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Geschichte der Luxemburger Justiz : Was damals Recht war ...
Keine Tabus: Die Historikerkommission soll sämtliche Phasen der Justiz von 1815 bis zur Gegenwart erforschen.

Geschichte der Luxemburger Justiz : Was damals Recht war ...

FOTO: GUSTY MÜLLER / LW-ARCHIV
Keine Tabus: Die Historikerkommission soll sämtliche Phasen der Justiz von 1815 bis zur Gegenwart erforschen.
Politik 2 Min. 30.01.2018

Geschichte der Luxemburger Justiz : Was damals Recht war ...

Pol SCHOCK
Pol SCHOCK
Das Institut für Zeitgeschichte (C2DH) erforscht die Geschichte der Luxemburger Justiz. Laut Minister Felix Braz soll es keine Tabus geben - Historiker erhalten Einblicke in sämtliche Archive.

(ps) - „Der Historiker ist kein Richter“, sagt Andreas Fickers in Anlehnung an den renommierten Historiker Marc Bloch, „aber er ist ein Untersuchungsrichter.“ Justizminister Felix Braz nimmt die Worte des Leiters des Instituts für Zeitgeschichte nickend zur Kenntnis und sagt wenig später: „Wir wollen keine Bibel, sondern eine wissenschaftliche Arbeit.“

Das Institut für Zeitgeschichte hat den Auftrag erhalten, die Geschichte des Luxemburger Justizwesens zu erforschen. Und wie alle Seiten betonen, soll die Erforschung nach streng wissenschaftlichen Kriterien stattfinden: wertneutral, ergebnisoffen und ohne Tabus. „Die Historiker werden Zugang zu sämtlichen Archiven erhalten“, sagt Braz, „ansonsten bräuchten wir die Studie überhaupt nicht Auftrag zu geben.“

Wir wollen keine Bibel, sondern eine wissenschaftliche Arbeit.

Das Projekt wird dabei von Zeithistoriker Denis Scuto geleitet. Ihm zur Seite steht ein wissenschaftlicher Ausschuss bestehend aus internationalen Experten wie dem renommierten deutschen Historiker Manfred Grötemaker, der bereits die NS-Vergangenheit der deutschen Justiz erforscht hat. Im Ausschuss sitzt aber auch Robert Biever, der ehemalige Generalstaatsanwalt. Laut Braz soll Biever den Anstoß für die Idee gegeben haben.

Budget: 700 000 Euro

Der Auftrag der Konvention sieht dabei vor, die Geschichte des Justizwesens seit Beginn des Wiener Kongresses bis zur Gegenwart zu durchleuchten. Am Ende soll sowohl eine Publikation in Form einer großen Überblicksdarstellung stehen als auch eine Ausstellung. Die Ergebnisse sollen ein möglichst breites Publikum erreichen, sagt Andreas Fickers. Die wissenschaftliche Publikation richtet sich eher an ein internationales Fachpublikum, die Ausstellung, die sowohl digital als auch in physischer Form im Musée Dräi Eechelen zu sehen sein wird, eher an ein breites Publikum.

Das Projekt ist für vier Jahre geplant und sieht eine Promotions- sowie eine Post-Doc-Stelle vor. Das Gesamtbudget beziffert sich auf knapp 700 000 Euro – davon trägt das Justizministerium rund 565 000 Euro und der Rest wird vom Institut finanziert.

Auf die Forscher wartet dabei ein hartes Stück Arbeit. Zwar werden sie kein „No Man's Land“ betreten, wie es Scuto betont, dennoch ist die Geschichte des Justizwesens nur spärlich erforscht. Publikationen, die bis heute als Standardwerke gelten, wie Nicolas Majerus' „Histoire du Droit dans le Grand-Duché de Luxembourg“, reichen bis in die 1940er-Jahre zurück. Die Rolle der Justiz im Zweiten Weltkrieg ist wenig durchleuchtet, über die Phase der Épuration – unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg – weiß man so gut wie nichts und an die 1980er-Jahre mit der Bommeleeër Affäre hat sich bis jetzt noch überhaupt kein Historiker gewagt.

Es gilt also, Grundlagenforschung zu betreiben: Unzählige Quellen in Archiven müssen gesichtet und gleichzeitig für die Ausstellung digitalisiert werden. Eine Mammutaufgabe, die zusätzlich unter dem Druck der Öffentlichkeit stehen wird. Andreas Fickers ist jedoch optimistisch und gibt zu verstehen: Wir schaffen das.


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