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Georges Sold neuer JSL-Präsident
Politik 2 Min. 05.01.2019

Georges Sold neuer JSL-Präsident

Georges Sold steht nach der Wahl am Samstag den Jungsozialisten vor.

Georges Sold neuer JSL-Präsident

Georges Sold steht nach der Wahl am Samstag den Jungsozialisten vor.
Foto: Anouk Antony
Politik 2 Min. 05.01.2019

Georges Sold neuer JSL-Präsident

Steve BISSEN
Steve BISSEN
Die Jungsozialisten wählten am Samstag eine neue Führungsspitze, nachdem Jimmy Skenderovic Ende Oktober sein Amt als Präsident niedergelegt hatte. Aufbruchsstimmung war dennoch wenig zu spüren.

Georges Sold heißt der neue Präsident der Jonk Sozialiste Lëtzebuerg (JSL). Der bisherige Generalsekretär wurde anlässlich des ordinären JSL-Kongresses am Samstag im Café Streik in Esch an der Alzette zum neuen Vorsitzenden gewählt. Er tritt damit die Nachfolge von Jimmy Skenderovic an, der bereits Ende Oktober sein Amt als JSL-Präsident niedergelegt hatte. Seit Anfang November bekleidete Sold bereits interimsmäßig das Amt des Präsidenten der Jungsozialisten.

Die Jungsozialisten stimmten über ihre Führungsspitze ab.
Die Jungsozialisten stimmten über ihre Führungsspitze ab.
Foto: Anouk Antony

Obwohl Sold ohne Gegenkandidat antrat, war das Ergebnis am Ende wohl eine Enttäuschung für den frisch gebackenen Präsidenten. Von 32 Delegierten stimmten lediglich 21 für Sold - bei einer Enthaltung und zehn Gegenstimmen – kein Rückenwind für Sold. Neuer JSL-Generalsekretär ist indes Amir Wesali. Er setzte sich bei den Wahlen mit fünfzehn zu sieben Stimmen gegen Dylan Ferreira durch.

Prioritär werde sich das neu gewählte Nationalbüro der Jungsozialisten mit der Reform der Statuten der Jusos befassen, so Sold. Ein erster Entwurf wurde am Samstag vorgestellt und diskutiert. Nun liegt der Ball bei den lokalen Sektionen der JSL, die Änderungsanträge einbringen können. Endgültig abgestimmt über die Reform, die u.a. eine Begrenzung der Amtsperioden für führende Mitglieder des Exekutivbüros vorsieht, wird erst bei einem kommenden JSL-Kongress.

Kritik an Mutterpartei

Trotz des Wechsels an der Spitze war von Aufbruchsstimmung wenig zu spüren. Noch leckt die LSAP-Jugendsektion ihre Wunden nach dem historisch schlechtesten Wahlergebnis der Mutterpartei. Zur Erinnerung: Die Jungsozialisten hatten Anfang Dezember gegen den Koalitionsvertrag von Blau-Rot-Grün gestimmt. Neben inhaltlicher Kritik am Koalitionsprogramm reibt sich die JSL in erster Linie an der Aufteilung der Ministerien in der neuen Regierung, die einer Erneuerung der LSAP im Weg stünden.

Im Kreis der JSL machte sich auch Unmut über die Mutterpartei breit.
Im Kreis der JSL machte sich auch Unmut über die Mutterpartei breit.
Foto: Anouk Antony

Außerdem war der Vorstand der JSL-Sektion Osten zurückgetreten, nachdem bekannt wurde, dass Paulette Lenert – obwohl sie nicht bei den Nationalwahlen kandidierte - den Posten des abwanderungswilligen Nicolas Schmit in der Regierung übernehmen würde anstelle der jungen LSAP-Abgeordneten Tess Burton.

Die Beziehungen zur Mutterpartei waren denn auch schon mal besser. Sold übte zum Teil heftige Kritik. So sei es „kein Zufall“ gewesen, dass Jimmy Skenderovic und weitere Mitglieder des JSL-Nationalbüros nach den Chamberwahlen zurückgetreten seien. Sold sprach davon, dass einige JSL-Mitglieder „mundtot“ gemacht worden seien und aus „Politikverdrossenheit“ ihren Hut genommen haben.

Außerdem prangerte der neue JSL-Vorsitzende den mangelnden Erneuerungswillen der LSAP an. „Wenn keiner in der Partei die Erneuerung angeht, dann müssen wir das machen“, so Sold – eine Kritik, die sich an die ebenfalls anwesenden LSAP-Mandatare wie zum Beispiel Alex Bodry oder Yves Cruchten richtete.

„Das schlechte Gewissen der Partei“

Innenministerin Taina Bofferding – langjährig aktives JSL-Mitglied - versuchte indes in ihrer Rede, die Wogen wieder etwas zu glätten und warb um Verständnis für die Neuauflage der Regierungskoalition aus DP, LSAP und Déi Gréng. Immerhin seien im Koalitionsvertrag auch einige langjährige JSL-Forderungen wie beispielsweise die Legalisierung von Cannabis enthalten.

Außerdem sei „es nicht dramatisch, nicht immer einer Meinung zu sein“, so Bofferding und bezeichnete die JSL als „schlechtes Gewissen der Partei“. Diese Rolle müsse sie auch in Zukunft übernehmen. Gleichzeitig beschwor Bofferding das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen LSAP und JSL. Schließlich seien „die Ziele dieselben“. Nur über den Weg dahin müsse man streiten. Von den jungen Delegierten gab es viel Applaus für Bofferding.


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