbeitnehmerkammer. "Die unteren Löhne sind zwischen 2000 und 2016 um 36 Prozent gestiegen, die mittleren Löhne um 53 Prozent und die hohen Löhne um 62 Prozent", so Martins de Brito. Zudem habe sich die Kaufkraft unterschiedlich entwickelt. Zwischen 2010 und 2016 habe die Kaufkraft der Geringverdiener lediglich um 0,8 Prozent zugenommen. In der Sparte der hohen Löhne sei die Kaufkraft um 5,9 Prozent gestiegen. 

Auch das Armutsrisiko nimmt weiter zu. Am schlimmsten trifft es die Alleinerziehenden. 2016 waren 46 Prozent der Alleinerziehenden von Armut bedroht. Das ist ein Plus von über zehn Prozent im Vergleich zum Jahr 2010. "Es ist dies das zweithöchste Armutsrisiko in dieser Kategorie in der ganzen Eurozone", so Félix Martins de Brito.  Zudem gaben 55 Prozent der Alleinerziehenden an, dass sie Probleme haben, mit ihrem Einkommen bis zum Ende des Monats über die Runden zu kommen. 


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Ein zentrales Problem, das vielen Haushalten in Luxemburg zum Verhängnis wird, sind die Wohnkosten. Das spiegelt sich auch in den Statistiken wider. 39,2 Prozent der Luxemburger Haushalte gaben an, wegen der Wohnkosten finanzielle Probleme zu haben. In der Eurozone liegt die Quote bei 31,7 Prozent.

Zudem bringen die Luxemburger Haushalte 28 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für die Miete auf. Zum Vergleich: In der Eurozone verschlingen die Mietkosten im Schnitt knapp 24 Prozent des verfügbaren Einkommens der Haushalte.


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Ohne die Sozialtransfers wären weitaus mehr Haushalte in Luxemburg von Armut bedroht. Sie sind von zentraler Bedeutung für die betroffenen Familien. Die CSL stellt allerdings fest, dass der Impakt abnimmt, die Sozialleistungen die Menschen demnach nicht mehr in dem Maße auffangen, wie das noch vor einigen Jahren der Fall war. Jean-Claude Reding forderte spezielle steuerliche Maßnahmen zur Entlastung der Alleinerziehenden.

Reding warnte vor zunehmenden sozialen Spannungen, sollte die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinandergehen.



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